ETFs werden immer skurriler: Von UFO-Fonds bis Midnight-Bitcoin
Neue ETFs entfernen sich immer weiter vom klassischen Indexfonds-Prinzip – mit hohen Kosten, extremer Konzentration und kuriosen Themen.

Börsengehandelte Fonds (ETFs) gelten seit Jahrzehnten als günstige und verlässliche Grundbausteine der privaten Geldanlage. Doch die neueste Generation dieser Produkte hat mit diesem Bild kaum noch etwas gemein. Immer mehr ETFs setzen auf konzentrierte, riskante oder schlicht skurrile Strategien – und das zu einem deutlich höheren Preis als klassische Indexfonds.
Laut Morningstar wurden allein bis Mitte Mai dieses Jahres 466 neue ETFs aufgelegt. Diese Produkte haben zusammen ein Vermögen von 62,3 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Die durchschnittlichen jährlichen Kosten dieser Neuzugänge belaufen sich auf 0,69 Prozent – mehr als das Zwanzigfache dessen, was viele traditionelle Indexfonds verlangen.
Teure Produkte dominieren die Neuauflagen
Sechs von zehn neuen ETFs weisen jährliche Kosten von mindestens 0,5 Prozent auf. Ein Fünftel der Neuemissionen berechnet sogar mindestens 1 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Klassische Indexfonds auf breite Marktindizes wie den MSCI World sind häufig bereits für weniger als 0,1 Prozent Jahresgebühr erhältlich. Für deutsche Privatanleger, die auf kostengünstige Altersvorsorge setzen, ist dieser Trend besonders relevant.
Besonders auffällig ist der Rückgang echter Indexfonds unter den Neuauflagen: Nur noch 16 Prozent der neuesten ETFs sind klassische Indexfonds, die einen breiten Markt abbilden. Stattdessen dominieren hochspezialisierte Produkte das Angebot.
Bei mehr als einem Viertel der diesjährigen Neuemissionen hängt die Wertentwicklung von einer einzigen Aktie, einem einzelnen Rohstoff oder einem anderen einzelnen Vermögenswert ab. Das ist das genaue Gegenteil von Diversifikation – eine Strategie, die Experten bereits als „Deversifikation" bezeichnen. Statt das Risiko auf viele Wertpapiere zu verteilen, konzentrieren diese Produkte es auf einen einzigen Punkt.
Krypto-ETFs und der UFO-Fonds
Dutzende der neuen ETFs spezialisieren sich auf Kryptowährungen. Viele davon versuchen, die tägliche Rendite digitaler Vermögenswerte zu verdoppeln – sogenannte gehebelte Produkte, die im Verlustfall entsprechend stärker fallen. Solche Instrumente sind für unerfahrene Anleger besonders gefährlich.
Ein besonders markantes Beispiel für die zunehmende Kuriosität am ETF-Markt ist der Tuttle Capital UFO Disclosure ETF. Dieser Fonds wurde im Februar dieses Jahres aufgelegt – und der Wortspiel mit „gestartet" ist durchaus beabsichtigt. Er steht sinnbildlich dafür, wie weit sich Teile der ETF-Branche vom seriösen Investmentgedanken entfernt haben.
Kritiker vergleichen viele dieser neuen Produkte mit „Investment-Junkfood". Genau wie bei Süßigkeiten, Keksen oder Pommes frites kann ein Übermaß davon schädlich sein. Für Privatanleger bedeutet das: Nicht jedes Produkt, das als ETF vermarktet wird, verdient das Vertrauen, das klassische Indexfonds genießen.
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Zur AktienanalyseWas Anleger beachten sollten
Wer in ETFs investiert, sollte daher genau hinschauen. Folgende Punkte helfen bei der Einordnung:
- Wie hoch sind die jährlichen Kosten (TER)?
- Bildet der ETF einen breiten Index ab oder konzentriert er sich auf einen einzelnen Wert?
- Handelt es sich um ein gehebeltes Produkt?
- Wie liquide und wie groß ist der Fonds?
Die Grundidee des ETF – breit gestreut, günstig und transparent investieren – ist nach wie vor solide. Doch die wachsende Zahl exotischer Produkte erfordert von Anlegern mehr Aufmerksamkeit und kritisches Urteilsvermögen als je zuvor.


