Delta Air Lines greift United im Pazifikgeschäft frontal an
Trotz höherer Gesamtgewinne hinkt Delta im Transpazifik-Segment weit hinter United her – das soll sich ändern.

Delta Air Lines ist die profitabelste Fluggesellschaft der USA, doch ausgerechnet im lukrativen Transpazifik-Geschäft spielt der Konzern bislang nur die zweite Geige. United Airlines dominiert dieses Segment mit deutlichem Abstand – und Deltas neuer Präsident Peter Carter hat nun unmissverständlich klargemacht, dass er diesen Zustand nicht akzeptieren will.
Carter, der im März 2025 zum Präsidenten befördert wurde, erklärte offen, dass Delta im Pazifikraum wachsen werde. Ein wesentlicher Teil dieser Expansion soll aus dem bestehenden Joint Venture mit Korean Air resultieren, die sich derzeit in einer Fusion mit Asiana Airlines befindet. Die Partnerschaft soll Delta Zugang zu einem deutlich breiteren Streckennetz in Asien verschaffen.
Die Zahlen zeigen den Rückstand deutlich
Ein Blick auf die Finanzdaten verdeutlicht das Ausmaß der Herausforderung: Delta erzielte im vergangenen Jahr zwar einen Nettogewinn von mehr als 5 Milliarden US-Dollar – gegenüber rund 3,35 Milliarden US-Dollar bei United. Im Transpazifik-Segment jedoch erwirtschaftete Delta laut Unternehmensberichten lediglich einen Umsatz von 2,79 Milliarden US-Dollar, während United auf rund 6,89 Milliarden US-Dollar kam. United ist im Pazifikgeschäft also mehr als doppelt so groß wie Delta.
Transpazifische Flüge gelten in der Branche als besonders attraktiv: Langstreckenverbindungen erzielen höhere Ticketpreise, und die eingesetzten Großraumflugzeuge verfügen über Dutzende von Premium-Sitzen, die hohe Margen versprechen. Kein Wunder also, dass beide Fluggesellschaften ihre Netze in dieser Region gezielt ausbauen.
Beide Airlines haben zuletzt neue Routen angekündigt. Delta nahm Anfang Juni eine Nonstop-Verbindung zwischen Los Angeles und Hongkong auf. United plant seinerseits eine Direktverbindung zwischen dem Drehkreuz San Francisco und Sapporo in Japan – ein Angebot, das gezielt auf den Premium-Skitourismus abzielt.
Gesättigter Heimatmarkt treibt den Blick nach außen
Der Hintergrund dieser Rivalität ist struktureller Natur: Der US-amerikanische Luftverkehrsmarkt gilt als der größte der Welt, ist aber weitgehend gesättigt. Signifikantes jährliches Wachstum im Inland ist kaum noch möglich. „Wenn wir an die Zukunft denken, geht es eigentlich nur um das internationale Geschäft", sagte Carter.
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Zur AktienanalyseDelta hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten konsequent an seinem Image als Premium-Airline gearbeitet – mit exklusiven Lounges und einer lukrativen Kreditkartenpartnerschaft mit American Express. United hat mit ähnlichen Strategien nachgezogen: massive Investitionen in Technologie, umfangreiche Flugzeugbestellungen sowie ein internationales Netzwerk mit neuen Zielen von der Mongolei über Kroatien bis hin zu Grönland.
United-CEO Scott Kirby reagierte auf Deltas Ambitionen mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Gelassenheit. Er sagte, er fühle sich durch die Aussagen von Delta „geschmeichelt" und fasse es als „riesiges Kompliment" auf, dass Delta anerkenne, einen ernsthaften Konkurrenten vor sich zu haben. Auf die Frage, in welchen Bereichen er Delta schlagen wolle, antwortete Kirby knapp: „In allem."
Carter seinerseits betonte, dass Delta sich nicht auf dem aktuellen Erfolg ausruhen könne. Für deutsche Anleger und Beobachter der Luftfahrtbranche ist das Duell zwischen den beiden US-Giganten ein wichtiges Signal: Der Wettbewerb um die profitabelsten internationalen Routen verschärft sich – und der Pazifikraum steht dabei ganz oben auf der Agenda.


