Etsy entlässt 12 Prozent der Belegschaft und übertrifft Quartalszahlen
Der Online-Marktplatz streicht rund 220 Stellen, um die Organisation zu verschlanken und Innovationen zu beschleunigen.

Etsy hat am Mittwoch angekündigt, rund 220 Mitarbeiter zu entlassen – das entspricht etwa 12 Prozent der gesamten Belegschaft. Der für handgefertigte und kunsthandwerkliche Waren bekannte Online-Marktplatz will damit seine Organisationsstruktur vereinfachen und schneller auf den zunehmend wettbewerbsintensiven E-Commerce-Markt reagieren. Die Entlassungen betreffen laut Unternehmensangaben vor allem die Produkt- und Entwicklungsteams.
CEO Kruti Patel Goyal, die Anfang dieses Jahres die Führung des Unternehmens übernahm, erklärte den Mitarbeitern in einem internen Memo, der Stellenabbau solle „die Organisation aufbauen, die Etsy unserer Meinung nach für die Zukunft benötigt". Patel Goyal betonte, es handle sich dabei nicht um eine klassische Kostensenkungsmaßnahme. Vielmehr solle das Unternehmen in einer Phase starker Dynamik in die Lage versetzt werden, „sich schneller zu bewegen und mit noch größerem Fokus zu agieren", wie es im Aktionärsbrief heißt. Ein Etsy-Sprecher stellte zudem klar, dass künstliche Intelligenz nicht der Treiber hinter den Kürzungen sei.
Starke Quartalszahlen trotz Stellenabbau
Die Entlassungen wurden zeitgleich mit den Ergebnissen des zweiten Quartals bekanntgegeben – und die können sich sehen lassen. Der Umsatz belief sich auf 668,3 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen von 649,1 Millionen US-Dollar (laut LSEG) deutlich. Der Umsatz auf dem Kernmarktplatz wuchs um 9,3 Prozent. Der verwässerte Nettogewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen lag bei 98 Cent pro Aktie – gegenüber 39 Cent im Vorjahreszeitraum und deutlich über der FactSet-Konsensschätzung von 75 Cent.
Auf Gesamtunternehmensebene verzeichnete Etsy jedoch einen Nettoverlust von 46,65 Millionen US-Dollar bzw. 36 Cent pro Aktie, verglichen mit einem Nettogewinn von 28,84 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Dieser Verlust ist auf aufgegebene Geschäftsbereiche zurückzuführen, darunter den Verkauf der Secondhand-Plattform Depop an eBay für 1,4 Milliarden US-Dollar in bar – fünf Jahre nach der Übernahme für 1,6 Milliarden US-Dollar.
Prognose angehoben – Käuferzahlen rückläufig
Etsy hob seine Jahresprognose für das Bruttowarenvolumen (Gross Merchandise Sales, GMS) an. Das Unternehmen erwartet nun ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich, nachdem zuvor nur ein Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich prognostiziert worden war. Für das dritte Quartal rechnet Etsy mit einem GMS zwischen 2,53 und 2,58 Milliarden US-Dollar – und übertrifft damit die Konsensschätzungen von 2,49 Milliarden US-Dollar laut FactSet.
Trotz der positiven Finanzkennzahlen kämpft Etsy weiterhin mit rückläufigen Käuferzahlen. Im zweiten Quartal waren 87 Millionen aktive Käufer auf der Plattform aktiv, ein Rückgang von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf der Verkäuferseite zeigt sich hingegen ein erfreulicheres Bild: Zum zweiten Mal in Folge wuchs die Zahl der Händler im Jahresvergleich. Aktuell zählt die Plattform 5,7 Millionen Verkäufer – ein Plus von 5,9 Prozent.
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Zur AktienanalyseWettbewerbsdruck und strategische Neuausrichtung
Etsy steht seit dem Ende der Corona-Pandemie unter erheblichem Druck. Das Unternehmen hatte während der Covid-19-Lockdowns einen regelrechten Boom erlebt, als Verbraucher massenhaft zu Online-Händlern wechselten. Nach der Rückkehr in den stationären Handel ließ diese Dynamik jedoch nach. Hinzu kommt wachsender Wettbewerb durch Schwergewichte wie Amazon und Walmart sowie durch neuere Plattformen wie TikTok Shop und Temu.
Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzt Etsy auf die Stärke seines einzigartigen Produktangebots. Das Unternehmen arbeitet daran, massengefertigte Artikel von Wiederverkäufern aus dem Sortiment zu drängen und die Suchfunktionen zu verbessern, um Käufern personalisiertere Ergebnisse zu liefern. Im Juni startete Etsy während Amazons Prime-Day-Aktion die Werbekampagne „Shop Other Jeffs", in der „Nicht-Milliardär-Hersteller" namens Jeff vorgestellt wurden – eine direkte Spitze gegen Amazon-Gründer Jeff Bezos. Darüber hinaus hat Etsy im Rahmen seiner Fokussierung auf das Kerngeschäft weitere Marken aus seinem Portfolio abgestoßen.


