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El Niño treibt Inflation in Brasilien deutlich über Zielwert

Brasiliens Ökonomen warnen: El Niño belastet Verbraucherpreise 2026 und 2027 stärker als bisher in Prognosen eingerechnet.

El Niño treibt Inflation in Brasilien deutlich über Zielwert

Eine aktuelle Umfrage der brasilianischen Zentralbank zeigt: Das Wetterphänomen El Niño wird die Inflation in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft in den kommenden Jahren spürbar anheizen. Der Median der Schätzungen von knapp 100 befragten Ökonomen deutet auf eine Auswirkung von 30 Basispunkten auf die Gesamtinflation im Jahr 2026 und sogar 40 Basispunkten im Jahr 2027 hin. Besonders besorgniserregend: Ein Großteil dieser Effekte ist noch nicht vollständig in den aktuellen Prognosen berücksichtigt.

Die Befragten gaben an, bereits etwa zwei Drittel der El-Niño-Auswirkungen für das laufende Jahr in ihre Schätzungen für die Verbraucherpreise eingerechnet zu haben. Für das nächste Jahr hingegen wurde erst die Hälfte der erwarteten Effekte berücksichtigt. Es war das erste Mal seit Januar 2024, dass die Zentralbank in ihrer Umfrage eine Frage zu El Niño stellte – ein deutliches Signal, wie ernst die Währungshüter das Thema nehmen.

Inflation weit über dem Zielwert

Die Umfrage prognostiziert eine Inflation von 5,2 Prozent für das laufende Jahr und 4,2 Prozent für das kommende Jahr. Beide Werte liegen damit deutlich über dem Zielwert der brasilianischen Zentralbank von 3 Prozent. Die Zentralbank räumte selbst ein, dass die Inflation voraussichtlich erst im ersten Quartal 2028 wieder zum Zielwert konvergieren wird – ein Quartal jenseits ihres formellen Planungshorizonts.

El Niño ist durch die Erwärmung des Pazifikwassers und eine Umverteilung der Niederschläge gekennzeichnet. In Brasilien verursacht das Phänomen tendenziell Dürren im Nordosten des Landes, was wichtige Ernten wie Kaffee, Zucker und Zitrusfrüchte erheblich beeinträchtigt. Laut den Citi-Ökonomen Ernesto Revilla und Felipe Juncal werden die Lebensmittelpreise die schnellsten und direktesten Auswirkungen von El Niño zu spüren bekommen.

Die Citi-Analysten verweisen auf den starken El Niño der Jahre 2015 bis 2016, als Brasilien von einem sprunghaften Anstieg der Lebensmittelinflation getroffen wurde. Dieses Szenario dürfte sich wiederholen: Diesmal wird erwartet, dass die Inflation innerhalb von zwei Monaten nach dem Schock um rund 1,47 Prozentpunkte ansteigen wird. Das Wetterphänomen soll sich in der zweiten Jahreshälfte weiter verstärken.

BTG Pactual warnt vor „Super-El-Niño"

Die brasilianische Investmentbank BTG Pactual geht noch einen Schritt weiter und warnt vor einem sogenannten „Super-El-Niño". Die Auswirkungen auf die Lebensmittelinflation dürften im nächsten Jahr noch deutlicher ausfallen. BTG Pactual hob daher ihre Inflationsprognose für 2027 von 4,2 Prozent auf 4,5 Prozent an. Die Analysten betonen, dass die Risiken bei einer weiteren Verschlechterung der Wetterbedingungen weiterhin nach oben gerichtet seien.

Die Bank warnte zudem vor einem möglichen Übertragungseffekt: „Ein Teil des Schocks könnte durch Trägheit und Erwartungen auf das Jahr 2028 übertragen werden. Das Ausmaß dieses Pass-through-Effekts hängt von der Glaubwürdigkeit der Zentralbank und der kurzfristigen Reaktion ab: Je länger der Lockerungszyklus andauert, desto größer ist das Risiko einer Entankerung", so die Analysten in einer Mitteilung.

Zentralbank zwischen Zinssenkung und Inflationsrisiken

Zentralbankgouverneur Gabriel Galipolo hatte bereits im Mai gewarnt, dass ein starker El Niño die Angebotsschocks im Zusammenhang mit höheren Ölpreisen – bedingt durch den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran – noch verstärken würde. Dies erschwere die Bemühungen zur Inflationsbekämpfung in einem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt erheblich. Galipolo betonte die Herausforderung, vorübergehende Preisschocks von dauerhaften Zweitrundeneffekten zu unterscheiden, insbesondere da sich die Inflationserwartungen vom Zielwert entfernen.

In der vergangenen Woche senkte die brasilianische Zentralbank die Zinsen zum dritten Mal in Folge um 25 Basispunkte auf nun 14,25 Prozent und ließ künftige Schritte bewusst offen. Im Protokoll der Entscheidung stellten die Ratsmitglieder fest, dass die Inflationsrisiken zwar nach oben gerichtet seien, es jedoch gängige Praxis sei, die geldpolitische Reaktion auf angebotsbedingte Schocks zu mäßigen. Für internationale Anleger und Beobachter bleibt Brasilien damit ein Markt mit erhöhter Unsicherheit – sowohl klimatisch als auch geldpolitisch.

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