Eli Lilly übernimmt drei Impfstoffentwickler für fast vier Milliarden Dollar
Der Abnehmpräparate-Riese Eli Lilly drängt mit drei Akquisitionen in den Markt für Infektionskrankheiten-Prävention.

Eli Lilly hat sich auf die Übernahme von drei Impfstoffentwicklern geeinigt. Der Gesamtwert der Transaktionen beläuft sich auf bis zu knapp vier Milliarden US-Dollar, wie das Pharmaunternehmen am Dienstag bekannt gab. Die Deals markieren einen strategischen Kurswechsel des weltweit führenden Herstellers von Abnehmpräparaten hin zur Prävention von Infektionskrankheiten.
Das in Indianapolis ansässige Unternehmen bestätigte damit einen früheren Bericht des Wall Street Journal. Lilly übernimmt demnach die drei Unternehmen Curevo, LimmaTech Biologics und Vaccine Company. Die Akquisitionen signalisieren, dass Lilly sein Portfolio deutlich über den bisherigen Schwerpunkt auf Stoffwechselerkrankungen hinaus ausbauen will.
Curevo im Fokus: Impfstoff gegen Gürtelrose
Besonders im Mittelpunkt steht die geplante Übernahme von Curevo. Das Unternehmen entwickelt einen Impfstoff gegen Gürtelrose, der nach Einschätzung von Lilly eine ähnliche Wirksamkeit wie der derzeitige Behandlungsstandard aufweisen könnte – jedoch mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil. Das erklärte Daniel Skovronsky, Chief Scientific and Product Officer bei Lilly.
Für Curevo könnte Lilly bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar in bar zahlen. Die Summe setzt sich aus einer nicht näher genannten Vorabzahlung sowie einer potenziellen Folgezahlung zusammen, die an das Erreichen eines bestimmten Meilensteins geknüpft ist. Solche sogenannten Meilensteinzahlungen sind in der Pharmaindustrie ein gängiges Instrument, um Risiken bei der Übernahme von Unternehmen in frühen Entwicklungsphasen zu begrenzen.
Gürtelrose, medizinisch als Herpes Zoster bekannt, ist eine schmerzhafte Viruserkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie wird durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst, das nach einer überstandenen Windpockeninfektion lebenslang im Körper schlummert. In Deutschland und Europa ist der Markt für Gürtelrose-Impfstoffe ein bedeutendes Segment, da die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für Personen ab 60 Jahren empfiehlt.
Strategische Neuausrichtung für Lilly
Die drei Übernahmen zusammen verdeutlichen, dass Lilly seine Wachstumsstrategie aktiv diversifiziert. Bislang ist das Unternehmen vor allem durch seine Diabetes- und Adipositas-Medikamente bekannt, die zuletzt für erhebliches Umsatzwachstum gesorgt haben. Mit dem Einstieg in die Impfstoffentwicklung erschließt sich Lilly ein neues, langfristig attraktives Geschäftsfeld.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer Schritt in den Impfstoffmarkt ist für einen Pharmariesen wie Lilly nicht ohne Risiko. Impfstoffentwicklungen sind langwierig, regulatorisch anspruchsvoll und scheitern häufig in späten klinischen Phasen. Die Struktur der Deals mit erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen zeigt jedoch, dass Lilly diese Risiken bewusst kalkuliert und absichert.
Für Anleger ist die Nachricht ein Signal, dass das Management von Eli Lilly den Konzern langfristig breiter aufstellen will. Die Gesamtinvestition von bis zu fast vier Milliarden US-Dollar unterstreicht den Ernsthaftigkeit dieses strategischen Vorhabens.


