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Euro-Bargeld paradox: Überfluss trotz Digitalisierung

Hortung dominiert über Zahlungen im Einzelhandel und Krisenzeiten

Euro-Bargeld paradox: Überfluss trotz Digitalisierung

Obwohl in der heutigen Zeit immer häufiger elektronisch oder mit Karte gezahlt wird, bleibt die Menge an Bargeld, die im Umlauf ist, paradoxerweise sehr hoch. Laut aktuellen Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) waren Ende des letzten Jahres Banknoten im Wert von 1.570 Milliarden Euro gedruckt. Dies wirft die Frage auf, wofür diese enorme Summe benötigt wird, insbesondere in einer Zeit, in der bargeldlose Zahlungen immer mehr an Beliebtheit gewinnen.

Eine Untersuchung der Bundesbank hat ergeben, dass in Deutschland lediglich etwa zehn Prozent des Bargelds tatsächlich für Transaktionen im Einzelhandel verwendet wird. Der überwiegende Teil dient hingegen als Wertespeicher. So werden etwa 30 Prozent des Bargeldes in Deutschland gehortet, 20 Prozent finden ihren Weg in andere europäische Länder und 40 Prozent werden außerhalb Europas aufbewahrt. Diese Zahlen verdeutlichen, dass trotz des Trends zum bargeldlosen Bezahlen, Bargeld nach wie vor eine wichtige Rolle als sichere Anlageform spielt.

Die Gründe für die Bevorzugung von Bargeld als Wertespeicher sind vielfältig. In den Jahren nach der Finanzkrise 2008/2009, als die Zinsen für Geldanlagen sehr niedrig waren oder sogar in den negativen Bereich fielen, begannen sowohl Geschäftsbanken als auch Privatpersonen, Bargeld zu horten. Dieses Phänomen verstärkte sich noch, als Geschäftsbanken für das Parken ihres Geldes bei der Bundesbank ab 2014 Negativzinsen zahlen mussten. Die Bundesbank-Vorständin Sabine Mauderer merkte an, dass das Wachstum des Banknotenumlaufs mit dem Ende der Negativzinsphase zum Erliegen gekommen sei, das erreichte Niveau des Bargeldumlaufs aber weiterhin hoch bleibe.

Auch in Krisenzeiten zeigt sich die Präferenz für Bargeld. Während der Pandemie und den damit einhergehenden Lockdowns zum Beispiel horteten viele Menschen Bargeld, da Unsicherheit darüber bestand, ob die Geldversorgung weiterhin gewährleistet sein würde. Diese Tendenz, in unsicheren Zeiten auf Bargeld zurückzugreifen, unterstreicht das Vertrauen, das viele Menschen in physisches Geld als ausfallsicheres Zahlungsmittel setzen.

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wird Bargeld in großen Mengen gehortet. In Ländern mit hoher Korruption, ineffizienter Verwaltung und einem unzureichenden Bankwesen ist Bargeld oft das bevorzugte Zahlungsmittel. Insbesondere in Regionen, in denen die nationale Währung schwach ist, werden Euro und Dollar als stabilere Währungen geschätzt.

Neben der legalen Nutzung von Bargeld gibt es allerdings auch den dunklen Markt der Geldwäsche, auf dem Bargeld eine zentrale Rolle spielt. Die Europäische Union bemüht sich, mit Gesetzen, die Bargeldgeschäfte auf maximal 10.000 Euro beschränken, dieser Praxis entgegenzuwirken. Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins durch die EZB ist ein weiterer Schritt in diesem Kampf, führte jedoch zu einer gestiegenen Nachfrage nach 100- und 200-Euro-Scheinen.

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