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EU-Kapitalmarktunion: Schweden fordert Reform der Rentensysteme

Schwedischer Minister Wykman drängt auf kapitalgedeckte Renten in ganz Europa, um die neue EU-Kapitalmarktunion mit Kapital zu füllen.

EU-Kapitalmarktunion: Schweden fordert Reform der Rentensysteme

Die Europäische Union arbeitet mit Hochdruck an der Schaffung einer Kapitalmarktunion. Ziel ist es, die 27 nationalen Kapitalmärkte der EU zu einem einheitlichen europäischen Markt zusammenzuführen. Damit sollen europäische Unternehmen weniger abhängig von nationalen Banken werden und grenzüberschreitend leichter Zugang zu Eigenkapital- und Kapitalmarktfinanzierungen erhalten.

Doch eine solche Union braucht auch ausreichend Kapital, das an den Märkten investiert wird. Der schwedische Finanzminister Niklas Wykman brachte das Problem bei einer Veranstaltung bei Nordea, der größten Bank der nordischen Region, in Helsinki auf den Punkt: „Man kann zwar eine Union haben, aber sie ist nicht viel wert, wenn kein Kapital am Markt vorhanden ist."

Kapitalgedeckte Renten als Schlüssel

Wykman sieht die Lösung in einer grundlegenden Reform der Rentensysteme in Europa. Länder wie Schweden, Finnland, Dänemark und die Niederlande setzen bereits auf teilweise kapitalgedeckte Rentensysteme. Dabei wird ein Teil der Rentenbeiträge gespart und in Finanzanlagen investiert, um künftige Renten aus dem angesammelten Vermögen und den daraus resultierenden Anlagerenditen zu finanzieren.

Im Gegensatz dazu finanzieren die größten EU-Volkswirtschaften ihre Renten überwiegend über das sogenannte Umlageverfahren. Dabei werden die Beiträge der heutigen Arbeitnehmer direkt zur Auszahlung der laufenden Renten verwendet — es wird kaum Kapital angespart, das an den Märkten investiert werden könnte. Wykman forderte deshalb die größeren EU-Mitgliedstaaten offen zur Reform auf: „Wir müssen unsere Partner in ganz Europa davon überzeugen, weniger auf das Umlageverfahren und mehr auf ein kapitalgedecktes Rentensystem zu setzen."

Die Zahlen verdeutlichen das Ungleichgewicht eindrücklich. Wykman zitierte OECD-Daten, wonach Schweden, Dänemark und die Niederlande zusammen etwa zwei Drittel des gesamten Rentenvermögens der EU halten. Die vier größten EU-Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien — allesamt mit umlagefinanzierten Rentensystemen — kamen zwischen 2022 und 2024 zusammen lediglich auf einen Anteil von 22 Prozent am gesamten EU-Rentenvermögen.

EU-Kommissarin mahnt zur Eile

Auf derselben Veranstaltung in Helsinki meldete sich auch EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, Maria Albuquerque, zu Wort. Sie forderte die rasche Verabschiedung eines „echten Binnenmarktes" für Finanzdienstleistungen. Angesichts globaler wirtschaftlicher Turbulenzen haben sich die EU-Regierungen darauf verständigt, die entsprechenden Verhandlungen noch bis Ende dieses Jahres abzuschließen.

Albuquerque unterstrich die Dringlichkeit mit deutlichen Worten: „Je länger wir warten, desto weiter ziehen unsere Wettbewerber davon und desto kleiner wird Europa im Rückspiegel." Die Botschaft richtet sich vor allem an jene EU-Mitgliedstaaten, die bislang zögerlich bei Reformen ihrer Finanzmärkte und Rentensysteme agieren.

Für Deutschland ist die Debatte besonders relevant. Als größte Volkswirtschaft der EU setzt Deutschland traditionell auf das Umlageverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung. Eine stärkere Kapitaldeckung — wie sie etwa mit dem geplanten Generationenkapital diskutiert wird — könnte langfristig nicht nur die Rentenstabilität stärken, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zur Vertiefung der europäischen Kapitalmärkte leisten.

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