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EU plant Lieferketten-Limit gegen übermäßige China-Abhängigkeit

Die EU will Unternehmen zwingen, Lieferketten zu diversifizieren, wenn mehr als 40% der Bestände von einem Lieferanten stammen.

EU plant Lieferketten-Limit gegen übermäßige China-Abhängigkeit

Die Europäische Union treibt einen weitreichenden Vorschlag voran, der Unternehmen zur Reduzierung ihrer Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten verpflichten soll. EU-Handelsbeauftragter Maros Sefcovic präsentierte die Initiative am Freitag auf einem Forum des European Policy Centre in Brüssel. Kern des Vorschlags: Unternehmen müssen ihre Lieferketten verlagern, sobald sie mehr als 40 Prozent ihrer Bestände von einem einzigen Lieferanten beziehen.

„Diversifizierung erfordert nun ein spezielles Instrument", sagte Sefcovic bei der Veranstaltung. Der Vorstoß richtet sich vor allem gegen die strukturelle Abhängigkeit europäischer Unternehmen von chinesischen Vorprodukten und Rohstoffen. Die EU steht dabei vor einer komplexen Herausforderung: Sie will ihre wirtschaftliche Sicherheit stärken, ohne einen offenen Handelskrieg mit Peking zu riskieren.

Massives Handelsdefizit als Treiber der Initiative

Der Hintergrund der Initiative ist eindeutig: Die EU verzeichnet gegenüber China ein Handelsdefizit von 360 Milliarden Euro (rund 417 Milliarden US-Dollar). Gleichzeitig fungiert China als alleiniger Lieferant für viele kritische Vorprodukte, die europäische Industrien dringend benötigen. Dazu zählen insbesondere Halbleiter und Seltenerdmetalle – Materialien, die für die Produktion von Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen und Elektronikgeräten unverzichtbar sind.

Brüssel hat Peking in der Vergangenheit wiederholt dafür kritisiert, den europäischen Binnenmarkt mit subventionierten Produkten zu überschwemmen und die eigene Wirtschaft nicht ausreichend für europäische Unternehmen zu öffnen. Jahrelange Diskussionen über Marktzugang und Überkapazitäten blieben ohne greifbare Ergebnisse, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten. Der neue Vorschlag soll nun die Verhandlungsposition der EU gegenüber China gezielt stärken.

Sefcovic erwartet, dass die EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Gipfel Ende dieses Monats der Europäischen Kommission politische Leitlinien erteilen werden. Diese sollen konkret festlegen, welche Instrumente zur Stärkung der wirtschaftlichen Sicherheit des Blocks verfolgt werden sollen. Der Gipfel gilt damit als wichtiger Meilenstein für die weitere Ausgestaltung der europäischen Handelsstrategie gegenüber China.

Diplomatische Gespräche laufen parallel

Trotz des regulatorischen Drucks setzt die EU weiterhin auf den diplomatischen Kanal. Sefcovic traf sich Anfang dieser Woche mit dem chinesischen Vize-Handelsminister Li Chenggang. Zudem hat er den chinesischen Handelsminister Wang Wentao für die kommenden Wochen nach Brüssel eingeladen, um die Gespräche über europäische Bedenken zu beschleunigen.

„Was wir intern prüfen, ist, wie wir die diplomatische Reichweite, die Kommunikation und die Diskussionen mit unseren chinesischen Partnern verbessern können", erklärte Sefcovic. Die Zurückhaltung ist auch strategisch begründet: Chinesische Beamte haben bereits vor Vergeltungsmaßnahmen gewarnt, sollte Europa seine Pläne weiterverfolgen. Brüssel versucht daher, den Spagat zwischen wirtschaftlicher Absicherung und diplomatischer Deeskalation zu meistern.

Für deutsche Unternehmen, die traditionell eng mit China verflochten sind – insbesondere in der Automobil- und Chemieindustrie – könnte die 40-Prozent-Regel erhebliche Anpassungen in der Beschaffungsstrategie erfordern. Die konkreten Umsetzungsmodalitäten und mögliche Übergangsfristen sind jedoch noch nicht festgelegt und dürften auf dem bevorstehenden EU-Gipfel weiter diskutiert werden.

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