Eisenerz fällt auf Viermonatstief – Angebot steigt, Nachfrage schwächelt
Steigende Liefermengen der Bergbaukonzerne und schwache Stahlnachfrage drücken die Eisenerzpreise auf den tiefsten Stand seit Februar.

Die Eisenerzpreise haben am Dienstag ihre Verluste ausgeweitet und ein fast viermonatiges Tief markiert. Der meistgehandelte Kontrakt an der chinesischen Dalian Commodity Exchange (DCE) sank bis 03:00 Uhr GMT um 0,74 Prozent auf 737 Yuan (umgerechnet 108,81 US-Dollar) pro Tonne. Im Handelsverlauf hatte der Kontrakt mit 736 Yuan sogar den niedrigsten Stand seit dem 24. Februar erreicht.
Auch an der Singapore Exchange stand der Referenzkontrakt für Eisenerz mit Fälligkeit im Juli unter Druck. Er notierte um 0,45 Prozent niedriger bei 97,80 US-Dollar pro Tonne – ebenfalls der tiefste Stand seit dem 25. Februar. Damit verharrt der Kontrakt bereits den vierten Handelstag in Folge deutlich unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 US-Dollar.
Bergbauunternehmen erhöhen Liefermengen zum Quartalsende
Analysten machen vor allem zwei Faktoren für den Preisrückgang verantwortlich. Zum einen wird erwartet, dass die großen Bergbauunternehmen ihre Lieferungen im laufenden Monat hochfahren, um ihre Prognoseziele für das zweite Quartal zu erreichen. Zum anderen trifft dieses steigende Angebot auf eine saisonal bedingt schwächere Nachfrage – eine Kombination, die laut Marktbeobachtern auf einen möglichen Anstieg der Lagerbestände in den Häfen hindeutet.
Zusätzlichen Druck erzeugen enttäuschende makroökonomische Daten aus China. Analysten des Brokerhauses Maike Futures verwiesen in einem Marktbericht auf die zuletzt schwachen Einzelhandelsumsätze, die zum ersten Mal seit über drei Jahren zurückgingen. Dies wecke Erwartungen eines künftig schwächelnden Stahlverbrauchs und belaste die Preisaussichten für den wichtigen Rohstoff der Stahlherstellung.
Wegfall der Kostenstützung durch sinkende Energiepreise
Ein weiterer Belastungsfaktor ist der Wegfall der sogenannten Kostenstützung. Fortschritte bei den Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran haben die Energiepreise und Frachtraten sinken lassen. Zuvor hatten steigende Frachtraten und höhere Inputkosten infolge der durch den Nahostkonflikt ausgelösten Energiepreisspitzen die Widerstandsfähigkeit der Eisenerzpreise gestützt – selbst in Phasen verhaltener Nachfrage.
Die Schwäche beschränkt sich nicht auf Eisenerz allein. Auch Kokskohle und Koks, zwei weitere zentrale Rohstoffe für die Stahlproduktion, weiteten ihre Verluste aus. Kokskohle verbilligte sich um 0,98 Prozent, Koks gab sogar um 3,24 Prozent nach.
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Zur AktienanalyseStahl-Benchmarks in Shanghai auf breiter Front im Minus
Die Stahl-Benchmarks an der Shanghai Futures Exchange zeigten sich ebenfalls schwächer. Betonstahl (Rebar) verlor 0,42 Prozent, warmgewalztes Breitband (HRC) sank um 0,45 Prozent, Walzdraht gab 0,30 Prozent nach und Edelstahl verbilligte sich um 1,26 Prozent. Das Bild am Rohstoffmarkt ist damit einheitlich negativ – getrieben von einer Kombination aus steigendem Angebot, nachlassender Nachfrage und dem Wegfall externer Preisstützen.


