Deutsche Postangestellte bereit zum Streik
Die Tarifverhandlungen hatten im Oktober und November letzten Jahres mit einer Mitgliederbefragung begonnen

In diesem Jahr stehen Tarifverhandlungen für fast 11 Millionen Beschäftigte in verschiedenen Branchen in Deutschland auf der Tagesordnung. Die erste Runde wird bei der Deutschen Post AG beginnen. Die rund 160.000 Beschäftigten in der Paket- und Briefzustellung und anderen Bereichen in Deutschland haben deutlich gemacht, dass sie sich nicht wie in der letzten Tarifrunde abspeisen lassen. Sie haben die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gezwungen, 15 Prozent mehr Lohn und 200 Euro mehr pro Monat für Auszubildende und duale Studenten (die sowohl an der Universität studieren als auch ein Praktikum im Betrieb absolvieren) zu fordern.
Zu Beginn der Verhandlungen am vergangenen Freitag lehnte die Geschäftsführung der Deutschen Post unter der Leitung von Frank Appel die mehr als berechtigten Forderungen ab und machte kein eigenes Angebot. Dabei würden 15 Prozent mehr Geld nicht einmal den Reallohnverlust der letzten drei Jahre und die derzeitige offizielle Inflationsrate von rund 9 Prozent ausgleichen; vor allem nicht, wenn man die Kosten für Lebensmittel und Energie berücksichtigt, für die arbeitende Familien einen großen Teil ihres Einkommens ausgeben und deren Preissteigerungen zwischen 20 und 50 Prozent liegen.
Im September 2020 hatten die Postbeschäftigten ihre Bereitschaft zum Kampf gezeigt. Doch Verdi erstickte den Arbeitskampf im Keim, obwohl sich allein vor der dritten Verhandlungsrunde bereits 22.000 an Warnstreiks beteiligt hatten. Daraufhin einigte sich die Verdi-Tarifkommission auf einen Vertrag, der den Postbeschäftigten starke Reallohnkürzungen auferlegte.
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