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Deutschlands Gründerszene glüht: Energie trotz Wirtschaftskrise

Trotz Industriekrise und Stagnationsszenarien zeigen Gründer und Mittelständler auf der TECH Heilbronn bemerkenswerten Unternehmergeist.

Deutschlands Gründerszene glüht: Energie trotz Wirtschaftskrise

Deutschland steckt in der Krise – das ist die dominierende Erzählung. Doch wer mit Gründerinnen, Unternehmern und Mittelständlern spricht, erlebt ein anderes Bild. Auf der TECH-Konferenz in Heilbronn, die das Handelsblatt mit 1.800 Teilnehmern veranstaltete, war spürbar: Der Innovationswille in Deutschland ist keineswegs erloschen.

Ja, es gibt den Abstieg der Autozulieferer, den Kampf um Stahl, den Niedergang klassischer Industriezweige. Diese Entwicklungen spiegeln sich in halbierten Wachstumsraten und Stagnationsszenarien bis 2030 wider. Doch unter diesen Makrodaten brodelt es – mit Ideen, Ambitionen und dem Willen zur Veränderung.

Starke Stimmen aus der deutschen Start-up-Szene

Robin Rombach, Gründer des international gefeierten KI-Start-ups Black Forest Labs, steht exemplarisch für diesen Geist. Er setzt bewusst auf Freiburg statt San Francisco. „Es ist vielleicht sogar ambitionierter geworden, eine Alternative zum Silicon Valley aufzubauen und sich auf Europa zu konzentrieren", sagte er auf der TECH in Heilbronn. Seine Botschaft: Das KI-Rennen ist noch nicht verloren.

Heike Freund von Marvel Fusion verfolgt derweil einen noch kühneren Ansatz: Das Unternehmen arbeitet an der Kernfusion als Energiequelle der Zukunft – mit dem Ziel, bis 2035 einen Durchbruch zu erzielen. Ob das gelingt, ist offen. Aber der Antrieb ist ungebrochen.

David Reger von Neura Robotics, ausgezeichnet als „Innovator of the Year 2025" beim Deutschen Innovationspreis, will kognitive Roboter in Metzingen entwickeln und produzieren. Marc Wietfeld vom Defence-Start-up Arx Robotics geht noch einen Schritt weiter: Seine Landdrohnen sind bereits in der Ukraine im Einsatz. Wietfeld denkt an den Aufbau neuer Technologie-Cluster im Bereich Defence Tech – eine potenziell neue Industrie für Deutschland.

Mittelstand investiert: Millionen trotz Gegenwind

Besonders aufschlussreich war ein Mittagsgespräch in Heilbronn, bei dem Gründer und etablierte Mittelständler über Kooperationen und Skalierung diskutierten. Andreas Widl, Chef von Samson – Weltmarktführer für Ventilsysteme – berichtete von einem 450-Millionen-Euro-Neubau in Offenbach. Die Reaktion der Runde war unmittelbar: Andere Unternehmer meldeten sich spontan mit eigenen Investitionsplänen – 150 Millionen Euro hier, 100 Millionen Euro dort.

Das zeigt: Trotz aller Widrigkeiten gibt es Unternehmen, die weiterhin in Deutschland investieren und auf den Standort setzen. Diese Geschichten gehen im öffentlichen Diskurs oft unter.

Gleichzeitig sind die Klagen real. Dieselben Unternehmer berichten von Werken, die sie lieber im Ausland aufbauen, von lähmender Bürokratie und fehlendem Kapital. Bei den drei entscheidenden Faktoren – Köpfe, Kapital, Know-how – bleibt das Kapital die größte Schwachstelle. Und immer wieder fällt der Vergleich mit den USA: Dort gehe einfach alles viel schneller.

Für Privatanleger ist diese Gemengelage relevant: Während die großen Leitindizes wie DAX und MDAX die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft widerspiegeln, entstehen abseits der Börsenschwergewichte Unternehmen mit erheblichem Wachstumspotenzial. Der Unternehmergeist ist vorhanden – er braucht bessere Rahmenbedingungen, um sein volles Potenzial zu entfalten.

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