EOS verlegt Hauptsitz nach Europa: Laserwaffenhersteller profitiert von Rüstungsboom
Australischer Verteidigungskonzern plant strategischen Umzug nach Deutschland oder Amsterdam binnen Jahresfrist.

Der australische Laserwaffenhersteller Electro Optic Systems (EOS) wird seinen Hauptsitz und seine Börsennotierung voraussichtlich innerhalb eines Jahres von Australien nach Europa verlegen. Dies kündigte CEO Andreas Schwer gegenüber Reuters an. Der strategische Schritt zielt darauf ab, von den stark wachsenden europäischen Verteidigungsausgaben zu profitieren.
EOS sicherte sich im August 2025 einen Meilenstein-Auftrag: Die Niederlande kauften das weltweit erste exportierte Laserwaffensystem der 100-Kilowatt-Klasse für 71 Millionen Euro. Dieser Durchbruch öffnet dem Unternehmen nun Türen zu weiteren lukrativen Verträgen in Europa, wo die Nachfrage nach Drohnenabwehrtechnologie massiv steigt.
Deutschland favorisierter Standort für neue Zentrale
Eine endgültige Entscheidung über den neuen Hauptsitz wird in der ersten Jahreshälfte 2026 erwartet. Deutschland gilt als wahrscheinlichster Standort für die neue Zentrale und Börsennotierung, wobei auch Amsterdam als Alternative geprüft wird. Ein drittes Land befinde sich ebenfalls in der engeren Auswahl, das Schwer jedoch nicht nannte.
Die Wahl des Standorts hängt maßgeblich davon ab, welches Land bereit ist, eine langfristige Rahmenvereinbarung mit EOS abzuschließen. Der CEO betonte, dass die Hauptsitzverlagerung keine behördliche Genehmigung erfordere und bis Ende 2026 abgeschlossen sein könnte. Eine Börsennotierung in Europa würde dann bis Anfang oder Mitte 2027 folgen.
Sollte die Verlagerung gelingen, wäre EOS das erste große Verteidigungsunternehmen, das dauerhaft nach Europa umsiedelt. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Sorgen europäischer Regierungen über eine mögliche Reduzierung der US-Militärhilfe unter Präsident Donald Trump.
Kosteneffizienz revolutioniert Luftverteidigung
Die wirtschaftlichen Vorteile von Laserwaffen sind beeindruckend: Während die Zerstörung kleiner Drohnen mit konventionellen Raketen Zehntausende Euro pro Schuss kostet, schlagen Hochenergie-Lasersysteme mit lediglich einem bis zehn Euro zu Buche. Diese drastische Kostenreduktion verändert die Ökonomie der Luftverteidigung fundamental.
"Es gibt keinen Lärm, keinen Schuss, kein Licht. Es bewirkt lediglich, dass die Drohne aufgrund eines massiven Energieeinschlags, der sie zum Schmelzen bringt, vom Himmel fällt", erklärte Schwer die Funktionsweise. Allerdings sind Hochenergie-Laser noch nicht vollständig kampferprobt. Regen, Nebel und Staub können die Wirksamkeit erheblich beeinträchtigen, während der hohe Kühl- und Energiebedarf den Fronteinsatz erschwert.
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Zur AktienanalyseSouveränität über geistiges Eigentum entscheidend
Die Kontrolle über geistiges Eigentum entwickelt sich zum zentralen Faktor beim europäischen Verteidigungsaufbau. Erwartete US-Exportbeschränkungen für Lasersysteme über 50 Kilowatt machen es für Europa zwingend erforderlich, eigene Kapazitäten aufzubauen. "Wir haben keinen einzigen Kunden gesehen, der uns gesagt hat, es sei ihm egal, wo produziert wird und wo das geistige Eigentum angesiedelt ist. Diese Zeiten sind vorbei", betonte Schwer.
EOS besitzt sein gesamtes geistiges Eigentum, das derzeit in Singapur domiziliert ist. Dies ermöglicht dem Unternehmen, seine Technologie flexibel an Kunden zu übertragen und von den liberalen Exportbestimmungen Singapurs zu profitieren. Produktions- und Entwicklungseinrichtungen werden bereits in Deutschland aufgebaut. Nach Angaben von Schwer verhandelt EOS derzeit mit zehn europäischen Regierungen über künftige Aufträge.


