ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Energiewende-Boom: Wie Trench Group zum Nadelöhr der Stromnetze wird

Während die deutsche Industrie kriselt, boomt die Hochspannungstechnik – mit 24/7-Schichtbetrieb, 40 Prozent mehr Aufträgen und globalem Wachstum.

Energiewende-Boom: Wie Trench Group zum Nadelöhr der Stromnetze wird

Sonntagnachmittag im Industriegebiet Troisdorf bei Köln: Im Werk der HSP Hochspannungsgeräte GmbH werkeln 18 Mitarbeiter in der Montagehalle. Um 14:15 Uhr ist Schichtübergabe. Was unspektakulär klingt, ist in der fertigenden Industrie eine absolute Ausnahme – denn Sonntagsarbeit ist hier grundsätzlich verboten.

Die Hochspannungstechniker haben dennoch einen legalen Weg gefunden. Seit Anfang des Jahres läuft der Betrieb durchgehend im 24/7-Schichtbetrieb. Werksleiter Hans Gronau freut sich: „Wir haben es jetzt geschafft, wir können nun die Kapazitäten aufbauen, um komplett durchzustarten." Sein Vorgesetzter, Bahadir Basdere, CEO der Trench Group, ergänzt: „Wenn ich auf einen Schlag die Kapazitäten verdoppeln könnte – ich könnte diese Fabrik sofort auslasten."

Das Troisdorfer Werk gehört zur Trench Group, einem Hersteller von Hochspannungskomponenten, die in jedem Knotenpunkt des Stromnetzes verbaut werden. Während Automobilzulieferer und Maschinenbauer in der Krise stecken, boomt diese Nischenbranche. Ablesbar ist das auch am Aktienkurs von Siemens Energy: Der DAX-Konzern hat seinen Börsenwert in den vergangenen drei Jahren versiebenfacht.

Vom Siemens-Konzern zum Private-Equity-Portfolio

2023 verkaufte Siemens Energy die Trench Group für einen dreistelligen Millionenbetrag an den Finanzinvestor Triton Partners. Der Hintergrund: Siemens Energy war durch die Probleme bei der Windkrafttochter Gamesa finanziell angeschlagen und hatte kein Kapital für Investitionen in die Trench Group. CEO Basdere, der seit 25 Jahren in der Energieindustrie arbeitet, hatte den Verkauf aktiv vorangetrieben. „Die Trench Group hat schon immer bis zu 75 Prozent ihres Geschäfts außerhalb von Siemens gemacht", erklärt er.

Der Wechsel zu Triton Partners zahlt sich aus. Der neue Eigentümer investiert zwar kein eigenes Kapital, lässt der Trench Group aber die erwirtschafteten Gewinne zur Reinvestition. „Zusammen mit Private Equity können wir Entscheidungen viel schneller treffen und umsetzen als innerhalb eines Konzerns", betont Basdere. Siemens Energy profitiert dennoch weiter: Man sicherte sich beim Verkauf einen attraktiven Liefervertrag, da die Hochspannungskomponenten der Trench Group weiterhin für Transformatoren und Schaltanlagen benötigt werden.

Die Zahlen sprechen für sich: 2025 stieg die Zahl neuer Aufträge um fast 40 Prozent, der Umsatz wuchs zum zweiten Mal in Folge um über 30 Prozent auf rund 900 Millionen Euro. Der Auftragsbestand liegt mittlerweile bei zwei Milliarden Euro. Seit 2024 hat das Unternehmen 800 neue Mitarbeiter eingestellt – weltweit arbeiten aktuell 3.000 Menschen an elf Produktionsstandorten in acht Ländern.

Die „Ärmchen" des Transformators: Hightech in Handarbeit

Was die Trench Group in Troisdorf herstellt, nennt sich im Fachjargon „Bushing" – auf Deutsch: Durchführung. Laien würden die röhrenförmigen Bauteile als die „Ärmchen" eines Transformators bezeichnen. Sie verbinden den Transformator mit dem Stromnetz und sind zwischen einem und zehn Metern lang. „Die Durchführung ist die neuralgischste und engste Stelle des Stromnetzes", erklärt Basdere.

Die Herstellung ist aufwendig: Im Kern bestehen die Bauteile aus dünnen Alufolien, die in Handarbeit abwechselnd mit Papier geschichtet und anschließend in Kunstharz getränkt werden. Schon kleinste Unregelmäßigkeiten können zu Teilentladungen führen. „Ein einziges menschliches Haar würde zum Durchschlag führen", warnt Werksleiter Gronau. Jede Durchführung wird deshalb im hauseigenen Prüffeld getestet – inklusive simulierter Blitzeinschläge.

Neben Durchführungen produziert die Trench Group auch Messwandler und Luftspulen. Messwandler messen Strom und Spannung in Umspannwerken mit Spannungen über einer Million Volt. Luftspulen – „ganz große Tonnen mit bis zu fünf Metern Durchmesser", so Basdere – stabilisieren Spannung und Frequenz im Stromnetz. Je mehr Strom dezentral erzeugt wird, desto wichtiger werden diese Komponenten.

Wachstumstreiber KI, Energiewende und veraltete Netze

Das Wachstum der Trench Group speist sich aus mehreren Quellen gleichzeitig: der globalen Energiewende, dem Ausbau der Stromnetze und dem rasant steigenden Strombedarf durch KI-Rechenzentren. Ende Februar eröffnete das Unternehmen ein neues Werk im US-Bundesstaat North Carolina. Kein Zufall: Im ersten Quartal 2026 entfielen über 40 Prozent des Auftragseingangs auf Nordamerika, wo das Stromnetz veraltet ist und der KI-Boom besonders stark treibt.

Auch in Österreich soll die Kapazität steigen. Am Standort Leonding plant die Trench Group einen Anbau zur Verdoppelung der Produktion – und setzt dabei auf ein ungewöhnliches Arbeitszeitmodell: eine freiwillige Zwei-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich. Seit Oktober können Mitarbeiter statt 38 Stunden unter der Woche zwei Wochenendschichten à zwölf Stunden übernehmen. Die Resonanz überraschte selbst Basdere: „Wir hatten in kürzester Zeit mehrere Hundert qualifizierte Bewerbungen."

In Deutschland ist dieses Modell aufgrund der gesetzlichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden nicht umsetzbar. Die Sonntagsarbeit in Troisdorf basiert auf einer Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung nach Paragraf 15, Absatz 2 des Arbeitszeitgesetzes – erlaubt, „soweit sie im öffentlichen Interesse dringend nötig werden". Die Argumentation: Die Energiewende sei ein strategisch wichtiges Unterfangen im öffentlichen Interesse. Die Behörden überzeugten sich davon, die Ausnahme gilt zunächst für zwei Jahre. Gewerkschaft, Betriebsrat und Arbeitsmediziner wurden ebenfalls eingebunden.

Schlüsseltechnologie mit globalem Wettbewerbsdruck

Die Trench Group hält nach eigenen Angaben einen weltweiten Marktanteil von 30 Prozent. In Deutschland gibt es keinen weiteren Hersteller dieser Art von Hochspannungstechnik, weltweit nur wenige wie Hitachi. Ähnlich aufgestellt ist die Maschinenfabrik Reinhausen in Regensburg, die Stufenschalter für Transformatoren herstellt: Die Hälfte des weltweiten Stroms fließt durch ihre Produkte, der Umsatz hat sich in vier Jahren auf 1,5 Milliarden Euro verdoppelt.

Trotz voller Auftragsbücher bleibt Basdere nachdenklich. Er verweist auf den Innovationsvorsprung, der jedoch nicht ewig halten werde – chinesische Hersteller werden zunehmend wettbewerbsfähiger. „Produktivität muss unser Vorteil sein", sagt er. Auch im Troisdorfer Werk wächst die Belegschaft: 100 der heute 450 Mitarbeiter kamen in den vergangenen zwei Jahren hinzu – viele aus dem Maschinenbau, der Chemie oder der Automobilbranche, wo gleichzeitig Tausende Stellen gestrichen werden.

Für Basdere ist der aktuelle Boom auch eine persönliche Genugtuung. „Ich habe früher viel restrukturiert", sagt er. Nach der globalen Finanzkrise wurde kaum investiert, die Branche wuchs danach nur um zwei bis drei Prozent jährlich. „Dass es so abgeht, hat 2022 niemand kommen sehen."

Trench GroupEnergiewendeHochspannungstechnikSiemens EnergyStromnetzeTriton PartnersRechenzentren Ki

Disclaimer