DAX vor Fed-Entscheid unter Druck – Chipwerte glänzen mit ASML-Rekord
An der Frankfurter Börse herrscht am Mittwoch Zurückhaltung. Der DAX notiert im frühen Handel bei 24.870 Punkten und gibt damit 0,1 Prozent nach. Bereits am Vortag hatte der deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,15 Prozent bei 24.894 Punkten geschlossen. Anleger halten sich vor wichtigen Ereignissen zurück: Eine Flut von Unternehmenszahlen steht an, und am Abend entscheidet die US-Notenbank Federal Reserve über die Zinsen.
Belastend wirkt weiterhin der starke Euro, der von der anhaltenden Dollar-Schwäche profitiert. Die US-Währung gerät zunehmend unter Druck, nachdem Präsident Donald Trump die schwache Dollar-Entwicklung als "hervorragend" bezeichnet hatte. Diese Äußerung löste erneute Verkäufe bei der US-Währung aus und sorgt für Verunsicherung an den Märkten.
Chipbranche mit Glanzauftritt nach ASML-Zahlen
Einen deutlichen Lichtblick bietet die Halbleiterbranche. Der niederländische Chipausrüster ASML meldete am Morgen einen rekordhohen Auftragseingang und äußerte sich optimistisch für das laufende Jahr. Diese positive Nachricht beflügelt die gesamte Branche. Infineon-Aktien steigen auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren, während STMicroelectronics ebenfalls zulegen. Elmos-Aktien erreichen sogar ein Rekordhoch.
Die starke Performance der Chipwerte zeigt, dass Anleger trotz allgemeiner Zurückhaltung bei überzeugenden Unternehmensnachrichten zugreifen. Der Sektor profitiert vom anhaltenden Optimismus rund um Künstliche Intelligenz und die damit verbundene Nachfrage nach Halbleitern.
Wacker Chemie enttäuscht mit Jahreszahlen
Im MDAX ziehen Wacker Chemie-Aktien nach anfänglichen Verlusten wieder an. Der Chemiekonzern hatte beim operativen Gewinn für 2025 selbst die zuletzt deutlich gesunkenen Markterwartungen verfehlt, wie JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi kommentierte. Bereinigt um Sonderaufwendungen für das laufende Sparprogramm liegt der Gewinn allerdings nur leicht unter den Erwartungen.
Die Eckdaten für das vierte Quartal und das Gesamtjahr bezeichnete Udeshi als "sehr schwach". Neben dem generell schwierigen Branchenumfeld habe Wacker zusätzlich unter eigenem Lagerbestandsabbau gelitten, der zu einer deutlich geringeren Kapazitätsauslastung geführt habe.
US-Börsen mit gemischten Signalen
Die Vorgaben aus den USA fallen durchwachsen aus. Der Dow Jones verlor am Dienstag 0,8 Prozent auf 49.003 Punkte, belastet von Kursverlusten bei Krankenversicherern und Technologiewerten. Der marktbreite S&P 500 hingegen erreichte mit knapp 6.979 Punkten einen neuen Rekord und legte 0,4 Prozent zu. Die psychologisch wichtige Marke von 7.000 Punkten rückt damit in greifbare Nähe. Der Technologieindex Nasdaq 100 gewann 1,0 Prozent auf 25.958 Zähler.
Gold durchbricht 5.200-Dollar-Marke
Einmal mehr erreicht Gold einen historischen Höchststand: Erstmals kostete eine Feinunze mehr als 5.200 Dollar. Allein seit Jahresbeginn hat das Edelmetall bereits 22 Prozent an Wert zugelegt. Die Dollar-Schwäche macht Gold für Anleger in anderen Währungen günstiger und treibt die Nachfrage. Da das Edelmetall überwiegend in US-Dollar gehandelt wird, führen fallende Dollar-Notierungen meist zu Gewinnen am Goldmarkt.
Auch Silber profitierte von Trumps Dollar-Kommentaren und zog am Mittwochmorgen um weitere drei Prozent auf 115,50 Dollar an. Für einen neuen Rekord reichte es allerdings nicht.
Fed-Entscheidung im Fokus
Am Abend richtet sich die Aufmerksamkeit auf die US-Notenbank. Ökonomen erwarten ganz überwiegend, dass die Fed den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert lässt. "Aufgrund der robusten US-Konjunktur und der weiterhin zu hohen Inflation dürfte die Fed die Zinsen vorerst unverändert lassen", schreibt Berenberg-Volkswirt Felix Schmidt. Im Dezember hatten die Währungshüter den Zins noch um 0,25 Prozentpunkte reduziert.
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Zur AktienanalyseBesondere Brisanz erhält die Entscheidung durch den eskalierenden Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell, dessen Vertrag im Mai ausläuft. Trump übt massiven Druck auf die Notenbank aus, die Zinsen zu senken, und hat zuletzt rechtliche Schritte gegen Powell eingeleitet. Diese Auseinandersetzung verunsichert die Marktteilnehmer erheblich und ist einer der Hauptgründe für die anhaltende Dollar-Schwäche.
Tech-Riesen legen Zahlen vor
Nach Handelsschluss in den USA veröffentlichen Meta, Microsoft und Tesla ihre Quartalsergebnisse. Bei den Tech-Konzernen bleibt die zentrale Frage, inwieweit Investoren bereit sind, die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz mitzutragen, während unklar ist, wann sich diese Summen auszahlen werden.
Laut Ipek Ozkardeskaya von der Bankengruppe Swissquote wollen Investoren sehen, dass tatsächlich Geld von Endkunden, Unternehmen und Drittanbietern in das KI-Ökosystem fließt. "Bis die Nachfrage tatsächlich anzieht, könnte ein Teil der Infrastruktur bereits veraltet sein - mit der Folge, dass ein Teil der heutigen Investitionen ins Leere läuft", warnte die Expertin.
Bei Tesla steht die Frage im Mittelpunkt, ob das Geschäft mit selbstfahrenden Autos Fortschritte macht. Im klassischen Elektroauto-Geschäft dürfte der Konzern zum Jahresende weniger Gewinn und Umsatz erzielt haben. Die Zahlen könnten wichtige Hinweise auf die strategische Neuausrichtung des Unternehmens geben.


