E-Auto-Prämie: Drei Milliarden Euro für den falschen Zweck
Deutschlands E-Auto-Förderung schadet heimischen Herstellern, treibt Preise hoch und subventioniert chinesische Konkurrenten mit Steuergeld.

Die Bundesregierung stellt drei Milliarden Euro bereit, um den Kauf von Elektroautos zu fördern. Klingt sinnvoll – ist es aber nicht. Denn das Geld fließt laut einer Analyse der Wirtschaftswoche vor allem in die Kassen chinesischer Hersteller, die ohnehin dabei sind, die deutsche Automobilindustrie unter Druck zu setzen. Mit Steuermitteln finanziert Deutschland damit ausgerechnet jene Konkurrenten, die einheimischen Herstellern gefährlich werden.
Dabei hätte man mit drei Milliarden Euro vieles bewegen können. Zinsfreie Kredite für mehr als 3.000 finanzschwache Start-ups, Nachhilfe für benachteiligte Kinder oder ein Deutschlandticket für alle 42 Millionen Lohnempfänger – all das wäre mit dieser Summe denkbar gewesen. Stattdessen subventioniert der Staat Fahrzeugkäufe, die angesichts hoher Benzinpreise ohnehin stattgefunden hätten.
Prämien treiben Preise nach oben – nicht nach unten
Besonders brisant: Die aktuelle E-Auto-Kaufprämie ist bereits die dritte ihrer Art in Deutschland. Die erste lief von 2016 bis 2022, die zweite im Jahr 2023. Beide hatten denselben unerwünschten Effekt: Die Hersteller nutzten die staatliche Förderung, um ihre Preise anzuheben – und verkauften die Fahrzeuge trotzdem. Faktisch wurden so Hunderte Millionen, möglicherweise sogar Milliarden Euro vom Steuerzahler auf die Konten der Autobauer umgeleitet.
Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research in Bochum, hat das in einer Studie belegt: Mit Einführung der neuen Prämie stiegen die Preise für Elektroautos durchschnittlich um mehrere hundert Euro. Ohne Prämie hingegen – wenn also Marktmechanismen wirkten – wurden E-Autos kontinuierlich günstiger und kosteten kaum mehr als vergleichbare Verbrenner.
Ein weiterer Effekt ist seit Jahren bekannt: Kaufprämien verleiten dazu, Anschaffungen vorzuziehen. Läuft die Förderung aus, bricht die Nachfrage umso stärker ein. Das Muster ist gut dokumentiert – etwa durch die Abwrackprämien des Jahres 2009. Eine Studie, die US-Regionen mit und ohne Prämie verglich, kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Der Effekt verpuffte wenige Monate nach dem Auslaufen fast vollständig. Ökonomen der Universitäten Berkeley und Chicago bezeichneten das US-Programm als knapp drei Milliarden Dollar teures Strohfeuer ohne nachhaltige Konjunkturimpulse.
Subventionsmissbrauch in Millionenhöhe
Staatliche Markteingriffe erzeugen regelmäßig absurde Nebeneffekte. So wurden 2022 und 2023 zehntausende Elektroautos dank der deutschen Prämie günstig erworben und anschließend mit Gewinn ins Ausland verkauft – in Länder, wo es keine vergleichbare Förderung gab. Ein Autohändler warb sogar offen damit, Tesla-Modelle faktisch kostenlos zu fahren: Kaufen mit Prämie, ein halbes Jahr nutzen, dann zum ursprünglichen Kaufpreis in Skandinavien weiterverkaufen. Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach schätzt, dass dieser Subventionsmissbrauch binnen zwei Jahren rund 380 Millionen Euro an Steuergeld verschlungen haben könnte. Erst nachdem die Wirtschaftswoche darüber berichtete, reagierte das Wirtschaftsministerium und änderte die Förderbedingungen.
Sollten auch künftig vor allem chinesische Anbieter von der Prämie profitieren, wäre die logische Konsequenz nicht eine Anpassung der Regeln zugunsten heimischer Hersteller – sondern die vollständige Abschaffung der Förderung. Denn jeder unnötige Eingriff in den Markt ist ein Fehler.
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Die Zahlen sprechen für sich: Eine Auswertung von ADAC-Daten durch die Wirtschaftswoche zeigt, dass bei 64 Prozent aller in Deutschland angebotenen Elektroautos der Elektroantrieb inzwischen günstiger ist als die Verbrennervariante – gemessen an den Gesamtkosten, nicht am Kaufpreis. Grundlage der Berechnung: ein Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde, Spritkosten von 1,92 Euro sowie eine jährliche Fahrleistung von 15.000 Kilometern.
Das E-Auto hat den Markt längst erreicht. Staatliche Kaufanreize sind damit nicht nur überflüssig – sie sind kontraproduktiv.


