Deutsche Brauereien kämpfen ums Überleben
Hohe Energiepreise und sinkender Bierkonsum treffen vor allem Traditionsbetriebe in Bayern und Hessen hart

Die Anzahl der Brauereien in Deutschland ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich zurückgegangen. Aktuell existieren noch 1.459 Brauereien, was einem Rückgang von 93 Betrieben entspricht. Dies geht aus aktuellen Zahlen hervor, die der Deutsche Brauer-Bund bekannt gab. Damit endet ein zuvor positiver Trend, der vor allem durch zahlreiche Neugründungen getragen wurde. Die Gründungswelle der letzten Jahre beruhte insbesondere auf der steigenden Nachfrage nach Craftbieren, die meist von kleineren lokalen Brauereien hergestellt werden. Trotz des Rückgangs liegt die Zahl der Brauereien heute noch über dem Niveau der Mitte der 1990er Jahre, als es knapp 1.300 Betriebe gab.
Am stärksten betroffen von der aktuellen Entwicklung ist Bayern. Dort mussten in den vergangenen fünf Jahren 50 Brauereien ihren Betrieb einstellen. Mit derzeit noch 598 aktiven Brauereien ist Bayern aber weiterhin das Bundesland mit den meisten Betrieben. Relativ betrachtet ist der Rückgang im Freistaat mit acht Prozent höher als der bundesweite Durchschnitt von sechs Prozent. Nordrhein-Westfalen und Hessen folgen in absoluten Zahlen auf den nächsten Plätzen, mit einem Verlust von jeweils 24 beziehungsweise 14 Brauereien. Aufgrund der insgesamt niedrigeren Zahl an Brauereien sind die relativen Rückgänge in diesen beiden Bundesländern mit 15 Prozent beziehungsweise 16 Prozent sogar deutlich stärker ausgefallen als in Bayern.
Die Ursachen für die Schließungen sind vielfältig. Zunächst schwächten die Folgen der Corona-Pandemie die finanzielle Basis vieler Brauereien. Dazu kamen in der Folgezeit stark gestiegene Energiepreise, die besonders kleinere Unternehmen erheblich belasten. Diese Betriebe verfügen meist über geringe Kapitalreserven und können notwendige Preiserhöhungen im Wettbewerb mit großen Lebensmittelkonzernen kaum durchsetzen. Laut Brauer-Bund mussten so auch zahlreiche traditionsreiche Familienbetriebe schließen, die bereits über mehrere Generationen hinweg existierten.
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Zur AktienanalyseEin weiterer Faktor ist der Rückgang des Bierkonsums in Deutschland, der seit Jahrzehnten anhält. Seit 1980 sank der Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 145 Litern auf aktuell weniger als 90 Liter pro Jahr. Zusätzlich verschärft eine allgemeine Konsumzurückhaltung die schwierige Lage der Brauereien. Gleichzeitig stehen viele Betriebe vor der Herausforderung, ihre Produktion bis spätestens 2045 klimaneutral zu gestalten. Dies erfordert erhebliche Investitionen, beispielsweise beim Umstieg von Gas auf Strom. Diese Kostenfrage könnte in den kommenden Jahren entscheidend dafür sein, ob kleinere und mittelgroße Brauereien dauerhaft bestehen bleiben können.


