Dollar steigt: Nahost-Konflikt schürt Inflations- und Zinssorgen
Schwindende Hoffnungen auf ein Friedensabkommen im Nahen Osten treiben den Dollar nach oben und belasten die globalen Finanzmärkte.

Der US-Dollar legte am Dienstag auf breiter Front zu, nachdem die Gespräche zur Beendigung des Krieges im Nahen Osten keine Fortschritte zeigten. Die anhaltenden Spannungen trieben die Ölpreise in die Höhe und schürten bei Anlegern die Sorge, dass die Zinssätze zur Bekämpfung des Inflationsdrucks länger auf einem hohen Niveau bleiben müssen. Der Dollar-Index, der die US-Währung gegenüber sechs anderen Währungen misst, stieg um 0,2 % auf 98,17.
Investoren befürchten nun, dass der seit dem 7. April geltende Waffenstillstand in Gefahr geraten könnte. Der Ende Februar begonnene Konflikt hat bereits Tausende Todesopfer gefordert und lebenswichtige Energieströme zum Erliegen gebracht. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Waffenstillstand mit dem Iran hänge „am seidenen Faden", nachdem das jüngste Hin und Her um einen Friedensvorschlag deutlich gemacht hatte, dass beide Seiten in einer Reihe von Fragen noch weit voneinander entfernt sind.
Ölpreise unter Druck – Straße von Hormus weitgehend geschlossen
Da die wichtige Straße von Hormus – eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten für Öltransporte weltweit – weitgehend geschlossen bleibt, stiegen die Terminkontrakte für Brent-Rohöl um 0,6 % auf 104,88 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) notierte bei 98,93 US-Dollar pro Barrel, ein Plus von 0,89 % im Tagesverlauf. Steigende Energiepreise gelten als wesentlicher Treiber für breiteren Inflationsdruck in der Gesamtwirtschaft.
Am Devisenmarkt herrschte eine ausgeprägt risikoaverse Stimmung, im Fachjargon als „Risk-off" bezeichnet. Der Euro schwächte sich um 0,24 % auf 1,1754 US-Dollar ab, während das britische Pfund zuletzt bei 1,3575 US-Dollar gehandelt wurde – ein Minus von 0,26 % gegenüber dem Vortag. Der risikosensitive australische Dollar verlor 0,27 % auf 0,723 US-Dollar, der neuseeländische Dollar gab 0,17 % auf 0,59531 US-Dollar nach.
Christopher Wong, Devisenstratege bei OCBC, erklärte, Trumps Ablehnung der iranischen Reaktion auf den US-Friedensvorschlag habe die Märkte vorsichtig gestimmt und dazu beigetragen, den Dollar nach unten abzusichern. „Dennoch hielten sich die Gewinne des USD in Grenzen, was darauf hindeutet, dass die Märkte die jüngsten Schlagzeilen noch nicht als vollständigen Risk-off-Schock werten", so Wong. Er merkte an, dass ein formeller Abbruch der diplomatischen Gespräche oder eine erneute militärische Eskalation eine stärkere Reaktion auslösen könnte.
US-Inflationsdaten im Fokus – Fed dürfte Zinsen unverändert lassen
Neben den geopolitischen Entwicklungen richtet sich der Blick der Märkte auf den später am Tag anstehenden US-Inflationsbericht. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen wird ein Anstieg der Verbraucherpreise um 0,6 % im letzten Monat prognostiziert, nachdem sie im März bereits um 0,9 % gestiegen waren. Die Schätzungen reichen dabei von einem Zuwachs von 0,4 % bis zu einem Anstieg von 0,9 %.
Sarah Hammoud, Devisenstrategin bei der Commonwealth Bank of Australia, warnte vor möglichen Überraschungen: „Es besteht das Risiko, dass die Kerninflation aufgrund von Spillover-Effekten der Energiepreise auf andere Preise wie Flugpreise und Lebensmittel stärker ausfällt als vom Konsens erwartet." Sie ergänzte: „Eine Überraschung nach oben bei der US-Kerninflation wird die US-Zinsen und den Dollar nach oben treiben."
Die Daten dürften die Ansicht bestärken, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinssätze in naher Zukunft unverändert lassen wird. Händler haben die Aussicht auf Zinssenkungen für dieses Jahr bereits vollständig ausgepreist – verglichen mit zwei erwarteten Senkungen vor Ausbruch des Iran-Krieges.
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Zur AktienanalyseYen volatil – USA billigen Japans Interventionen
Der japanische Yen notierte volatil bei 157,12 pro US-Dollar, während Händler die Kommentare von US-Finanzminister Scott Bessent und seinem japanischen Amtskollegen Satsuki Katayama nach ihrem Treffen in Tokio abwägten. Bessent erklärte, die USA und Japan pflegten eine „ständige und robuste" Abstimmung bei der Bekämpfung unerwünschter, übermäßig volatiler Währungsbewegungen. Die Äußerungen deuten darauf hin, dass Washington der jüngsten Runde von Yen-Kaufinterventionen Japans weitgehend zustimmt, die darauf abzielen, die schwächelnde Währung zu stützen.
Der festere Dollar belastete auch Schwellenländerwährungen spürbar: Die indonesische Rupiah und die indische Rupie erreichten neue Allzeittiefs. Bitcoin verlor zuletzt 0,65 % auf 81.272 US-Dollar. Der Fokus der Märkte liegt nun auf Trumps geplantem Besuch in China im weiteren Verlauf der Woche sowie auf den weiteren diplomatischen Entwicklungen im Nahen Osten.


