Deutsche Bank entlarvt den Mythos „Sell in May"
Die Deutsche Bank analysiert die beliebte Börsenweisheit und kommt zu einem klaren Urteil: Die Strategie bietet keinen statistischen Vorteil.

Die Börsensaison bringt eine altbekannte Weisheit zurück ins Gespräch: „Sell in May and go away". Doch die Deutsche Bank rät Anlegern, diesem Sprichwort nicht allzu viel Gewicht beizumessen. In der vierten Ausgabe seiner „Myth Buster"-Serie untersuchte Analyst Maximilian Uleer die Strategie systematisch und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.
Uleer testete mehrere Varianten der Strategie für verschiedene Indizes, darunter den S&P 500, den STOXX 600, den DAX und den EURO STOXX 50. Dabei prüfte er unterschiedliche Ein- und Ausstiegszeitpunkte. Das stärkste Ergebnis in den Simulationen lieferte ein Verkauf Ende Mai mit einer Wiederanlage Ende September.
Oberflächlich attraktiv – aber trügerisch
Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen für die Strategie zu sprechen. Angewandt auf den STOXX Europe 600 seit 1987 erzielte sie eine annualisierte Rendite von 9,0 Prozent – gegenüber 7,4 Prozent bei einem klassischen Buy-and-Hold-Ansatz. Doch die Deutsche Bank warnt davor, diese Headline-Zahlen zu überinterpretieren.
Denn hinter den Zahlen verbirgt sich eine deutlich schwächere Bilanz: Die Strategie schnitt in 25 von 39 Jahren schlechter ab als ein einfaches Halten der Aktien. Zudem verschwindet ihr Vorteil weitgehend, wenn man die starken sommerlichen Kurseinbrüche der Jahre 1998, 2001 und 2002 herausrechnet – also außergewöhnliche Ereignisse, die nicht regelmäßig wiederkehren.
Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche der Strategie im jüngsten Jahrzehnt: In acht von zehn Jahren der vergangenen zehn Jahre blieb sie hinter dem Markt zurück. Auch für US-Aktien fällt das Urteil ähnlich aus – beim S&P 500 schlug die Strategie den Markt in lediglich 22 von 53 Jahren. Beim EURO STOXX 50 und dem DAX blieb die Trefferquote bei allen getesteten Kombinationen sogar unter 50 Prozent.
Zufall statt System
Analyst Uleer bringt das Fazit der Deutschen Bank auf den Punkt: „Unsere Haltung zu ‚Sell in May' bleibt unverändert: Die Strategie bietet aus unserer Sicht keinen statistischen Vorteil gegenüber ‚Buy and Hold', und ihr Erfolg ist so zufällig wie das Setzen auf Kopf bei einem Münzwurf."
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Zur AktienanalyseDie Deutsche Bank betont, dass sie einen fundamentalen Investmentansatz saisonalen Mustern vorzieht. Für Privatanleger bedeutet das: Wer langfristig investiert und auf solide Unternehmensanalyse setzt, ist nach Einschätzung der Bank besser aufgestellt als jemand, der sich an kalendarischen Faustregeln orientiert.
Die Börsenweisheit „Sell in May and go away" hat zwar eine lange Tradition und klingt intuitiv einleuchtend – schließlich gelten die Sommermonate historisch als schwächere Börsenphase. Doch die Daten der Deutschen Bank zeigen, dass diese Regel in der Praxis weit weniger verlässlich ist, als ihr Ruf vermuten lässt. Anleger, die ihr Portfolio nach diesem Prinzip umschichten, riskieren, langfristig hinter dem Markt zurückzubleiben.


