EU-Indien Handelsabkommen: Zölle sinken, aber Chancen bleiben begrenzt
Trotz drastischer Zollsenkungen von bis zu 110% auf 40% für EU-Autos bleiben die Marktchancen für Volkswagen und Co. in Indien überschaubar. Lokale Marken und asiatische Hersteller dominieren weiterhin mit 97% Marktanteil.

Indien und die Europäische Union unterzeichnen am Dienstag ein Handelsabkommen, das die Importzölle für in der EU produzierte Fahrzeuge deutlich senkt. Für Autos mit einem Importpreis über 15.000 Euro sinken die Zölle von bisher bis zu 110% auf zunächst 40% und langfristig auf 10%. Dies markiert die größte Öffnung des indischen Automarktes für europäische Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz.
Asiatische Konkurrenz dominiert den Markt
Trotz der Zollsenkungen bleiben die Aussichten für europäische Autobauer verhalten. Suzuki Motor und Hyundai sowie die indischen Marken Mahindra und Tata kontrollieren zusammen zwei Drittel des Marktes. Europäische Hersteller halten derzeit weniger als 3% Marktanteil bei jährlichen Verkaufszahlen im niedrigen Zehntausenderbereich. "In Indien geht es um billige, zuverlässige, robuste Autos", erklärt Stefan Bratzel vom deutschen Center of Automotive Management (CAM). "Die Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns waren zu teuer."
Premiumsegment bietet Chancen
Die Zollsenkung dürfte vor allem Luxusherstellern zugutekommen. "Die größten Gewinner sind Marken wie Porsche, die ihr gesamtes Portfolio als komplett montierte Einheiten importieren", sagt Fabio Hoelscher, Analyst bei Warburg Research. Ein Volkswagen-Sprecher bestätigte, dass Indien "von erheblicher strategischer Bedeutung" sei und man die geschäftlichen Auswirkungen des Abkommens prüfe. Mercedes-Benz erklärte, reduzierte Zölle sollten Autohersteller beider Regionen fördern.
Wachstumsmarkt mit Potenzial
Indien verfügt über die drittgrößte Autoindustrie der Welt nach den USA und China. Der Markt umfasst derzeit 4,4 Millionen Fahrzeuge jährlich und soll bis 2030 um über ein Drittel auf 6 Millionen wachsen. Angesichts hoher US-Importzölle und eines hart umkämpften China-Marktes suchen viele Hersteller nach neuen Wachstumsmärkten. Allerdings warnen Analysten, dass es Zeit brauchen werde, bis sich höhere Gewinne einstellen.
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Zur AktienanalyseLokale Fertigung als Schlüssel zum Erfolg
"Es ist ein Anfang. Wenn wir über Exporte aus Europa sprechen, geht es nur um Premiumfahrzeuge. Für das Volumensegment ist es schwierig", betont CAM-Experte Bratzel. Bestseller wie der Maruti Suzuki Wagon R – ein Kei-Car, das kleiner als ein Mini Cooper ist – zeigen die Präferenz indischer Käufer für kompakte, erschwingliche Fahrzeuge. Mittelfristig könnte der Ausbau lokaler Fertigung europäischen Herstellern bessere Chancen eröffnen, im Volumensegment Fuß zu fassen.


