EU-Kommission prüft JD.com-Übernahme von MediaMarktSaturn genauer
Brüssel meldet vorläufige Bedenken wegen möglicher chinesischer Subventionen – eine endgültige Entscheidung fällt bis Oktober 2025.

Die geplante Übernahme von MediaMarktSaturn durch den chinesischen E-Commerce-Konzern JD.com gerät zunehmend unter behördlichen Druck. Die Europäische Kommission hat nach einer ersten Prüfung „vorläufige Bedenken" geäußert und leitet nun eine vertiefte Untersuchung ein. Ohne die Zustimmung der Brüsseler Behörde kann der Eigentümerwechsel nicht vollzogen werden.
Konkret steht der Verdacht im Raum, dass JD.com von staatlichen chinesischen Subventionen profitiert hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren könnten. „Die vorläufige Untersuchung deutet darauf hin, dass JD.com möglicherweise ausländische Subventionen erhalten hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren", erklärte die Kommission. Dabei geht es um Vorzugsfinanzierungen, steuerliche Anreize und direkte Zuschüsse, die JD.com in die Lage versetzt haben könnten, ein überhöhtes Übernahmeangebot für Ceconomy abzugeben.
Parallel dazu untersucht die Kommission, ob die Transaktion den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt beeinträchtigen würde. Bis zum 2. Oktober hat sie Zeit für eine abschließende Entscheidung. Das Ergebnis sei offen, betonte die Behörde ausdrücklich. JD.com könnte im Verlauf des Verfahrens Zusagen anbieten, um mögliche Wettbewerbsverzerrungen auszuräumen.
Grünes Licht aus Frankreich und Italien – Deutschland noch offen
JD.com hatte im vergangenen Sommer ein Übernahmeangebot für Ceconomy vorgelegt und sich kurz darauf die Aktienmehrheit gesichert. Seither prüfen Behörden in mehreren europäischen Ländern die Transaktion – teils kartellrechtlich, teils unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten. Frankreich und Italien haben die Übernahme bereits genehmigt. Aus Deutschland, Spanien und Österreich stehen die Entscheidungen noch aus.
Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb bereits im September freigegeben und keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken festgestellt, da JD.com bislang nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv ist. Das Bundeswirtschaftsministerium hingegen prüft den Fall noch unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten und hat seine Zustimmung noch nicht erteilt. Aus Unternehmenskreisen verlautet, man rechne mit einer Gesamtfreigabe in der zweiten Jahreshälfte.
Zwei Schwergewichte des Welthandels
Ceconomy ist Europas größter Elektronik-Fachhändler und betreibt laut Geschäftsbericht mehr als 1.000 Märkte in elf europäischen Ländern, davon rund 400 in Deutschland. Filialen der Marke Saturn existieren heute ausschließlich noch hierzulande. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit rund 50.000 Menschen, knapp 20.000 davon in Deutschland. In der deutschen Online-Handelslandschaft belegt MediaMarktSaturn hinter Amazon, Otto und Zalando den vierten Platz. Ceconomy entstand 2017 als Abspaltung vom Handelskonzern Metro.
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Zur AktienanalyseJD.com ist mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar (2024) der größte chinesische Handelskonzern und zählt weltweit zu den zehn größten Handelsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 570.000 Mitarbeiter und ist neben dem E-Commerce auch in den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig. In Deutschland ist JD.com bislang kaum präsent – erst im März dieses Jahres startete der Konzern mit dem Onlineshop Joybuy seinen hiesigen Markteintritt.
Die Geschichte der beiden Einzelhandelsmarken reicht weit zurück: Die erste Saturn-Filiale öffnete 1961 in Köln ihre Türen, der erste MediaMarkt folgte 1979 in München. 1990 übernahm MediaMarkt den Konkurrenten Saturn, bevor die Metro AG die Mehrheit an beiden Marken erwarb. Für Privatanleger bleibt die Frage spannend, ob und zu welchen Bedingungen die EU-Kommission dem Deal letztlich zustimmt – und was das für die Zukunft des europäischen Elektronikhandels bedeutet.


