Deutschland vor der Cannabis-Legalisierung
Neben Entkriminalisierung winken Einnahmen von 4,7 Milliarden Euro/Jahr

Cannabis-Konsumenten von heute haben ein beinahe romantisches Bild vom Woodstock-Festival, bei dem 1969 knapp 400.000 Menschen der Musik und diverser Drogen frönten. Was kaum jemand weiß: Das dort gerauchte Gras enthielt nur ein Prozent THC. Mittlerweile ist das anders, es werden heute Pflanzensorten mit deutlich mehr THC angebaut. 2010 lag der THC-Gehalt von Haschisch bei rund sieben Prozent, zehn Jahre später bereits bei über 20 (Angaben der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht). Bei Blüten stieg der Wert in zehn Jahren immerhin um 2,5 Prozent, nur beim Kraut blieb der Wert nahezu unverändert.
Wer in Deutschland mit THC-haltigem Cannabis erwischt wird, macht sich strafbar – noch. Die neue Ampel-Regierung will das Kraut aus der Illegalität holen (Koalitionsvertrag 2021, Seite 87: „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizensierten Geschäften ein.“). Angesichts dieser Pläne ist es auf Cannabisaktien.news Zeit für einen exklusiven Rundumblick: Wer sind die Nutzer, und wie belasten ihre Delikte die Staatskasse?
Fakt ist, dass die Zahl der Cannabis-Konsumenten hierzulange konstant steigt, obwohl es noch nicht legal ist. So ist der Konsum zwischen 2010 und 2019 um mehr als 25 Prozent angestiegen, wodurch Cannabis nach Alkohol und Nikotin das am weitesten verbreitete Suchtmittel ist. Etwa 24,3 % der Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren haben 2019 mindestens einmal Cannabis konsumiert (gefragt wurde nach einem Konsum in den letzten zwölf Monaten). Das waren 60 % mehr als noch zehn Jahre zuvor.
Die Behörden registrierten im Jahr 2020 exakt 31.961 Handels- bzw. Schmuggelfälle im Zusammenhang mit Cannabis – 58,8 Prozent aller Straftaten im Rauschgiftbereich. Unter den Rauschgiftdelikten haben Cannabisfälle einen Anteil von insgesamt 64 Prozent. Somit hat sich die Zahl der Cannabisdelikte in Deutschland innerhalb von zehn Jahren ungefähr verdoppelt. 2020 registrierten die Behörden 220.414 Fälle.
Meistens kommt das Haschisch, das die Polizei sicherstellt, aus Marokko und kommt oft über die Niederlande und aus Spanien über Frankreich nach Deutschland. Europäische Produzenten von Marihuana mit Indoor-Plantagen sitzen hauptsächlich in Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Spanien. Outdoorzuckt findet meist in Albanien oder Spanien statt. Kleinere Mengen kommen vor allem über die Niederlande und von Spanien über Frankreich nach Deutschland.
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Zur AktienanalyseDie Polizei hat hiermit viel zu tun und beziffert ihre Kosten in 2020 auf 1,63 Milliarden Euro, die Gerichtskosten lagen im gleichen Jahr bei 444,7 Millionen Euro. Etwa 62,3 Prozent der Gerichtskosten in Deutschland wegen von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz entfielen auf Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis.
Die Ampel-Regierung hat sicher nicht nur die Entkriminalisierung der Bürger im Sinn, sondern dürfte auch auf mögliche Einnahmen von rund 4,7 Milliarden Euro jährlich schielen. Diese Zahl nennt eine Studie des Düsseldorf Institute for Competition Economics. Diese Einnahmen würden vor allem aus diversen Steuereinnahmen resultieren (Konsum-, Umsatz-, Gewerbe-, Körperschafts- und Lohnsteuern), die es zusammen auf etwa 3,34 Milliarden Euro brächten. Auf der anderen Seite der Rechnung stehen Einsparungen von knapp 1,36 Milliarden Euro bei Polizei-, Gerichts- und Justizvollzugskosten.


