EU verbietet chinesische Wechselrichter: Solar-Industrie fordert mehr
Neue EU-Regeln schließen Wechselrichter aus Hochrisikoländern wie China aus geförderten Solarprojekten aus – doch Experten fordern weitere Schritte.

Die Europäische Union zieht die Sicherheitsschraube im Solarsektor an: Ab sofort dürfen in der EU geförderte Solarprojekte keine Wechselrichter mehr aus sogenannten Hochrisikoländern verbauen – womit vor allem China gemeint ist. Selbst bei laufenden Projekten müssen bereits installierte Geräte ausgetauscht werden, sofern die Bauarbeiten noch nicht weit fortgeschritten sind.
Den Anstoß für diese Maßnahme lieferte ein Bericht der WirtschaftsWoche aus dem Jahr 2024. Das Magazin deckte damals auf, dass Hersteller über den Fernzugriff auf Steuerungseinheiten von Solaranlagen gezielt Unterspannungen oder sogar vollständige Stromausfälle – sogenannte Blackouts – auslösen könnten. Im schlimmsten Fall drohen dabei dauerhafte Schäden an den europäischen Stromnetzen.
Huawei dominiert – europäische Hersteller unter Druck
Der Hintergrund dieser Abhängigkeit ist wirtschaftlicher Natur: Eine jahrelange Überproduktion in China führte zu einer Schwemme günstiger Wechselrichter auf dem europäischen Markt. Huawei stieg mit großem Vorsprung zum Marktführer auf, während europäische Hersteller wie der deutsche Konzern SMA und der österreichische Anbieter Fronius massiv unter Druck gerieten. Insgesamt stammen heute 80 Prozent aller in Europa verbauten Wechselrichter aus China.
Das neue Verbot betrifft rund 20 Prozent aller Großanlagen zur Solarstromerzeugung in Europa. SMA-Vorstandschef Jürgen Reinert betont die Bedeutung dieser Anlagen: „Das sind aber auch genau die, die maßgeblich zur Netzstabilität beitragen." Er begrüßt das Verbot als „richtiges und wichtiges Signal".
Fronius-CEO Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß sieht in der EU-Maßnahme jedoch lediglich einen ersten Schritt. Da der Solarausbau in Europa stark von dezentralen Anlagen – also Eigenheimen und kleineren Betrieben – geprägt sei, reiche das Verbot allein nicht aus. „Es ist wichtig, dass die Mitgliedstaaten die Maßnahme jetzt auch auf den Eigenheimmarkt übertragen", fordert sie.
Cybersicherheitsverordnung greift bislang nicht
Theoretisch bietet die bestehende Cybersicherheitsverordnung bereits eine Grundlage, um nicht vertrauenswürdige Anbieter vom EU-Markt auszuschließen. In der Praxis müssen jedoch die einzelnen Mitgliedstaaten entsprechende nationale Verbotslisten erstellen – und das ist bislang in keinem einzigen EU-Land geschehen. Berichten zufolge übt der chinesische Staat gezielt Druck auf einzelne Mitgliedsländer aus, um genau das zu verhindern.
Jährlich werden in Europa 40 Gigawatt neue Fotovoltaik-Leistung in Industrie- und Wohnanlagen installiert und in Verteilnetze sowie Energiemanagementsysteme eingebunden. Laut dem Branchenverband European Solar Manufacturing Council (ESMC) verfügen europäische Hersteller über ausreichend Kapazitäten, um eine deutlich steigende Nachfrage zeitnah zu bedienen. Die Mehrkosten durch den Umstieg auf europäische Produkte beziffert der Verband je nach Projektgröße auf 1,7 bis 4,3 Prozent der Gesamtprojektkosten.
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Zur AktienanalyseVerbandsstreit um Huawei und Transparenz
Auch auf Verbandsebene gibt es Bewegung: Fronius trat dem ESMC bei, nachdem das Unternehmen zuvor unter Protest aus dem Verband Solar Power Europe (SPE) ausgetreten war. Der SPE hatte Huawei trotz Korruptionsvorwürfen im EU-Parlament weiterhin als zahlendes „passives" Mitglied geführt. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals „Politico" soll der SPE die Sicherheitsrisiken durch nicht vertrauenswürdige chinesische Hersteller systematisch heruntergespielt haben.
Für Anleger, die in europäische Solarwerte wie SMA Solar investiert sind oder dies erwägen, dürfte die regulatorische Entwicklung mittelfristig positiv wirken: Strengere Sicherheitsanforderungen stärken die Wettbewerbsposition heimischer Hersteller – vorausgesetzt, die Politik setzt die Regeln konsequent durch.


