Dax unter Druck: Nahost-Sorgen und KI-Gewinnmitnahmen belasten
Nach den Nvidia-Zahlen fehlt dem Dax die Richtung – KI-Aktien und steigende Ölpreise sorgen für Unruhe.

Der DAX hat am Donnerstag seinen Erholungskurs nicht fortsetzen können. Nach einem verhaltenen Start näherte sich der deutsche Leitindex zwar zeitweise der 25.000-Punkte-Marke an, drehte nach dem Mittag jedoch wieder ins Minus. Damit droht eine dreitägige Gewinnserie zu reißen.
Rund eine Stunde vor Eröffnung der US-Börsen verlor der DAX 0,6 Prozent auf 24.591 Punkte. Sein Tageshoch hatte er bei knapp 24.895 Punkten markiert – kurz bevor auch die Futures auf die New Yorker Börsen ins Minus rutschten. Der MDax der mittelgroßen deutschen Werte gab ebenfalls nach und verlor 0,4 Prozent auf 31.780 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx notierte am Nachmittag rund ein halbes Prozent tiefer.
Zu Beginn des Handelstages hatten noch positive Signale überwogen: Neue Störfeuer aus dem Nahost-Konflikt blieben aus, und schwache Wirtschaftsdaten aus Europa nahmen die Anleger zunächst gelassen hin. Im weiteren Tagesverlauf setzten dann jedoch Gewinnmitnahmen ein – vor allem bei Technologiewerten mit KI-Bezug, wie Börsianer am Nachmittag berichteten.
Infineon verpasst die 70-Euro-Marke
Besonders auffällig war die Entwicklung bei Infineon. Die Aktien des Münchner Halbleiterkonzerns drehten kurz vor der 70-Euro-Marke ab – einem Niveau, das der Titel zuletzt vor 26 Jahren erreicht hatte. Am Ende schrumpfte der Kursgewinn auf rund ein Prozent zusammen.
Auch Nvidia selbst konnte trotz starker Quartalszahlen nicht zulegen. Jefferies-Analyst Blayne Curtis attestierte dem KI-Chipriesen zwar, in jeglicher Hinsicht geliefert zu haben. Doch die Aktie hatte die Erwartungen bereits im Vorfeld eingepreist und war zuletzt auf ein Rekordhoch geklettert. Im vorbörslichen US-Handel notierte sie knapp 0,2 Prozent im Minus.
Ölpreise steigen deutlich
Deutlich Bewegung gab es am Rohstoffmarkt. Das Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich am Donnerstagnachmittag um 3,4 Prozent auf 108,55 Dollar je Barrel. Das US-amerikanische Rohöl WTI legte sogar um 3,9 Prozent auf 102,08 Dollar zu.
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Zur AktienanalyseCommerzbank-Analyst Michael Pfister erwartet, dass die Ölpreise auch bei einem baldigen Kriegsende und einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus erhöht bleiben dürften. „Viele Energieanlagen wurden beschädigt und die Lager einiger Staaten aus dem Nahen Osten sind seit Wochen voll, wodurch die Produktion gedrosselt werden musste", erklärte der Experte. „Es dürfte einige Zeit dauern, bis die Produktion wieder ihr Vorkriegsniveau erreicht."
Für Anleger bleibt das Umfeld damit herausfordernd: Geopolitische Unsicherheiten, ein angespannter Ölmarkt und die Frage, wie weit die KI-Rally noch trägt, dürften die Märkte in den kommenden Tagen weiter beschäftigen.


