Deutsche Wirtschaft wächst im zweiten Quartal trotz Kriegsbelastungen leicht
Die Bundesbank sieht eine gewisse Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft – trotz Gegenwinds durch den Krieg im Nahen Osten.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 voraussichtlich leicht gewachsen. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht der Deutschen Bundesbank hervor. Trotz der Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten zeigte sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt widerstandsfähiger als befürchtet.
Von Reuters befragte Ökonomen erwarten für die drei Monate bis Juni lediglich einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das ist zwar kein starkes Wachstum, aber angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und der hohen Energiekosten dennoch ein positives Signal.
Industrie und Verbraucher als Stützen
Zwei Faktoren trugen laut Bundesbank maßgeblich zur Stabilität bei. Zum einen profitierte der Industriesektor von einer robusten Auslandsnachfrage. „Der Industriesektor profitiert von der dynamischen Auslandsnachfrage und wachsenden Exporten", erklärte die Bundesbank am Dienstag. Zum anderen hielten die Verbraucher ihre Konsumausgaben trotz hoher Energiepreise und dem damit verbundenen Kaufkraftverlust weitgehend stabil.
„Die Verbraucher ließen sich von den hohen Energiepreisen und dem damit verbundenen Kaufkraftverlust relativ wenig beirren und hielten ihre Konsumausgaben wahrscheinlich zumindest stabil", so die Zentralbank in ihrem Bericht. Diese Kombination aus stabiler Industrienachfrage und konsumfreudigem Verbraucher verhinderte eine stärkere Abschwächung der Konjunktur.
Zusätzlich könnte Deutschland von einigen Einmaleffekten profitiert haben. Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten trafen wichtige asiatische Konkurrenten offenbar stärker. Zudem könnten Kunden in Erwartung künftiger Knappheiten Käufe vorgezogen haben – ein temporärer Nachfrageschub, der das Quartalsergebnis stützte.
Gesamtbild bleibt trüb – Einmaleffekte lassen nach
Trotz der positiven Signale zeichnet die Bundesbank kein optimistisches Gesamtbild. Die Einmaleffekte dürften nachlassen, und der Krieg im Nahen Osten bleibt eine dauerhafte Belastung. Das deutet darauf hin, dass das Gesamtwachstum für das laufende Jahr schwächer ausfallen wird.
Die Bundesbank hatte im Juni für dieses Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent prognostiziert, das sich im nächsten Jahr auf 0,8 Prozent beschleunigen soll. Die Europäische Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigen sich für 2026 etwas optimistischer. Deutschland stagniert seit Jahren weitgehend – 2026 sollte eigentlich das Jahr der Wende werden, angetrieben durch einen massiven Anstieg der Staatsausgaben und einen daraus resultierenden Investitionsboom.
Doch die Kriegsfolgen – vor allem höhere Energie- und Rohstoffkosten – gleichen einen Großteil dieses erhofften Aufschwungs aus. Die Bundesbank warnt zudem vor einer möglichen Beschleunigung der Inflation in den kommenden Monaten. Die indirekten Auswirkungen der höheren Energiekosten dürften erst allmählich in der Breite spürbar werden.
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Zur AktienanalyseAusblick auf das dritte Quartal
Für das dritte Quartal gibt es einen vorsichtigen Hoffnungsschimmer. „Sofern die Situation im Nahen Osten nicht weiter eskaliert, könnte die kriegsbedingte Belastung im dritten Quartal weniger gravierend ausfallen als im Durchschnitt des zweiten Quartals", erklärte die Bundesbank. Eine Entwarnung ist das jedoch nicht – die Unsicherheit bleibt hoch, und die strukturellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft sind damit nicht gelöst.
Für deutsche Anleger und Verbraucher bedeutet das: Die Konjunktur stabilisiert sich auf niedrigem Niveau, ein kräftiger Aufschwung ist aber vorerst nicht in Sicht. Die Entwicklung im Nahen Osten und die Energiepreise bleiben die entscheidenden Variablen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

