Demokraten wittern Chance in Iowa trotz republikanischer Dominanz
Sinkende Trump-Zustimmungswerte und wirtschaftliche Probleme wecken demokratische Hoffnungen im traditionell republikanischen Iowa vor den Midterms.

IOWA — Im Bundesstaat Iowa, der seit Jahren als zuverlässig republikanisch gilt, regt sich demokratische Hoffnung. Sinkende Zustimmungswerte für Präsident Donald Trump, steigende Preise infolge des Iran-Krieges und eine schwächelnde Agrarwirtschaft geben der Oppositionspartei Auftrieb. Die Demokraten wollen bei den Midterms die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus zurückgewinnen und damit eine Kontrollinstanz gegen Trumps Macht in seinen letzten Amtsjahren bilden.
Iowa ist dabei ein zentrales Puzzlestück ihrer Strategie. Der Cook Political Report mit Amy Walter hat den 1. und 3. Kongresswahlbezirk des Bundesstaates als sogenannte „Toss-ups" eingestuft – also als völlig offene Rennen. Beide Bezirke werden vom Democratic Congressional Campaign Committee (DCCC) als umkämpfte Wahlkreise geführt.
Schwieriges Terrain für die Demokraten
Die Ausgangslage ist dennoch herausfordernd. In Iowa übersteigt die Zahl der registrierten republikanischen Wähler jene der Demokraten um rund 200.000. Trump gewann den Bundesstaat bei der Wahl 2024 mit einem Vorsprung von 13 Prozentpunkten. Seit Barack Obamas Sieg im Jahr 2012 hat Iowa nicht mehr für einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten gestimmt. Den letzten demokratischen Senator wählten die Bürger des Bundesstaates 2008, und seit 2020 ist kein Demokrat mehr aus Iowa im Repräsentantenhaus vertreten.
Auch auf nationaler Ebene kämpft die Partei mit einem Imageproblem. Laut einer Umfrage des Pew Research Center vom Mai haben 59 Prozent der Amerikaner eine unvorteilhafte Meinung von den Demokraten – in etwa derselbe Anteil, der auch die Republikanische Partei negativ bewertet. Rita Hart, Vorsitzende der Demokratischen Partei von Iowa, spricht von einer mangelnden Resonanz bei den Wählern, die die Partei in ländlichen Regionen seit Jahrzehnten verliere.
Trumps Werte im Minus – Landwirte unter Druck
Doch die politische Stimmung hat sich zuletzt verschoben. Eine im Mai veröffentlichte Umfrage von Morning Consult weist für Trump in Iowa einen Netto-Zustimmungswert von minus 7 aus. Die wirtschaftlichen Probleme des Bundesstaates verstärken den Gegenwind für die Republikaner: Die Zahl der landwirtschaftlichen Insolvenzen nimmt landesweit zu. Zölle und der Iran-Krieg haben Sojabohnen-Produzenten und andere Landwirte hart getroffen. Krankenhäuser und ländliche Gesundheitskliniken schließen oder sind von der Schließung bedroht – zumindest teilweise als Folge von Medicaid-Kürzungen der Trump-Regierung. Auch die Steuereinnahmen des Bundesstaates sind rückläufig.
Marc Short, ehemaliger Stabschef von Vizepräsident Mike Pence und heutiger Vorstandsvorsitzender der konservativen Organisation Advancing American Freedom, warnte, dass die Politik der Trump-Regierung den Landwirten geschadet habe. Hohe Preise und eine stagnierende Agrarwirtschaft könnten laut Short zu einer Mobilisierungslücke für die Republikaner in ländlichen Gemeinden führen.
Die demokratischen Kandidaten und ihre Chancen
Im 3. Kongresswahlbezirk, der Des Moines und seine Vororte sowie weite Teile des Südwestens des Bundesstaates umfasst, tritt die demokratische Staatssenatorin Sarah Trone Garriott gegen den republikanischen Amtsinhaber Zach Nunn an. Die lutherische Pastorin und frühere Non-Profit-Mitarbeiterin wirbt bei Hausbesuchen und Diskussionsrunden für ihre Kandidatur – etwa bei Wählerin Connie Klug, die sich selbst als fiskalkonservativ beschreibt und mit einem registrierten Republikaner verheiratet ist, sich aber von der GOP entfremdet fühlt. Trone Garriott kommentierte Besuche von Trump und Vizepräsident JD Vance im Wahlbezirk mit den Worten: „Sie sind ziemlich besorgt."
Im 1. Wahlbezirk hofft die ehemalige Staatsabgeordnete Christina Bohannan auf eine Revanche gegen die Republikanerin Mariannette Miller-Meeks. 2024 verlor Bohannan dieses Rennen mit weniger als 800 Stimmen Unterschied. Zudem führt der demokratische Staatsprüfer Rob Sand einen kompetitiven Wahlkampf um den Gouverneurssitz, und der Demokrat Josh Turek bewirbt sich um den Sitz, den die republikanische Senatorin Joni Ernst räumen wird.
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Zur AktienanalyseRepublikanische Amtsinhaber betonen Eigenständigkeit
Die republikanischen Amtsinhaber reagieren auf die veränderte Stimmungslage. Nunn bezeichnete sich im Interview als eines der überparteilichsten Mitglieder des Kongresses und betonte, er habe sich zeitweise gegen die eigene Partei gestellt. Im Januar stimmte er zu den 17 Republikanern, die für die Verlängerung erhöhter Steuergutschriften im Rahmen des Affordable Care Act votierten – die Maßnahme scheiterte jedoch am breiteren Widerstand der GOP. Gemeinsam mit Miller-Meeks trieb er zudem die Initiative für den ganzjährigen Verkauf von E15-Benzin voran, was ein Vorteil für Maisbauern ist. Die Maßnahme wurde im Mai verabschiedet, ihr Schicksal im Senat bleibt jedoch ungewiss.
Nunn gewann seinen Sitz 2022 mit knapp über 2.000 Stimmen Vorsprung und 2024 mit rund 4 Prozentpunkten. Sowohl Trone Garriott als auch Bohannan haben laut aktuellen Daten der Federal Election Commission etwas weniger Spendengelder eingesammelt als ihre republikanischen Gegner, wobei Bohannan über geringfügig mehr verfügbare Barmittel verfügt als Miller-Meeks.
Ob die demokratischen Hoffnungen diesmal berechtigt sind, bleibt offen. Einige Republikaner verweisen auf den Fehler der renommierten Meinungsforscherin Ann Selzer, die Trump und die Republikaner vor dem Wahlzyklus 2024 massiv unterschätzte und den Demokraten kurzzeitig falsche Hoffnung auf Iowa gab. Die Geschichte mahnt zur Vorsicht – doch die wirtschaftlichen Realitäten im Bundesstaat könnten diesmal einen echten Unterschied machen.


