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Deutsche Bahn: Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter

Bahnchefin Palla versammelt Bund, Länder und Gewerkschaften zu Krisentreffen. Gewerkschaften fordern Doppelbesetzung in Regionalzügen.

Deutsche Bahn: Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter

Nach dem tödlichen Angriff auf einen 36-jährigen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz steht die Deutsche Bahn unter Handlungsdruck. Bahnchefin Evelyn Palla lädt an diesem Freitag zu einem Sicherheitsgipfel, bei dem Vertreter von Bund und Ländern, Gewerkschaften und ÖPNV-Aufgabenträger zusammenkommen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat seine Teilnahme bereits zugesagt.

Der Fall hat bundesweit für Entsetzen gesorgt: Ein Fahrgast ohne Ticket schlug bei Kaiserslautern auf den Zugbegleiter ein, der daraufhin an schweren Kopfverletzungen starb. Der 26-jährige mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Der Vater zweier Kinder wollte den Mann lediglich des Zuges verweisen.

Palla kündigte konkrete Vorschläge an und appellierte in einer Videoschalte vor Tausenden Mitarbeitern: "Alle Beteiligten sollten in sich gehen: Was könnte ein konkreter Beitrag für mehr Sicherheit sein?" Die Zahlen unterstreichen die Brisanz: 2024 registrierte die Bahn rund 3.000 körperliche Übergriffe auf Beschäftigte. Trotz leichtem Rückgang zum Vorjahr hat sich das Sicherheitsgefühl der Belegschaft deutlich verschlechtert.

Gewerkschaften fordern Personalaufstockung

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) drängen auf eine flächendeckende Doppelbesetzung in Regionalzügen. Bislang kontrolliert oft nur ein Zugbegleiter die Tickets. Die GDL-Betriebsräte gehen in einem offenen Brief an Palla noch weiter: Bei Zügen ab neun Wagen fordern sie mindestens drei Mitarbeiter – einen Zugchef und zwei Begleiter.

Eine EVG-Umfrage unter 4.000 Mitarbeitern aus 2024 zeigt das Ausmaß der Problematik: Über 80 Prozent der Befragten erlebten bereits verbale oder körperliche Übergriffe im Arbeitskontext. Fast zehn Prozent berichteten von sexueller Belästigung. Knapp zwei Drittel gaben an, ihr Sicherheitsempfinden habe sich in den vergangenen fünf Jahren teils deutlich verschlechtert.

Bodycams und Kostenfrage im Fokus

Die EVG fordert zudem die flächendeckende Ausstattung mit Bodycams, die auch Tonaufnahmen ermöglichen. Im Regionalverkehr der DB können Mitarbeiter bereits freiwillig solche Kameras tragen, im Fernverkehr und bei Wettbewerbern fehlt diese Option noch. Verbale Übergriffe ließen sich so besser dokumentieren und Täter zur Rechenschaft ziehen.

Allerdings dürfte die Finanzierung zum Knackpunkt werden. Eine ausnahmslose Doppelbesetzung könnte Schätzungen zufolge Hunderte Millionen Euro zusätzlich kosten. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) dämpft die Erwartungen: "Flächendeckende Präsenz von Sicherheitspersonal in allen Fahrzeugen und Bahnhöfen ist aus finanziellen und personellen Gründen genauso wenig umsetzbar wie ein Polizist an jeder Straßenecke."

Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel verlangt dennoch zusätzliches Geld vom Bund. Bund und Länder müssten sich auf eine Finanzierungsverteilung einigen, sagte er der "Augsburger Allgemeinen". In den Ausschreibungen für den Regionalverkehr sollten die Aufgabenträger künftig die Personalstärke verbindlich vorgeben.

Die Sicherheit im Bahnverkehr ist komplex geregelt: Im Fernverkehr unterstützt die Bundespolizei, die laut Polizeigewerkschaften bereits überlastet ist. Im Regionalverkehr tragen die jeweiligen Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen die Verantwortung. Die regionalen Unterschiede bei Sicherheitsstandards und Personalausstattung sind dabei erheblich. Der öffentliche Druck auf die Teilnehmer des Freitagsgipfels ist groß, schnell umsetzbare Lösungen zu präsentieren.

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