DAX tritt auf der Stelle – doch Gold und Silber laufen heiß
Der aktuelle Marktbericht von Aktien.news

Während der DAX nur Zentimeter gutmacht, drehen Anleger am großen Rad – und parken ihr Geld ausgerechnet dort, wo es traditionell nach Krisen riecht: bei Gold und Silber. Der deutsche Leitindex schloss am Freitag bei 24.900 Punkten, ein Plus von 0,18 Prozent – kaum Bewegung, aber viel Spannung unter der Oberfläche.
Denn der Markt wirkt wie nach einem Gewitter: Die größten Blitze sind vorbei, die Luft bleibt elektrisch. Der „Zollschock“ von Donald Trump gilt als verdaut, doch die nächste kräftige Gegenbewegung blieb aus. Stattdessen: Vorsicht. Ab kommender Woche drängen neue Reizthemen nach vorn – Berichtssaison in Deutschland, Zinssitzung der US-Notenbank, dazu geopolitische Risiken. Analyst Frank Sohlleder (Activtrades) bringt das Gefühl auf den Punkt: Der „Grönland-Thriller“ sei zwar entschärft, aber „noch lange nicht ausgestanden“. Marktbeobachter Andreas Lipkow sieht die entscheidende Unbekannte in Washington: Welches Thema kommt als nächstes – oder wird wieder aufgewärmt?
Quartalszahlen als Lackmustest
In so einem Umfeld zählt weniger die Hoffnung, mehr die Beweisführung. Gewinne und vor allem Ausblicke müssen sitzen – sonst kippt die Stimmung schnell. Das zeigte sich ausgerechnet bei Adidas: Die Aktie war DAX-Schlusslicht und verlor über fünf Prozent. Der Markt signalisiert damit unmissverständlich, wie eng die Geduldsspanne geworden ist.
Gleichzeitig schielt die Börse auf die Diplomatie: Unter Vermittlung der USA sollen Unterhändler Russlands und der Ukraine in Abu Dhabi erstmals seit längerem wieder offiziell miteinander reden. Ein möglicher Durchbruch wäre, so Sohlleder, ein Wachstumstreiber für Europas Märkte – und könnte den DAX rasch zurück über die 25.000er-Marke schieben. Nur: Reicht ein Hoffnungsschimmer schon, um die Risikoaversion zu drehen?
Edelmetalle als Fluchtweg
Am deutlichsten liest sich die Unsicherheit im Metallpreis. Silber stieg erstmals über 100 Dollar je Feinunze und ist in den ersten Wochen des Jahres damit fast 40 Prozent teurer geworden. Gold nähert sich der Marke von 5.000 Dollar je Feinunze. Für Kyle Rodda (Capital.com) ist das ein Vertrauenssignal – allerdings eines in die falsche Richtung: Das Vertrauen in die USA und deren Vermögenswerte sei erschüttert und treibe Kapital in Edelmetalle.
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Zur AktienanalyseAn der Wall Street zeigte sich derweil ein zweigeteiltes Bild: Dow Jones moderat im Minus, Nasdaq im Plus. Einen harten Dämpfer kassierte Intel – die Aktie fiel um knapp 16 Prozent. Nach einem Kursanstieg von fast 50 Prozent seit Jahreswechsel wirkte der Rückschlag wie ein abruptes Bremsmanöver. JPMorgan-Analyst Harlan Sur hält den vorherigen Anstieg für überzogen; hinzu kommen laut Bericht Lieferengpässe und ein Umsatzziel fürs laufende Quartal, das die Wall Street enttäuschte.
Bei den DAX-Einzelwerten setzte SAP einen Gegenpunkt: größter Gewinner des Tages, kurz vor dem Start der heißen Phase der Berichtssaison. Die Aktie stand zuletzt unter Druck – auch wegen der Frage, ob KI komplexe Softwareprogramme leichter ersetzen kann. Jetzt zählt, ob die Zahlen den Zweifel kleiner machen. Und genau darin liegt der Prüfstein der kommenden Woche: Zieht der Markt wieder Risiko an – oder bleibt er im Sicherheitsmodus, solange Zinsen, Quartalsbilanzen und Abu Dhabi nur Möglichkeiten liefern, aber noch keine Gewissheiten?


