Delta Air Lines bestätigt Jahresprognose trotz Rekord-Treibstoffkosten
Starke Nachfrage und höhere Ticketpreise federten den Treibstoffschock ab – Delta übertrifft Analystenerwartungen im zweiten Quartal.

Delta Air Lines hat am Freitag seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 bestätigt und einen über den Erwartungen liegenden Ausblick für das dritte Quartal gegeben. Die US-Fluggesellschaft signalisiert damit Zuversicht, dass die jüngsten Tariferhöhungen dauerhaft Bestand haben werden – selbst wenn die Treibstoffpreise von ihren diesjährigen Höchstständen zurückgehen. Als erste große US-Airline, die ihre Quartalsergebnisse vorlegt, gibt Delta damit einen frühen Einblick in die Reisenachfrage nach der Sommersaison.
Delta-Finanzvorstand Erik Snell erklärte, die Fluggesellschaft habe im zweiten Quartal etwa 60 Prozent des Anstiegs der Treibstoffkosten durch Preiserhöhungen ausgeglichen – schneller als in früheren Perioden. „Die Nachfrage ist weiterhin stark, und es gibt keine Anzeichen für Schwäche oder eine Verschiebung der Nachfragemuster", sagte Snell gegenüber Reportern. „Wir haben keine Elastizität festgestellt." Für das laufende dritte Quartal erwartet er, noch mehr der gestiegenen Kosten wettzumachen.
Hintergrund der Preiserhöhungen ist ein Treibstoffschock im Frühjahr: Die Kerosinpreise waren im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg sprunghaft angestiegen und hatten die Fluggesellschaften zu deutlichen Tariferhöhungen gezwungen. Seitdem ist der Kerosinpreis von seinem Höchststand von rund 4,88 US-Dollar pro Gallone Anfang April deutlich zurückgegangen, liegt aber zuletzt aufgrund erneuter Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran wieder bei rund 3,18 US-Dollar pro Gallone – erstmals seit Mitte Juni wieder über der Marke von 3 US-Dollar.
Gewinnprognose deutlich über Analystenschätzungen
Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert Delta einen bereinigten Gewinn von 6,50 bis 7,50 US-Dollar pro Aktie. Diese Spanne hatte das Unternehmen erstmals im Januar veröffentlicht, sie dann im Bericht zum ersten Quartal im April jedoch ausgelassen. Der Mittelwert von 7,00 US-Dollar liegt rund 17 Prozent über den von LSEG befragten Analysten erwarteten 5,97 US-Dollar pro Aktie. Snell betonte, dass die Volatilität der Treibstoffpreise ein wesentlicher Faktor dafür sei, ob Delta das obere Ende der Spanne erreiche.
Für das dritte Quartal erwartet Delta einen bereinigten Gewinn von 2,00 bis 2,50 US-Dollar pro Aktie – verglichen mit der durchschnittlichen Analystenschätzung von 2,02 US-Dollar. Das Unternehmen rechnet zudem mit einem Umsatzwachstum im mittleren Zehnerbereich sowie einer operativen Marge von 11 bis 13 Prozent. Trotz dieser positiven Aussichten gaben die Delta-Aktien im frühen Handel um 1,5 Prozent nach.
Im zweiten Quartal meldete Delta ein Umsatzwachstum von fast 14 Prozent bei einem Kapazitätswachstum von lediglich rund 1 Prozent. Der Passagierumsatz pro angebotener Sitzmeile – eine zentrale Kennzahl der Branche – stieg im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent. Dies verdeutlicht, dass Delta sein Wachstum primär über höhere Preise und einen besseren Passagier-Mix erzielt, nicht über zusätzliche Flüge.
Premium und Hauptkabine wachsen gleichermaßen
Besonders stark entwickelte sich das Premiumsegment: Der Umsatz stieg hier im zweiten Quartal um 17 Prozent. Aber auch der Ticketumsatz in der Hauptkabine legte um 8 Prozent zu – ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage nicht nur auf zahlungskräftige Kunden beschränkt ist. Snell zufolge wird das Volumen im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr in etwa stabil bis leicht höher ausfallen, was das Bild einer preisgetriebenen Wachstumsstrategie weiter untermauert.
Trotz der positiven Entwicklung verzeichnete Delta im zweiten Quartal die höchsten Quartalsausgaben für Treibstoff in seiner Geschichte – ein Plus von 1,9 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr. Snell gab an, dass die Treibstoffrechnung von Delta im Gesamtjahr um rund 4 Milliarden US-Dollar höher ausfallen werde als im Vorjahr. Infolgedessen sank der bereinigte Gewinn im zweiten Quartal um 26 Prozent auf 1,56 US-Dollar pro Aktie – lag damit aber dennoch über den Analystenerwartungen von 1,48 US-Dollar.
TD-Cowen-Analyst Tom Fitzgerald kommentierte: „Das Übertreffen der Erwartungen im zweiten Quartal wurde durch die Stärke der verschiedenen Einnahmequellen des Unternehmens – Premium, Firmenkunden, MRO, Fracht, Loyalitätsprogramm – sowie durch besser als erwartete Treibstoffpreise getrieben."
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Zur AktienanalyseBranchentest nach dem Sommer
Analysten sehen den größeren Test für die Fluggesellschaften nach dem Labor-Day-Feiertag im September, wenn das Freizeitreisegeschäft üblicherweise nachlässt. Die Kapazitätspläne für das vierte Quartal gelten als größtes Risiko für die aktuelle Preisstärke: Kehren zu viele Flüge gleichzeitig zurück, könnten die Preisgewinne der Branche wieder unter Druck geraten.
Snell betonte, Delta könne den Flugbetrieb kurzfristig anpassen, falls sich die Nachfrage verschlechtere – wie bereits im zweiten Quartal geschehen. Für das dritte Quartal geht das Unternehmen von einem Kerosinpreis von rund 3,15 US-Dollar pro Gallone aus. Die größten Konkurrenten von Delta – United Airlines, American Airlines und Southwest Airlines – werden ihre Quartalsergebnisse im Laufe des Monats vorlegen und dürften ähnliche Fragen zur Preisstabilität beantworten müssen.


