Deutsche Inflation sinkt im Juni auf 2,4 Prozent
Sinkende Energiepreise dämpfen die Gesamtinflation, während die Kerninflation stabil bei 2,5 Prozent verbleibt.

Die deutsche Inflation hat sich im Juni 2026 spürbar abgeschwächt. Vorläufige Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen einen Rückgang der Teuerungsrate von 2,7 Prozent im Mai auf 2,4 Prozent im Juni. Damit fiel der Wert besser aus als von Analysten erwartet: Von Reuters befragte Ökonomen hatten beim harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) einen Anstieg von 2,5 Prozent prognostiziert.
Der entscheidende Treiber des Rückgangs war die deutliche Verlangsamung der Energiepreisinflation. Diese fiel von 6,6 Prozent im Mai auf 3,4 Prozent im Juni – ein Rückgang, der maßgeblich auf staatliche Eingriffe zurückzuführen ist. Die Bundesregierung hatte Kraftstoffsteuersenkungen eingeführt, um kriegsbedingte Preissteigerungen abzufedern und die Bevölkerung zu entlasten.
Kerninflation zeigt sich stabil
Trotz des Rückgangs der Gesamtrate bleibt der Preisdruck in der Breite der Wirtschaft bestehen. Die Kerninflation – also die Teuerungsrate ohne die volatilen Preise für Lebensmittel und Energie – verharrte unverändert bei 2,5 Prozent. Auch die Dienstleistungspreise zeigten sich mit einer Inflationsrate von 3,1 Prozent stabil.
Ralph Solveen, Senior-Ökonom bei der Commerzbank, wertet die Zahlen als beruhigendes Signal: „Die bisher vorliegenden Zahlen zeigen praktisch keine Anzeichen für indirekte Effekte der zeitweise massiven Energiepreissteigerungen auf die Preise anderer Güter." Dies mildert die Sorgen, dass sich der Preisdruck infolge des Iran-Krieges weiter in der Wirtschaft ausbreiten könnte.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Ökonomen erwarten, dass die Inflationsrate in Deutschland im Juli wieder ansteigen wird. Grund dafür ist das Auslaufen der staatlichen Kraftstoffsteuersenkungen, die den Rückgang im Juni maßgeblich begünstigt hatten. Der aktuelle Rückgang könnte damit nur vorübergehender Natur sein.
Bedeutung für die Eurozone und die EZB
Die deutschen Daten wurden einen Tag vor der Veröffentlichung der Inflationszahlen für die gesamte Eurozone bekannt gegeben. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen damit, dass die Inflation in der Währungsunion im Juni von 3,2 Prozent im Mai auf 3,0 Prozent zurückgeht. Die deutschen Zahlen sowie die ebenfalls am Dienstag gemeldete Abschwächung der französischen Inflation deuten laut Claus Vistesen, Chefökonom für die Eurozone bei Pantheon Macroeconomics, auf einen niedrigeren Wert für die Eurozone hin.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Europäische Zentralbank hatte im Juni die Zinsen zum ersten Mal seit fast drei Jahren angehoben, um die Inflation einzudämmen, bevor sich die höheren Energiekosten weiter in der Wirtschaft der Eurozone ausbreiten. Angesichts der nun vorliegenden Daten scheint eine weitere Zinserhöhung im Juli weniger wahrscheinlich. Vistesen kommentierte: „Damit ist ein Stillhalten der EZB im Juli so gut wie sicher, sofern die Ölpreise vor der Sitzung keine spektakuläre Erholung zeigen."
Für deutsche Privatanleger und Verbraucher bedeuten die aktuellen Zahlen eine kurzfristige Entlastung. Die mittelfristige Entwicklung bleibt jedoch von der Energiepreisentwicklung und dem weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten abhängig.


