Deutsche Firmen investieren stark in Indien
Steigendes Wirtschaftswachstum und neue Chancen trotz Umweltbedenken

Die deutsche Wirtschaft setzt große Hoffnungen auf Indien, da die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in diesem Schwellenland stark zunimmt. Laut der Studie "German-Indian Business Outlook" von KPMG und der Deutsch-Indischen Handelskammer planen 59 Prozent der deutschen Firmen, die in Indien tätig sind, in diesem Jahr ihre Investitionen dort zu erhöhen. Dies stellt einen signifikanten Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren dar, in denen nur ein Drittel beziehungsweise die Hälfte der Unternehmen eine ähnliche Absicht hatte.
Bis 2029 planen vier von fünf Unternehmen, ihre Investitionen in Indien weiter auszubauen. Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business von KPMG in Deutschland, betont, dass Indien für viele Unternehmen inzwischen zu wichtig geworden sei, um es zu ignorieren. Die Ergebnisse der Studie dürften auch für Indiens Regierungschef Narendra Modi erfreulich sein, der kürzlich für eine dritte Amtszeit wiedergewählt wurde. Modi hat sich zum Ziel gesetzt, Indien als Produktionsstandort zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für China auszubauen, und eine positive Wirtschaftsentwicklung würde seine Position stärken, insbesondere da er nun auf eine Koalitionsregierung angewiesen ist.
Die deutsche Investitionsbereitschaft wird durch die Fortsetzung der wirtschaftsfreundlichen Politik erwartet. Obwohl die Studie die Reaktion der deutschen Investoren auf Modis Wiederwahl nicht erfasst hat, betont AHK-Chef Stefan Halusa, dass die Unternehmen auf schnelle Reformen hoffen, insbesondere im Bereich des Arbeitsrechts und des Landerwerbs. Diese Reformen sind wichtig, um internationale Unternehmen anzulocken, da Indien derzeit strenge Regelungen für Arbeitgeber und langwierige Verfahren beim Grundstückserwerb hat.
Trotz der Herausforderungen bleibt Indien ein attraktiver Standort für deutsche Unternehmen. Das Land verzeichnet das höchste Wirtschaftswachstum unter den G20-Staaten, auch wenn die ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2023 um 47 Prozent zurückgegangen sind. Im Gegensatz dazu stiegen die deutschen Direktinvestitionen in Indien im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Dieser Anstieg wird auch darauf zurückgeführt, dass deutsche Unternehmen ihre Abhängigkeit vom chinesischen Markt verringern möchten und Indien als vielversprechende Alternative sehen.
Indien gewinnt auch als Produktionsstandort und Absatzmarkt an Bedeutung, sowie als Heimat sogenannter Global Capability Center, in denen Unternehmen Bereiche wie IT, Buchhaltung und Forschung auslagern. Bereits ein Fünftel der deutschen Unternehmen nutzt solche Zentren, und bis 2029 sollen es 35 Prozent sein. Ein Beispiel dafür ist der hessische Maschinenbauer Schenck RoTec, der in Noida einen neuen Gebäudekomplex eröffnet hat, um seine Produktionskapazitäten zu erweitern und ein IT-Team zur Unterstützung bei der Softwareentwicklung und KI-Implementierung aufzubauen.
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Zur AktienanalyseWährend die Verfügbarkeit gut ausgebildeter IT-Fachkräfte in Indien von deutschen Arbeitgebern positiv bewertet wird, stellen die Umweltbedingungen und der Klimawandel erhebliche Risiken dar. Mehr als ein Drittel der Unternehmen ist über die hohe Luftverschmutzung besorgt, und steigende Temperaturen sowie andere Extremwetterereignisse könnten die Investitionsbedingungen weiter verschlechtern. Indienexperte Glunz warnt, dass ohne stärkere Maßnahmen der Regierung diese Umweltfaktoren zu einem Hindernis für Investitionen und Wachstum werden könnten.


