Eli Lilly übernimmt AtaiBeckley und setzt auf Psychedelika-Therapien
Der Pharmariese Eli Lilly erweitert seine Pipeline mit einer 2,8-Milliarden-Dollar-Übernahme im Bereich psychischer Erkrankungen.

Eli Lilly, bekannt für seine Blockbuster-Abnehmmedikamente Mounjaro und Zepbound, wächst weiter. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 19,8 Milliarden US-Dollar – und plant nun, seine Pipeline deutlich zu diversifizieren. Am 16. Juli stimmte Lilly der Übernahme von AtaiBeckley für 2,8 Milliarden US-Dollar zu, zuzüglich potenzieller Meilensteinzahlungen von bis zu 1 Milliarde US-Dollar.
AtaiBeckley ist bereits die zwölfte Akquisition von Lilly in diesem Jahr. Mit dem Abschluss des Kaufs wird das Unternehmen die erste führende Aktie aus dem Bereich der Psychedelika in der späten klinischen Phase sein, die von einem großen Pharmaunternehmen übernommen wurde – ein historischer Schritt für die gesamte Branche.
Lillys Einstieg in die Psychedelika-Forschung
Das wichtigste Projekt von AtaiBeckley ist BPL-003, eine intranasale Formulierung des schnell wirkenden Psychedelikums 5-MeO-DMT. Das Mittel befindet sich in Phase-3-Studien zur Behandlung therapieresistenter Depressionen (TRD) – also Depressionen, die auf mindestens zwei vorangegangene Antidepressiva nicht angesprochen haben. BPL-003 verfügt bereits über den begehrten Breakthrough-Therapy-Status der US-Arzneimittelbehörde FDA. Die Phase-3-Daten werden allerdings erst Anfang 2029 erwartet.
Ein weiteres Programm von AtaiBeckley ist VLS-01, ein Schmelzfilm für die Wangeninnenseite, der das Psychedelikum DMT freisetzt. Die Daten der Phase-2b-Studie bei therapieresistenten Depressionen sollen im vierten Quartal 2026 veröffentlicht werden. Das Management plant, das Projekt anschließend in eine Phase-3-Studie für schwere depressive Störungen (MDD) zu überführen.
Lilly ist in diesem Bereich jedoch kein völliger Neueinsteiger. Das Unternehmen betreibt bereits ein Psychiatrie-Programm der Phase 3 mit Brenipatid, einem dualen GLP-1- und GIP-Rezeptor-Agonisten – also einem Wirkstofftyp, der auf ähnlicher Biologie basiert wie die erfolgreichen Abnehmmedikamente. Brenipatid wird sowohl für schwere depressive Störungen als auch für Alkoholkonsumstörungen erprobt.
Kein Umsatz-Gamechanger, aber strategisch wertvoll
Anleger sollten die Erwartungen an die neuen Programme realistisch einordnen. Die Märkte für therapieresistente Depressionen sind deutlich kleiner als jene für Adipositas oder Typ-2-Diabetes. Als Vergleich: Das Esketamin-Nasenspray Spravato von Johnson & Johnson, das bereits zur Behandlung therapieresistenter Depressionen zugelassen ist, erzielte im zweiten Quartal 2026 weltweit einen Umsatz von 584 Millionen US-Dollar. Das Analysehaus Jefferies schätzt den Spitzenumsatz auf bis zu 5 Milliarden US-Dollar jährlich.
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Zur AktienanalyseFür ein Unternehmen, das für das Gesamtjahr 2026 einen Umsatz von 82 bis 85 Milliarden US-Dollar prognostiziert, wäre selbst ein kategorieführendes Depressionsmedikament nur ein kleiner Baustein. Kein einzelnes Medikament aus der laufenden Akquisitionsserie wird den Gesamtumsatz von Lilly kurzfristig signifikant bewegen.
Die Strategie dahinter ist dennoch überzeugend: Zusammen – und möglicherweise ergänzt durch weitere F&E-Investitionen zur Erweiterung zugelassener Indikationen – könnten die zahlreichen Zukäufe langfristig einen spürbaren Beitrag leisten. Lilly sichert sich damit eine breite Pipeline als Absicherung gegen eine mögliche Erosion der Marktführerschaft im Bereich Gewichtsreduktion, die langfristig niemals garantiert ist.
Für Anleger zeigt die Übernahme von AtaiBeckley, dass Eli Lilly nicht allein auf den Erfolg von Tirzepatid setzt, sondern aktiv in neue Therapiefelder investiert – und damit das Fundament für nachhaltiges Wachstum legt.


