DAX-Konzerne steigern Gewinne trotz sinkender Umsätze im Quartal
Finanzbranche glänzt mit Rekordwachstum, Autobauer schwächeln – ein gespaltenes Bild im deutschen Leitindex.

Die 40 DAX-Konzerne haben das erste Quartal 2025 mit einem überraschend soliden Ergebnis abgeschlossen – zumindest auf den ersten Blick. Trotz eines durchschnittlichen Umsatzrückgangs von 3,7 Prozent kletterten die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Jahresvergleich um 4,4 Prozent nach oben. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens EY. Für Privatanleger liefert diese Diskrepanz zwischen schrumpfenden Erlösen und steigenden Gewinnen wichtige Hinweise auf die Qualität der Unternehmensführung.
Haupttreiber des Gewinnwachstums war die Finanzbranche, die ein rekordverdächtiges Plus von 15,9 Prozent erzielte. Industrieunternehmen hingegen kamen lediglich auf ein mageres Gewinnwachstum von 0,5 Prozent. Der Kontrast zwischen diesen beiden Sektoren könnte kaum deutlicher sein.
Die Gewinner des Quartals
An der Spitze der Gewinnrangliste steht die Deutsche Telekom mit einem Quartalsergebnis von 5,8 Milliarden Euro. Dahinter folgen die Allianz mit 4,5 Milliarden Euro und der Energieversorger Eon mit 3,9 Milliarden Euro. Besonders starkes Gewinnwachstum verzeichneten zudem Siemens Energy und der Rückversicherer Munich Re.
Auf der Verliererseite stehen Zalando und die Porsche Automobil Holding, die als einzige DAX-Mitglieder einen Quartalsverlust auswiesen. Sämtliche Automobilhersteller im DAX mussten Gewinnrückgänge hinnehmen – ein Zeichen für den anhaltenden Druck auf die deutsche Schlüsselindustrie.
Zwei Welten im deutschen Leitindex
Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY, spricht von einem „Fehlstart ins neue Jahr", betont aber gleichzeitig das differenzierte Bild dahinter. „Denn trotz Konjunkturflaute glänzt die Finanzbranche mit sehr guten Zahlen, sie profitiert vom anhaltend hohen Zinsniveau, günstigen Schadenverläufen bei den Versicherungen und der hohen Marktvolatilität", so Ahlers.
Für klassische Industrieunternehmen sieht die Lage deutlich düsterer aus. Die schwache Weltkonjunktur, kombiniert mit einer angespannten geopolitischen und handelspolitischen Lage, sorgt laut EY für teils massive Belastungen und Einbußen in diesem Segment.
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Zur AktienanalyseEY-Manager Jan Brorhilker warnt dabei vor tiefergehenden strukturellen Problemen: „Das bisherige Geschäftsmodell des ehemaligen Exportweltmeisters Deutschland funktioniert nicht mehr." China trete zunehmend als aggressiver Wettbewerber auf, während die Kosten am Standort Deutschland weiter zu hoch seien. Diese Einschätzung deckt sich mit einer wachsenden Debatte unter Ökonomen und Investoren über die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Industriestandorts.
Für Anleger bedeutet das Quartalsbild eine klare Botschaft: Wer auf DAX-Werte setzt, sollte genau hinschauen, in welchem Sektor ein Unternehmen tätig ist. Finanzwerte und ausgewählte Energietitel zeigen Stärke, während die klassische Industrie – und insbesondere die Automobilbranche – weiter unter Druck steht. Eine breite Diversifikation innerhalb des Index bleibt daher ratsam.


