Drei Viertel der E-Commerce-Produkte verstoßen gegen EU-Vorschriften
Frankreichs Verbraucherschutzbehörde DGCCRF testete über 600 Produkte auf sieben ausländischen Online-Plattformen – mit alarmierenden Ergebnissen.

Die französische Verbraucherschutzbehörde DGCCRF hat alarmierende Ergebnisse veröffentlicht: 75% der im Jahr 2025 auf großen E-Commerce-Plattformen getesteten Produkte entsprechen nicht den EU-Standards. Die Behörde analysierte mehr als 600 Produkte, die bei sieben ausländischen Online-Plattformen gekauft wurden – dreimal so viele wie in den Vorjahren. Damit setzt Frankreich ein deutliches Zeichen im europaweiten Kampf gegen nicht konforme Importware.
Besonders besorgniserregend: 46% der getesteten Produkte waren nicht nur nicht konform, sondern auch aktiv gefährlich für Verbraucher. Die DGCCRF erklärte, sie habe ihre Tests bewusst auf Hochrisikokategorien konzentriert, weshalb die Ergebnisse nicht auf das gesamte Produktangebot der Plattformen übertragen werden könnten. Die Namen der sieben untersuchten Plattformen nannte die Behörde nicht – mit Verweis auf laufende Ermittlungen.
Elektrogeräte und Kinderprodukte besonders betroffen
Alle getesteten Elektrogeräte, darunter Haarpflegeprodukte, erwiesen sich als nicht konform. Fast drei Viertel davon wurden aufgrund von Risiken wie Stromschlag oder Brandgefahr als gefährlich eingestuft. Auch bei Kinderprodukten, Schmuck und Kleidung stellten die Prüfer weitreichende Verstöße fest – darunter Erstickungsgefahren und überhöhte Chemikalienwerte.
Ein Beamter der DGCCRF brachte die Dimension des Problems auf den Punkt: „Wenn man bei einer Nicht-Konformität von 70 bis 75% liegt, handelt es sich nicht mehr um eine Ausnahme, sondern ist Teil des Geschäftsmodells." Er ergänzte: „Dies ist kein Urteil, sondern eine bloße Feststellung von Tatsachen." Regierungsvertreter betonten, das Ausmaß der Mängel deute eher auf strukturelle Probleme als auf isolierte Versäumnisse hin.
Frankreich als Vorreiter im EU-weiten Vorgehen
Frankreich nimmt in Europa eine Vorreiterrolle beim Vorgehen gegen Discount-E-Commerce-Plattformen ein. Im Fokus stehen dabei insbesondere Anbieter wie Shein und Temu, die Kleidung und Gadgets direkt aus chinesischen Fabriken versenden. Traditionelle Einzelhändler kritisieren seit Langem, dass diese Unternehmen durch die Befreiung von Zollgebühren für geringwertige Pakete einen unfairen Wettbewerbsvorteil genießen.
Die DGCCRF kündigte an, ihre Erkenntnisse der Europäischen Kommission zu übermitteln. Diese ist im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act) befugt, Bußgelder von bis zu 6% des weltweiten Umsatzes gegen Plattformen zu verhängen. Die EU-Kommission hat bereits Untersuchungen gegen Shein, das zu PDD gehörende Temu sowie AliExpress von Alibaba eingeleitet.
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Zur AktienanalyseShein scheitert mit Sperrung – vorerst
Im März 2026 scheiterte Frankreich mit dem Versuch, den Marktplatz von Shein zu sperren. Das Pariser Berufungsgericht lehnte den Antrag ab – ein Erfolg für den Fast-Fashion-Riesen, der zuvor in einen Skandal um kinderähnliche Sexpuppen auf seiner Website verwickelt war. Dennoch bleibt der regulatorische Druck auf die Plattformen hoch, und die neuen DGCCRF-Ergebnisse dürften die Debatte auf europäischer Ebene weiter befeuern.
Für deutsche Verbraucher sind die Ergebnisse ein deutlicher Warnhinweis: Günstige Produkte von ausländischen Online-Plattformen können erhebliche Sicherheitsrisiken bergen. Ob Elektrogeräte, Kinderartikel oder Schmuck – die Kontrolllücken sind offenbar systemischer Natur und kein Einzelfall.

