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Edmunds testet chinesisches SUV und warnt US-Autobauer

Das Autoportal Edmunds hat erstmals ein chinesisches Fahrzeug getestet – mit alarmierendem Ergebnis für amerikanische Hersteller.

Das renommierte US-Autoportal Edmunds hat den Geely Galaxy M9 – ein chinesisches SUV – erstmals einem vollständigen Testprogramm unterzogen. Das Ergebnis ist eindeutig: Chefredakteur Alistair Weaver sieht die amerikanischen Automobilhersteller unter ernstem Druck. Viele Funktionen des Fahrzeugs seien „den Fahrzeugen, die wir in den USA fahren, voraus", erklärte Weaver nach dem Test auf der Edmunds-Teststrecke in Los Angeles.

Der Galaxy M9 ist ein dreireihiges SUV mit verlängerter Reichweite (Range Extender Hybrid) und kostet in China ab rund 25.000 US-Dollar. In den Vereinigten Staaten sind chinesische Neufahrzeuge faktisch durch Importverbote und Zölle von rund 100 Prozent vom Markt ausgeschlossen. Dennoch wollte Edmunds das wachsende Interesse amerikanischer Verbraucher an den preisgünstigen und technologisch fortschrittlichen Modellen nicht ignorieren.

Technologie auf Tesla-Niveau – zum halben Preis

Edmunds unterzog den M9 einer 227 Punkte umfassenden Bewertung, die Reichweite, Beschleunigung, Bremsverhalten und zahlreiche weitere Leistungsmerkmale abdeckte. Das Fahrzeug konkurriert laut dem Portal mit Modellen, die in den USA doppelt so teuer sind – darunter der voll ausgestattete Hyundai Palisade, der Kia Telluride oder der Toyota Grand Highlander. Selbst wenn der M9 in den USA zum doppelten Einstiegspreis von 25.000 Dollar angeboten würde, bliebe er wettbewerbsfähig, so Edmunds.

Besonders beeindruckte der 30-Zoll-Infotainment-Bildschirm, den die Tester als ebenso reaktionsschnell wie die Displays eines Tesla einstuften. Darüber hinaus bietet der M9 Ausstattungsmerkmale, die in chinesischen Fahrzeugen zunehmend Standard sind: einen eingebauten Kühlschrank, Außenlautsprecher sowie einen ausklappbaren Entertainment-Bildschirm für die zweite Sitzreihe. Die Technologie sei „hervorragend", sagte Weaver.

Der Plug-in-Hybrid erreicht laut Edmunds-Tests eine geschätzte Gesamtreichweite von 808 Meilen (rund 1.300 Kilometer). Rein elektrisch fährt der M9 etwa 100 Meilen, bevor der kleine Benzinmotor als Generator zur Batterieladung einspringt. Damit übertrifft das Fahrzeug die Prognosen für vergleichbare Modelle, die US-Hersteller wie Ford und Stellantis erst noch auf den Markt bringen wollen.

Zölle halten Verbraucher vom Zugang ab

Edmunds gelangte auf ungewöhnlichem Weg an das Testfahrzeug: Chefredakteur Weaver knüpfte auf der Technologiemesse CES Anfang des Jahres Kontakt zu Geely-Führungskräften. Da keine Neufahrzeuge chinesischer Marken in die USA importiert und verkauft werden dürfen, lieh Geely das Fahrzeug lediglich aus – was rechtlich zulässig ist. Die Mitarbeiter fuhren den M9 rund drei Wochen lang in alltäglichen Situationen, etwa beim Lebensmitteleinkauf.

Geely selbst betonte, man habe das Fahrzeug zur Verfügung gestellt, um die eigenen technologischen Fähigkeiten auf globalem Niveau zu demonstrieren. „Geely evaluiert kontinuierlich die globalen Märkte, aber unser aktueller kommerzieller Fokus für den Galaxy M9 liegt weiterhin auf China", erklärte ein Sprecher des Konzerns. Geely gehört zu den größten Autokonzernen der Welt und ist unter anderem Eigentümer von Volvo Cars und Polestar.

Eine aktuelle Umfrage von Cox Automotive zeigt unterdessen, dass US-Verbraucher zunehmend offen für Fahrzeuge chinesischer Marken sind. Einige planen sogar, chinesische Modelle über Mexiko oder Kanada zu beziehen, wo die Fahrzeuge weitaus verbreiteter sind. In Kanada dürfte die Präsenz chinesischer Autos nach einer Lockerung von Handelsbarrieren weiter zunehmen.

Frustration bei Verbrauchern wächst

Tu Le, Gründer des Beratungsunternehmens Sino Auto Insights, sieht die Ursache für den technologischen Vorsprung im extrem wettbewerbsintensiven chinesischen Heimatmarkt. Dieser habe die Hersteller dazu gezwungen, immer funktionsreichere Modelle zu immer niedrigeren Preisen anzubieten. Wenn diese Optionen dem US-Markt vorenthalten werden, werde dies Käufer zunehmend frustrieren, warnte er.

„Wir sehen einige der innovativsten Produkte zu den niedrigsten Preisen, und die Verbraucher weltweit profitieren davon", sagte Le. „Sie 100 Prozent auszuschließen – das ist es, was die Menschen verärgern wird." Für deutsche und europäische Beobachter ist der Test von Edmunds besonders relevant: Chinesische Marken wie BYD, MG oder Geely sind in Europa bereits aktiv und setzen etablierte Hersteller unter Druck – ein Szenario, das in den USA durch Handelsbarrieren bislang verhindert wird.

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