Dax unter Druck: Nahost-Risiken und Inflationssorgen belasten Märkte
Nach einer zweitägigen Rally dreht der Dax ins Minus – Geopolitik, steigende Anleiherenditen und Ölpreisanstieg belasten Anleger.

Der Deutsche Aktienindex hat zum Wochenschluss einen deutlichen Rücksetzer erlitten. Nach Gewinnen von rund zwei Prozent an den vorangegangenen beiden Handelstagen fiel der DAX um bis zu 1,8 Prozent auf 24.008 Punkte. Der EuroStoxx 50 gab sogar zwei Prozent nach. Auslöser war eine Kombination aus geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und wachsenden Inflationsängsten.
US-Präsident Donald Trump verschärfte in einem Interview mit dem Sender Fox News seinen Ton gegenüber dem Iran und signalisierte, er werde nicht mehr lange Geduld aufbringen. „Die Iran-Unsicherheit sorgt für Gewinnmitnahmen", erklärte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Der erhoffte Durchbruch bei den Verhandlungen mit Teheran blieb zum Wochenschluss aus.
Auch das Gipfeltreffen zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping brachte keine greifbaren Fortschritte in der Nahost-Frage. Timo Emden von Emden Research fasste die Stimmung treffend zusammen: „Am Markt setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Trump-Xi-Gipfel letztlich vor allem symbolischen Charakter hatte und die geopolitischen Risiken lediglich kaschiert, ohne die eigentlichen Unsicherheiten zu beseitigen." Investoren hatten gehofft, Trump könnte China als Vermittler im seit Ende Februar andauernden Nahost-Krieg einsetzen – seit April gilt zwar eine Waffenruhe, doch die Lage bleibt fragil.
Anleiherenditen auf Jahreshoch – Fed-Zinserhöhung wird wahrscheinlicher
Parallel zum Aktienmarkt geriet auch der Bondmarkt unter Druck. Anhaltend hohe Energiepreise schüren Inflationsängste und treiben die Renditen in die Höhe. Die Verzinsung zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,5640 Prozent – den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Auch europäische Anleihen blieben nicht verschont: Die Rendite zehnjähriger italienischer Bonds stieg um 7,4 Basispunkte auf rund 3,86 Prozent, die deutschen Pendants legten um fast sechs Basispunkte auf rund 3,11 Prozent zu.
Geldmarkthändler sehen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent, dass die US-Notenbank Fed noch in diesem Jahr eine Zinserhöhung vornimmt. Der Dollar-Index profitierte von diesen Zins-Spekulationen und legte um 0,5 Prozent auf 99,29 Punkte zu – der höchste Stand seit fast drei Wochen.
Der Ölmarkt reagierte ebenfalls nervös auf die festgefahrene Lage im Nahen Osten. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich in der Spitze um 2,5 Prozent auf 108 Dollar je Barrel, das US-Öl WTI stieg um 2,9 Prozent auf 104 Dollar. Vandana Hari, Gründerin des Analyseunternehmens Vanda Insights, erklärte, der Fokus der Anleger richte sich nun wieder auf die Straße von Hormus. Die strategisch wichtige Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer wird vom Iran wegen des Krieges weitgehend blockiert – und hat die Ölpreise seit Kriegsbeginn um über 50 Prozent in die Höhe getrieben.
Gold und Kupfer leiden unter starkem Dollar
Der erstarkende Dollar setzte Rohstoffmärkten zu. Gold verlor in der Spitze 2,5 Prozent auf 4.532 Dollar je Feinunze, Kupfer notierte mit 13.555 Dollar je Tonne rund 2,8 Prozent tiefer. Der Mechanismus dahinter ist klassisch: Ein stärkerer US-Dollar verteuert in Dollar gehandelte Rohstoffe für Käufer aus anderen Währungsräumen und dämpft so die Nachfrage.
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Zur AktienanalyseTech-Aktien nach KI-Rally unter Verkaufsdruck
Besonders hart traf es die Technologiewerte, die in den Vortagen vom anhaltenden KI-Boom profitiert hatten. Infineon-Aktien verloren im DAX mehr als vier Prozent, Aixtron im MDax sogar 6,8 Prozent. Der europäische Technologiebranchenindex gab insgesamt 2,4 Prozent nach. Eine Ausnahme bildete SAP: Die Papiere des Walldorfer Softwarekonzerns setzten ihren Aufwärtstrend fort und lagen mit knapp zwei Prozent an der DAX-Spitze.
Im MDax stach Freenet positiv hervor. Nach einem Umsatzsprung im ersten Quartal griffen Anleger beherzt zu – die Aktien des Mobilfunk- und TV-Anbieters rückten um drei Prozent vor. An der Pariser Börse sorgte LVMH für Schlagzeilen: Der französische Luxusgüterkonzern trennt sich nach fast drei Jahrzehnten von der Modemarke Marc Jacobs. Die LVMH-Aktie gab daraufhin 1,3 Prozent nach.


