Europäische Aktien: Iran-Krieg bremst Gewinne laut Reuters-Umfrage
Eine Reuters-Umfrage zeigt: Europas Börsen kämpfen mit den Folgen des Iran-Krieges und fehlendem KI-Exposure.

Europäische Aktien werden im restlichen Jahresverlauf nur moderate Gewinne erzielen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Reuters-Umfrage unter 14 Analysten, die zwischen dem 19. und 26. Mai befragt wurden. Als Hauptbelastungsfaktoren gelten die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges sowie ein relativer Mangel an populären KI-Werten im europäischen Markt.
Der breite STOXX 600 Index soll das Jahr laut Median-Prognose bei 645 Punkten beenden. Das entspricht einem Anstieg von rund 2,6 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand. Für den Eurozonen-Leitindex wurde ein Zuwachs von etwas mehr als 2 Prozent vorhergesagt.
Krieg als Wendepunkt für europäische Börsen
Bemerkenswert ist die Verteilung der bisherigen Jahresgewinne: Fast der gesamte Zuwachs des STOXX 600 von 6,1 Prozent in diesem Jahr wurde in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 erzielt – noch bevor der Krieg der USA und Israels gegen den Iran begann. Der Konflikt hat die Dynamik an den europäischen Märkten seither spürbar verändert.
Dennoch hat sich der Index wieder seinen Vorkriegshöchstständen angenähert. Zwei Faktoren haben dabei geholfen: die erneute Hoffnung auf ein Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus sowie eine gewisse Beteiligung an der globalen Tech-Rally. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seeschifffahrtsrouten der Welt – rund ein Fünftel der weltweiten Energieversorgung fließt durch diesen Engpass.
Selbst wenn der Seeweg bald wieder geöffnet wird, stellen sich europäische Unternehmen bereits auf Gewinneinbußen ein. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen anheben wird, um zu verhindern, dass der Anstieg der Energiepreise auf die allgemeine Inflation übergreift. Steigende Zinsen belasten traditionell die Aktienbewertungen.
Europas strukturelle Nachteile gegenüber anderen Regionen
Analysten und Anleger sehen europäische Aktien als anfälliger gegenüber diesen Trends als Werte in anderen Regionen. Jörn Spillmann, Leiter der Anlagestrategie bei der Zürcher Kantonalbank, benennt die zentralen Risiken klar: „Die Hauptthemen auf Sicht von drei Monaten werden der Iran-Krieg, die Geldpolitik und die Ergebnisberichte für das zweite Quartal sein. In Bezug auf alle drei Punkte glauben wir, dass Europa gegenüber anderen Regionen wie Nordamerika oder den Schwellenländern gewisse Nachteile hat."
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Zur AktienanalyseSpillmann fügt jedoch hinzu: „Unter der Annahme, dass der Iran-Krieg nicht weiter eskaliert, erwarten wir eine positive Entwicklung des europäischen Marktes, jedoch schlechter als die globale Benchmark." Diese Einschätzung spiegelt die vorsichtige Grundhaltung vieler Marktteilnehmer wider.
Für deutsche Privatanleger bedeutet das Umfeld erhöhte Wachsamkeit. Die Kombination aus geopolitischen Risiken, einer möglichen Zinswende der EZB und schwächeren Unternehmensgewinnen schafft ein anspruchsvolles Umfeld. Gleichzeitig zeigt die Erholung des STOXX 600 in Richtung seiner Vorkriegshöchststände, dass der Markt nicht in Panik verfallen ist und selektive Chancen weiterhin bestehen.


