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Energieschock durch Hormus-Krise: Was Anleger jetzt wissen müssen

Die globalen Energiemärkte befinden sich in einem instabilen Gleichgewicht – mit weitreichenden Folgen für Inflation und Geldpolitik.

Energieschock durch Hormus-Krise: Was Anleger jetzt wissen müssen

Die globalen Energiemärkte stehen unter erheblichem Druck. Die weitgehende Schließung der Straße von Hormus hat das weltweite Ölangebot um rund 20 Prozent reduziert – und das international gehandelte Flüssigerdgas (LNG) um denselben Anteil. Dieser Angebotsschock treibt die Preise nach oben, reicht jedoch bislang nicht aus, um Angebot und Nachfrage vollständig ins Gleichgewicht zu bringen.

Der Rohölpreis der Sorte Brent schwankte allein im Juli 2025 zwischen 71 US-Dollar pro Barrel am 1. Juli und 101 US-Dollar am 23. Juli – eine außergewöhnlich breite Handelsspanne. Wenn die Preise stark steigen, scheint US-Präsident Donald Trump einzulenken, da er offenbar eine Schmerzgrenze bei den heimischen Kraftstoffkosten hat. Fallen die Preise hingegen zu stark, eskalieren die Spannungen rund um die Meerenge erneut.

Ölvorräte auf dem Rückzug

Die Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen, dass die globalen Ölbestände von einem sehr hohen Niveau zu Jahresbeginn auf ein normales Niveau im Mai gefallen sind. Im Juni gab es einen kurzen Anstieg, nachdem die Meerenge infolge einer Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran vorübergehend wieder geöffnet worden war. Ohne weitere Fortschritte dürften die Bestände weiter sinken und die Preise weiter steigen.

Besonders besorgniserregend ist die Lage bei raffinierten Ölprodukten. Der Preis für Diesel liegt bereits 80 Prozent über dem Niveau von Ende Januar – während Rohöl im gleichen Zeitraum „nur" rund 50 Prozent teurer wurde. Dieser überproportionale Anstieg bei Kraftstoffen, die für den Warentransport entscheidend sind, ist ein wichtiger Faktor für die Inflationsentwicklung und die geldpolitischen Reaktionen der Notenbanken.

Europas Gasspeicher auf dem niedrigsten Stand seit 2011

Für Europa ist die Lage beim Erdgas mindestens ebenso besorgniserregend wie beim Öl. Die europäischen Gasspeicher befinden sich nahe ihrem niedrigsten Stand seit 2011. Zwar liefern Untergrundgasspeicher nur etwa 25 bis 30 Prozent des im europäischen Winter verbrauchten Gases, doch eine Kältewelle könnte die Reserven auf ein gefährlich niedriges Niveau drücken und die Preise deutlich in die Höhe treiben.

Der jüngste Anstieg der europäischen Erdgaspreise war dabei deutlich stärker als jener beim Öl. Dennoch liegen die europäischen Gaspreise noch weit unter dem Höchststand von 2022, als sie einen Großteil des Jahres über 100 Euro pro Megawattstunde lagen und zeitweise sogar über 300 Euro pro Megawattstunde stiegen.

EZB hält Zinsen – und gibt keine Forward Guidance

Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ die Leitzinsen zuletzt bei 2,25 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, dass das mildere Szenario, in dem die Inflation bei den aktuellen Zinssätzen eingedämmt würde, „ziemlich unwahrscheinlich aussieht". Angesichts der volatilen Energiepreise betonte sie, dass die EZB keine Forward Guidance gebe und ihre Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung treffe.

Lagarde verwies darauf, dass die Terminpreise ihrer Basisprognose vom Juni ähnelten – was für Öl zutrifft, für Erdgas mit Blick auf den kommenden Winter jedoch weniger präzise ist. Die Unsicherheit über die Energiepreisentwicklung macht eine klare geldpolitische Kommunikation für alle großen Notenbanken schwierig.

Fed unter Warsh: Märkte auf Vermutungen angewiesen

Noch schwieriger ist die Lage bei der US-Notenbank Federal Reserve unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Warsh hat bislang jede detaillierte Beschreibung der geldpolitischen Überlegungen oder der Reaktionsfunktion der Fed abgelehnt. Seine wiederholte Aussage, dass die Fed ihr Inflationsmandat erfüllen werde, liefert den Finanzmärkten kaum Orientierung.

Ende vergangener Woche schätzten die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed auf 50:50 ein. Am Montag sank diese Wahrscheinlichkeit deutlich, nachdem eine Pause bei den militärischen Angriffen zu einer Abschwächung der Energie-Spotpreise geführt hatte. Die Lage bleibt damit für Anleger und Notenbanker gleichermaßen schwer einzuschätzen.

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