Dollar verliert gegen Euro und Yuan – Währungsmächte nutzen globale Zweifel
Europäische Zentralbank und China forcieren internationale Rolle ihrer Währungen. Dollar gibt deutlich nach.

Der US-Dollar gerät zunehmend unter Druck. Gegenüber dem Euro und dem chinesischen Yuan verzeichnet die amerikanische Leitwährung deutliche Verluste, während die Währungshüter in Europa und China die Internationalisierung ihrer Währungen vorantreiben. Die jüngsten Wechselkursverschiebungen scheinen dabei allen Beteiligten – auch Washington – entgegenzukommen.
Chinas Offshore-Yuan erreichte vor dem bevorstehenden Neujahrsfest den höchsten Stand gegenüber dem Dollar seit fast drei Jahren. Seit Jahresbeginn 2024 hat der Greenback bereits 6 Prozent gegenüber dem Renminbi verloren. Noch ausgeprägter zeigt sich die Entwicklung beim Euro: Die europäische Gemeinschaftswährung legte im gleichen Zeitraum um beeindruckende 15 Prozent zu und nähert sich dem im vergangenen Monat erreichten Fünfjahreshoch von über 1,20 Dollar.
Strategische Währungspolitik in Europa und China
Die Wechselkursbewegungen stehen im Einklang mit den jüngsten Äußerungen der Verantwortlichen. Die Europäische Zentralbank plant laut Insiderkreisen, ihre langjährige Forderung nach einem "globalen Euro" zu untermauern. Durch die Ausweitung der Euro-Liquidität auf mehr Länder soll die Verwendung der europäischen Währung im Ausland günstiger und einfacher werden.
"Wir sehen ein größeres Interesse der Geschäftspartner am Euro, und ich denke, das ist einer der Gründe, warum wir eine gewisse Aufwertung des Euro erleben und warum der Euro verstärkt zu einem sicheren Hafen wird", erklärte der österreichische Notenbankchef Martin Kocher am Dienstag. Die EZB müsse auf einen großen Wandel vorbereitet sein.
Chinas Präsident bekräftigte am 1. Februar Pekings Wunsch nach einer "starken Währung", die im Welthandel, im Finanzwesen und in den weltweiten Reserven breitere Verwendung findet. Die Forderung nach einer "gleichberechtigten, multipolaren Welt" unterstreicht die strategische Ausrichtung.
Washington signalisiert Akzeptanz
Bemerkenswert ist die Haltung der US-Regierung: Präsident Trump bezeichnete den starken Rückgang des Dollars im Januar als "großartig". Finanzminister Scott Bessent relativierte das jahrzehntealte Mantra vom "starken Dollar" dahingehend, dass sich der Begriff nicht notwendigerweise auf die aktuellen Wechselkurse beziehe, sondern auf eine Politik, die letztlich zu Stärke führt.
Die Märkte zeigen sich zurückhaltend, den Neujahrsrückfall des Dollars abzuschütteln. Interessanterweise hat sich der Euro/Yuan-Wechselkurs seit dem US-Zollschock im vergangenen April kaum bewegt – eine bemerkenswerte Stabilität für zwei durch den Handel eng verflochtene Regionen.
Auswirkungen auf grenzüberschreitende Investitionen
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Zur AktienanalyseDer Yuan macht 15,5 Prozent des handelsgewichteten Euro-Währungskorbs der EZB aus und liegt damit nahe an der Gewichtung des Dollars von 17,4 Prozent. Ebenso ist der Anteil des Euro am handelsgewichteten Yuan-Korb Chinas mit 18 Prozent fast so hoch wie der Anteil des Dollars. Diese enge Verzahnung bedeutet, dass sich jede Dollarschwäche gegenüber einer der beiden Währungen schnell auf die andere überträgt.
Für Anleger in Staatsanleihen macht die Aussicht auf eine stetige mehrjährige Währungsaufwertung einen erheblichen Unterschied. Charles Gave von Gavekal Research weist darauf hin, dass der Aufschlag von 220 Basispunkten bei den Renditen fünfjähriger US-Staatsanleihen gegenüber entsprechenden chinesischen Anleihen durch einen weiteren Rückgang des Dollars gegenüber dem Yuan um 10 Prozent bis 2031 effektiv aufgehoben würde.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die neue Weltordnung der Währungen Bestand hat oder ob es sich um eine temporäre Verschiebung handelt. Alle Beteiligten sollten vorsichtig agieren – die Auswirkungen einer grundlegenden Neuordnung des globalen Finanzsystems sind schwer abzuschätzen.


