Deutsche Telekom startet Defense-Offensive im Rüstungssektor
Der Bonner Telekom-Konzern baut erstmals seit 20 Jahren wieder ein militärisches Geschäftsfeld auf. Mit souveränen Rechenzentren und KI-Infrastruktur will T-Systems vom Bundeswehr-Sondervermögen profitieren.

Die Deutsche Telekom wagt einen strategischen Schritt in ein neues Geschäftsfeld: Der DAX-Konzern baut systematisch ein Defense-Geschäft auf und positioniert sich damit als digitaler Partner der Bundeswehr. "Als digitaler Infrastrukturanbieter ist es unsere Verantwortung, zum Schutz von Deutschland beizutragen – gerade in Zeiten hybrider Bedrohungen", erklärt das Unternehmen gegenüber der WirtschaftsWoche.
Dabei hält sich der Bonner Konzern mit Details zurück. Offiziell ist kein eigener Defense-Bereich geplant, die Betreuung der Verteidigungsindustrie soll projektabhängig über das Systemgeschäft erfolgen. Dennoch zeigt die interne Organisation, dass es sich um mehr als ein Nischenprojekt handelt.
Bundeswehr-Veteran übernimmt Koordination
Die Leitung des streng geheimen Projekts übernimmt Philip Stockmann, ein langjähriger Telekom-Manager mit militärischem Hintergrund. Der promovierte Oberstleutnant der Reserve verantwortete bisher neue Tarife im Mobilfunkgeschäft. Ihm werden laut internen Quellen 16 Mitarbeiter direkt unterstellt, bei Bedarf können hunderte Fachexperten aus verschiedenen Abteilungen zuarbeiten.
Die Telekom äußert sich zu Personalfragen zurückhaltend: "Die Mitarbeiterzahl variiert je nach Aufgabe, konkrete Angaben können wir leider nicht machen." Diese Geheimhaltung ist typisch für das sensible Geschäftsfeld.
Milliardenschweres Sondervermögen lockt DAX-Konzerne
Mit der Initiative reiht sich die Telekom in eine wachsende Gruppe von DAX-Unternehmen ein, die vom 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr profitieren wollen. Auch Volkswagen hat bereits ein "Defense Office" eingerichtet. Die massiven Investitionen in die Verteidigungskapazitäten eröffnen deutschen Konzernen neue Wachstumschancen.
Für die Telekom ist es eine Rückkehr nach 20 Jahren Pause: Mitte der 2000er-Jahre wollte der Konzern gemeinsam mit IBM und Siemens die nichtmilitärische IT der Bundeswehr modernisieren. Das "Herkules"-Projekt scheiterte jedoch an Meinungsverschiedenheiten über Strukturen und Kosten. Beim aktuellen D-LBO-Projekt zur Echtzeit-Vernetzung von Soldaten und Fahrzeugen ist die Telekom nicht beteiligt.
T-Systems als strategischer Ankerpunkt
Das neue Defense-Geschäft wird bei der Tochter T-Systems angesiedelt, dem Systemanbieter und Rechenzentrum-Betreiber des Konzerns. Damit wird die strategische Ausrichtung deutlich: Die Telekom will ihre souveränen Rechenzentren und insbesondere ihre KI-Fabrik mit Nvidia-Chips ins Spiel bringen, die Anfang Februar in München eingeweiht wird.
"Wir sehen technologische Unterstützungsleistungen wie Hosting sicherheitskritischer Daten in souveränen Cloud-Umgebungen, Aufbau geschützter Kommunikationssysteme und Schutz vor Cyberangriffen als unser Dienstleistungsspektrum", umreißt der Konzern sein Angebot. Weitere Details bleiben aus Sicherheitsgründen geheim.
Digitalisierung der Gefechtsführung als Wachstumsmarkt
Der Bedarf der Bundeswehr ist enorm: Moderne Panzer vermessen ihre Umgebung mit Sensoren, deren Datenmassen in Echtzeit analysiert werden müssen. Drohnen, Funkgeräte und Fahrzeuge benötigen regelmäßige Over-the-Air-Updates ihrer Betriebssysteme. Die Zeiten, in denen containerweise Equipment nach Afrika verschifft wurde wie beim Mali-Einsatz 2013, sind vorbei.
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Zur AktienanalyseHeute läuft die Anbindung an modernste Rechenzentren rein virtuell. Als einziger Anbieter eines souveränen KI-Angebots dieser Größenordnung in Deutschland dürfte die Telekom für die Bundeswehr unverzichtbar werden. Ein paralleler Ausbau ziviler und militärischer Infrastrukturen würde sich wegen der hohen Investitionskosten ausschließen.
Internationale Expansion geplant
Die Telekom denkt bereits über deutsche Grenzen hinaus: "Unsere Partner in der Branche sind international aufgestellt. Wir erbringen unsere Leistungen entsprechend auch jenseits der Landesgrenzen", kündigt der Konzern an. Diese internationale Ausrichtung könnte mittelfristig zusätzliche Umsatzpotenziale erschließen.
Unabhängig vom Defense-Geschäft hat die Telekom gemeinsam mit Porsche einen 500 Millionen Euro schweren Venture-Capital-Fonds aufgelegt, der gezielt in den europäischen Verteidigungssektor investieren soll. Damit positioniert sich der Konzern auf mehreren Ebenen im wachsenden Rüstungsmarkt.


