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EU-Stahlhersteller profitieren von Schutzmaßnahmen und Nahost-Konflikt

Steigende Stahlpreise und neue EU-Handelsregeln stärken europäische Produzenten – trotz anhaltender Nachfrageschwäche und hoher Energiekosten.

EU-Stahlhersteller profitieren von Schutzmaßnahmen und Nahost-Konflikt

Die europäischen Stahlhersteller stehen vor einer Erholung. Die Preise für warmgewalzten Breitbandstahl sind in den vergangenen sechs Monaten um 20 Prozent gestiegen – schneller als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Treiber sind höhere Energiepreise sowie ein deutlicher Rückgang der Importe aus Drittstaaten infolge neuer EU-Schutzmaßnahmen.

„In der Vergangenheit hatten wir nur einige punktuelle Maßnahmen gegen Importe. Jetzt wurde das System grundlegend strukturell gestärkt", sagte Maxime Kogge, Analyst bei Oddo BHF, gegenüber Reuters. Er verwies dabei auf die CO2-Abgabe der EU auf emissionsintensive Importe sowie auf die neue Handelspolitik, die ab dem 1. Juli die Importquoten halbieren soll. Abgesehen von der noch schwachen Nachfrage stünden die Sterne für den Sektor nun „mehr oder weniger günstig", so Kogge.

Laut von LSEG zusammengestellten Daten wird für nahezu alle europäischen Stahlunternehmen ein höherer Gewinn im ersten Quartal erwartet – sowohl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum als auch zum Vorquartal. Die verbesserten Preise dürften diesen Trend weiter stützen.

Nahost-Konflikt regionalisiert den Stahlmarkt

Überraschenderweise hat auch der Krieg im Nahen Osten den europäischen Stahlherstellern in gewisser Weise genutzt. „Insbesondere bei Basis- und Spezialchemikalien sind asiatische Wettbewerber viel stärker betroffen als ihre europäischen Pendants, da ihre Abhängigkeit von Energie aus dem Nahen Osten wesentlich höher ist", erklärte Hansjörg Pack, Senior Portfolio Equity Manager beim deutschen Vermögensverwalter DWS.

Höhere Versandkosten haben den Stahlmarkt zunehmend „regionalisiert". Analysten der Bank of America berichteten Anfang des Monats, dass europäische Kunden ihre Käufe verstärkt auf inländische Produzenten verlagert haben – aus Sorge vor möglichen Lieferunterbrechungen. Dieses veränderte Kaufverhalten kommt den heimischen Herstellern direkt zugute.

Dennoch bleibt die Lage komplex. Die Nachfrage hat das Niveau von 2022 noch nicht wieder erreicht. Und nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten senkte die World Steel Association im April ihre Prognose für die Stahlnachfrage in der EU und Großbritannien für das Jahr 2026 – von 3,2 Prozent auf nur noch 1,3 Prozent Wachstum.

Hohe Energiekosten und enttäuschte Hoffnungen auf Rüstungsboost

Ein strukturelles Problem bleibt die Wettbewerbsfähigkeit bei den Energiekosten. Europäische Stahlhersteller zahlen Industriestrompreise, die mehr als 50 Prozent über denen ihrer chinesischen und indischen Konkurrenten liegen – und mehr als doppelt so hoch sind wie die der US-Produzenten. Das warnte die Bank of America in einer separaten Mitteilung.

Enttäuschend entwickelt sich auch der erhoffte Impuls aus dem deutschen Verteidigungsplan. Dieser habe „bisher nichts geliefert", so Kogge von Oddo BHF. Die früheren Erwartungen, der Plan würde ab der zweiten Jahreshälfte die Auftragseingänge positiv beeinflussen, würden sich nicht erfüllen.

Das Tempo der Erholung hängt nun maßgeblich von den weiteren Entwicklungen im Nahen Osten ab. Eine steigende Inflation infolge des Konflikts könnte die Europäische Zentralbank dazu veranlassen, die Zinsen anzuheben – was die Nachfrage zusätzlich bremsen würde. Für Anleger bleibt der Sektor damit ein Bereich mit Chancen, aber auch mit erheblichen Risiken.

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