Deutschland auf dem Weg zur grünen Stromrevolution
Ökostrom überdeckt die Hälfte des Verbrauchs, doch Herausforderungen und Ziele bleiben bestehen

In einem bedeutenden Meilenstein für die deutsche Energiebranche wird erstmals in diesem Jahr über 50 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland durch erneuerbare Energien gedeckt. Dies geht aus aktuellen Hochrechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor. Klimaneutral erzeugter Strom konnte somit einen neuen Rekord von 52 Prozent erreichen, was einem beeindruckenden Anstieg von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Zahlen sind ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen Energieversorgung und zeigen das zunehmende Engagement Deutschlands im Bereich erneuerbarer Energien.
Die Definition des Bruttostromverbrauchs, der den gesamten Stromverbrauch aller Endverbraucher in Deutschland umfasst, spielt eine entscheidende Rolle bei den Ausbauzielen der Erneuerbaren Energien. Dieser Verbrauch bezieht sich auf Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Wichtig ist dabei, Umwandlungs- und Netzverluste sowie den Selbstverbrauch der Kraftwerke abzuziehen, um den Nettostromverbrauch zu ermitteln. Laut Bundesregierung wird der Bruttostromverbrauch als maßgebliche Größe für die zukünftigen Ausbauziele der erneuerbaren Energien angesehen. Bis zum Jahr 2030 ist das ambitionierte Ziel gesetzt, mindestens 80 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Diese ehrgeizigen Ziele sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert.
Besonders beeindruckend waren die Anteile erneuerbarer Energien in den Monaten Juli (59 Prozent), Mai (57 Prozent), sowie Oktober und November (jeweils 55 Prozent). Im Juni wurde ein neuer Allzeit-Rekord in der Stromerzeugung aus Sonnenlicht erreicht, während die Windenergie an Land einen neuen Jahresrekord mit 113,5 Milliarden Kilowattstunden erzielte. Insgesamt konnte im Jahr 2023 mit 267,0 Milliarden Kilowattstunden so viel klimaneutraler Strom erzeugt werden wie nie zuvor.
Kerstin Andreae, die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betonte die Bedeutung dieser Meilensteine und erklärte, dass Deutschland auf dem richtigen Weg sei. Gleichzeitig warnte sie jedoch davor, dass der Weg zu einer vollständig klimaneutralen Stromversorgung kein Selbstläufer sei. Die Politik müsse weiterhin konsequent Hindernisse für den Ausbau erneuerbarer Energien aus dem Weg räumen, um das ehrgeizige Ziel von 80 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 zu erreichen.
Angesichts der globalen Abkehr von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas wird der Ausbau erneuerbarer Energien zu einer dringenden Notwendigkeit. Klimaneutraler Strom wird nicht nur für die Energieversorgung benötigt, sondern auch für die Entnahme von Kohlendioxid aus der Luft mittels sogenannter "Direct-Air-Capture"-Anlagen. Das gewonnene CO2 kann zusammen mit grünem Wasserstoff als Kohlenstoffquelle für den weiterhin bestehenden Kohlenwasserstoff-Bedarf dienen.
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Zur AktienanalyseTrotz der positiven Entwicklungen im Bereich erneuerbarer Energien gibt es noch Herausforderungen zu bewältigen. Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtet von einer unerwartet hohen Nachfrage nach Kohle im Jahr 2023, die voraussichtlich um 1,4 Prozent steigen und erstmals die Marke von 8,5 Milliarden Tonnen überschreiten wird. Dennoch prognostiziert die IEA aufgrund der zunehmenden Verbreitung erneuerbarer Energiequellen wie Wind und Sonne bis 2026 einen Rückgang des klimaschädlichen Energieträgers um 2,3 Prozent. Die Herausforderungen und Chancen im Bereich erneuerbarer Energien werden in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle in der globalen Energieversorgung spielen.


