DAX unter Druck: Nahost-Krise und KI-Zweifel belasten Märkte
US-Angriffe auf den Iran, steigende Ölpreise und wackelnde Tech-Werte setzen den deutschen Leitindex zum Wochenstart unter Druck.

Der DAX startet mit Verlusten in den Handelstag. Broker IG taxierte den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Start rund 0,3 Prozent tiefer. Bereits am Vortag hatte der DAX deutlich nachgegeben – ein Minus von 1,4 Prozent drückte ihn auf 25.465 Punkte. Dabei hatte der Index noch an drei aufeinanderfolgenden Handelstagen neue Rekordmarken gesetzt und am vergangenen Montag sogar die Marke von 25.900 Punkten überwunden.
Hauptauslöser für die Stimmungseintrübung ist eine Kombination aus geopolitischen Risiken und wachsenden Zweifeln an der KI-Rally. Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets, bringt es auf den Punkt: „Die Angst vor einem abrupten Ende der Rally von allem, was mit KI zu tun hat und bislang nur eine Richtung an der Börse kannte, ist auf dem Parkett deutlich zu spüren." Die Favoriten der vergangenen Monate würden wackeln, was die Nervosität unter den Anlegern spürbar erhöhe.
Nahost-Eskalation treibt Ölpreis
Zusätzlichen Gegenwind liefert die Lage im Nahen Osten. Nach Attacken auf mehrere Tanker in der Straße von Hormus hat das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Gleichzeitig wurden Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt. Teheran bezeichnete dies als „schwerwiegenden Verstoß" gegen das bestehende Rahmenabkommen.
Anleger fürchten nun erneute Störungen globaler Lieferketten – mit direkten Folgen für den Rohstoffmarkt. Der Ölpreis legte daraufhin um mehr als zwei Prozent zu. Bislang überwiegt noch die Hoffnung, dass es sich um begrenzte Militäraktionen handeln werde und keine weitere Eskalation folgt.
Die Reaktionen an den asiatischen Aktienmärkten fallen gemischt aus. Der japanische Nikkei verlor nur rund ein halbes Prozent und zeigte sich damit vergleichsweise stabil. Der südkoreanische Kospi hingegen weitete seine Verluste zuletzt auf mehr als vier Prozent aus – der Index ist besonders stark von Schwankungen bei Tech- und KI-Werten abhängig.
Wall Street: Halbleiter im Ausverkauf
Bereits an der Wall Street hatten Zweifel an der KI-getriebenen Hausse für rote Vorzeichen gesorgt. Der technologielastige Nasdaq-Index gab 1,2 Prozent auf 25.818 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 verlor 0,5 Prozent auf 7.504 Zähler, der Dow Jones schloss 0,3 Prozent tiefer bei 52.925 Punkten – obwohl er im Handelsverlauf kurzzeitig ein neues Rekordhoch markiert hatte.
Besonders hart traf es Halbleiterwerte. Der Philadelphia Semiconductor Index brach um 4,7 Prozent ein. Auslöser war eine doppelte Enttäuschung: Zum einen verfehlten die Quartalszahlen von Samsung Electronics trotz starker Ergebnisse die hohen Erwartungen der Investoren. Zum anderen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass das chinesische Start-up DeepSeek einen eigenen KI-Chip entwickelt – was die Abhängigkeit der Branche von Nvidia verringern könnte und Fragen über die Bewertungen der bisherigen KI-Gewinner aufwirft.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseCommerzbank-Übernahme: Unicredit legt Karten auf den Tisch
Abseits der makroökonomischen Turbulenzen richtet sich der Blick am deutschen Aktienmarkt auf den Übernahmestreit zwischen Commerzbank und Unicredit. Die italienische Großbank veröffentlicht heute das finale Ergebnis ihres Übernahmeangebots und zeigt damit, wie viele Commerzbank-Aktionäre den angebotenen Aktientausch angenommen haben. Das Commerzbank-Management lehnt eine Übernahme weiterhin ab.
Nach dem Stand vom 19. Juni hat sich die Unicredit bereits knapp 40 Prozent der Commerzbank-Anteile direkt gesichert – hinzu kommen weitere Positionen über Kaufoptionen und andere Finanzinstrumente. Sollte die Unicredit die Schwelle von 50 Prozent überschreiten, könnte sie entscheidenden Einfluss auf das Management der Commerzbank ausüben. Für Anleger bleibt der Ausgang dieser Übernahmeschlacht damit ein zentrales Thema an diesem Handelstag.


