Deutsche Chemieunternehmen verlagern Forschung zunehmend ins Ausland
Hohe Kosten und Bürokratie machen Deutschland unattraktiv für Forschung und Entwicklung

Die Chemieindustrie in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) verlagern deutsche Unternehmen zunehmend ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ins Ausland. Die Gründe dafür sind vielfältig: In anderen Ländern sind die Produktionskosten niedriger, die öffentlichen Förderprogramme attraktiver und die bürokratischen Hürden geringer. Dies führt dazu, dass Deutschland als Standort für chemische Forschung an Attraktivität verliert. Thomas Wessel, Vorsitzender des Forschungsausschusses beim VCI, äußerte sich am Donnerstag besorgt über diese Entwicklung. Er betonte, dass Deutschland bei der Entwicklung neuer Ideen zwar weiterhin führend sei, die wirtschaftlichen Erfolge dieser Ideen jedoch vermehrt im Ausland realisiert würden.
Trotz eines Anstiegs der Forschungsausgaben in der chemisch-pharmazeutischen Industrie um vier Prozent im vergangenen Jahr, rechnet der VCI für das Jahr 2024 nur noch mit einem moderaten Wachstum von zwei Prozent. Besonders in der Chemiebranche würden Unternehmen ihre Investitionen überdenken, da die hohen Standortkosten, eine schlechte Ertragslage und zunehmend ungünstige Innovationsbedingungen die Forschung in Deutschland erschweren. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass deutsche Chemieunternehmen ihre Investitionen immer kritischer hinterfragen und zunehmend ins Ausland verlagern.
Der VCI prognostiziert, dass die Forschungsbudgets in Deutschland in diesem Jahr kaum noch steigen werden. Stattdessen werden die Investitionen im Ausland zunehmen. Eine Umfrage des VCI zeigt, dass ein Drittel der Unternehmen, die außerhalb Deutschlands forschen, ihre Ausgaben dort erhöhen wollen. Deutschland, derzeit noch der viertgrößte Chemieforschungsstandort weltweit, könnte dadurch weiter an Bedeutung verlieren. Wessel forderte deshalb entschlossene Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken. Dazu gehören unter anderem ein Abbau der Bürokratie, einfachere Fördersysteme und Genehmigungsverfahren sowie eine gezielte Förderung der MINT-Bildung.
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Zur AktienanalyseWährend die allgemeine Chemiebranche in Deutschland mit Schwierigkeiten kämpft, gibt es in der Pharmaindustrie positive Entwicklungen. Die Pharmastrategie der Bundesregierung zeigt erste Erfolge und hat bereits zu positiven Standortentscheidungen geführt. So haben internationale Konzerne wie Eli Lilly, Roche und Sanofi Milliardeninvestitionen in Deutschland angekündigt. Diese Investitionen zeigen, dass es auch unter den gegenwärtigen Bedingungen möglich ist, Deutschland als attraktiven Standort für Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu positionieren.


