Eli Lilly vs. Novo Nordisk: Entscheidende Quartalszahlen im Vergleich
Beide Pharmariesen berichten am 5. August vorbörslich – doch die Ausgangslage könnte unterschiedlicher kaum sein.

Eli Lilly und Novo Nordisk legen am Mittwoch, dem 5. August, vorbörslich ihre Quartalsergebnisse vor. Während Eli Lilly mit einer Marktkapitalisierung von 1,02 Billionen US-Dollar und einem Jahresplus von +50,7 % aus einer Position der Stärke berichtet, kämpft Novo Nordisk mit einem Kursrückgang von -8,78 % allein am vergangenen Freitag und einer ungewöhnlich schwachen Umsatzprognose.
Der Konsens für Eli Lillys Quartalsumsatz liegt bei 20,65 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 33 % im Jahresvergleich. Besonders auffällig: Der Gewinn je Aktie (EPS) wurde innerhalb von 30 Tagen um -25,2 % nach unten revidiert, obwohl die Umsatzschätzungen um +1,03 % stiegen. Analysten rechnen also mit höheren Kosten und Investitionsausgaben, nicht mit schwächerem Absatz.
Für Novo Nordisk zeichnet sich ein noch ungewöhnlicheres Bild ab: Die Jahresumsatzschätzung für das Geschäftsjahr 2026 liegt mit 44,46 Milliarden US-Dollar tatsächlich unter dem Ist-Wert von 2025 (48,83 Milliarden US-Dollar). Der Markt preist damit eine echte Umsatzkontraktion ein – ein seltenes Szenario für das Unternehmen, das die GLP-1-Revolution mit Wegovy und Ozempic eingeläutet hat.
Verschreibungszahlen und Pipeline im Fokus
Der meistbeachtete Datenpunkt am Mittwoch dürfte die Entwicklung der Verschreibungszahlen sein. Eli Lillys Abnehmspritze Zepbound verzeichnet laut IQVIA-Daten bereits mehr als doppelt so viele wöchentliche Verschreibungen wie Wegovys. Entscheidend ist, ob sich dieser Abstand weiter vergrößert und ob Mounjaro – die Diabetes-Variante des Wirkstoffs Tirzepatid – seinen Aufwärtstrend fortsetzt.
Für Novo Nordisk ist das orale Wegovy, das im Januar in den USA eingeführt wurde, der wichtigste Hoffnungsträger. Erste Daten zeigen, dass es seinen Vorsprung gegenüber Lillys Foundayo-Tablette behaupten kann. Das Volumen der oralen Verschreibungen gilt damit als der hellste Lichtblick in einem ansonsten defensiven Quartalsbericht.
Der größte strategische Unterschied zwischen beiden Unternehmen liegt jedoch in der Pipeline: Lillys Retatrutid, ein dreifacher Hormonrezeptor-Agonist (GIP + GLP-1 + Glucagon), hat erst im Juli die Endpunkte in zwei Phase-3-Adipositas-Studien erreicht. In der TRIUMPH-3-Studie verloren Patienten bei einer Dosierung von 12 mg über 80 Wochen 22,6 % an Körpergewicht – deutlich mehr als die rund 15 % bei Wegovy. Der FDA-Zulassungsantrag ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Rechtliche Risiken belasten Novo Nordisk
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Zur AktienanalyseZwei laufende Rechtsstreitigkeiten überschatten Novo Nordisk zusätzlich. Erstens muss sich das Unternehmen einer Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs im Zusammenhang mit Offenlegungen zur CagriSema-Studie stellen – ein US-Richter entschied am 28. Juli, dass diese fortgesetzt werden muss. Die Klage deckt den Zeitraum von November 2022 bis Dezember 2024 ab.
Zweitens hat Novo Nordisk Eli Lilly vor einem Bundesgericht wegen irreführender Werbung bei GLP-1-Medikamentenvergleichen verklagt und einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen Lilly-Anzeigen gestellt. Wie das Management beider Unternehmen zu diesen Rechtsstreitigkeiten Stellung nimmt und ob diese in den Prognosen berücksichtigt sind, wird von Analysten genau beobachtet.
Die Ausgangslage schafft eine interessante Asymmetrie für Anleger: Eli Lilly muss bei einem Kurs von 1.148,84 US-Dollar (vorbörslich 1.158,08 US-Dollar) nahezu fehlerfrei liefern, um die hohe Bewertung zu rechtfertigen. Novo Nordisk hingegen – zuletzt bei 47,08 US-Dollar mit einer Marktkapitalisierung von 208,69 Milliarden US-Dollar – muss lediglich die Talfahrt stoppen, um eine Erholung einzuleiten. Der Markt hat Novo im Wesentlichen bereits auf Scheitern und Lilly auf Perfektion eingepreist.


