Europäische Aktien steigen nach Israel-Libanon-Waffenstillstand leicht an
Die Einigung auf eine Erneuerung des Waffenstillstands zwischen Israel und dem Libanon beflügelt die europäischen Börsen und nährt Hoffnungen auf ein US-Iran-Abkommen.

Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag überwiegend zugelegt, nachdem Israel und der Libanon einer Erneuerung ihres fragilen Waffenstillstands zugestimmt haben. Anleger bewerteten die möglichen Auswirkungen dieser Einigung auf die laufenden Verhandlungen zur Beendigung des mehr als drei Monate andauernden Krieges mit dem Iran.
Bis 09:17 Uhr ET (13:17 Uhr GMT) stieg der paneuropäische Stoxx 600 um 0,4 Prozent. Der deutsche DAX legte um 0,8 Prozent zu, der französische CAC 40 kletterte sogar um 1,2 Prozent nach oben. Der britische FTSE 100 blieb dagegen unverändert.
Waffenstillstand knüpft an Hisbollah-Rückzug
Nach einer vierten Runde von den USA vermittelter Gespräche erklärten sowohl Israel als auch der Libanon, dass der Waffenstillstand an eine „vollständige Einstellung des Feuers der Hisbollah und den Abzug aller Hisbollah-Kämpfer" aus Gebieten südlich des Litani-Flusses im Südlibanon geknüpft sei. „Diese Schritte werden Fortschritte auf dem Weg zu einem umfassenden Friedens- und Sicherheitsabkommen ermöglichen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Hisbollah selbst nahm nicht an den Verhandlungen teil.
Ein mögliches Abkommen zwischen Washington und Teheran war bislang an eine Einstellung der Kämpfe im Libanon geknüpft, wo mit den USA verbündete israelische Streitkräfte gegen die vom Iran unterstützten Hisbollah-Milizen kämpften. Die Waffenstillstandseinigung nährt nun die Hoffnung, dass ein potenzielles US-Iran-Abkommen auch die Wiedereröffnung der Straße von Hormus beinhalten könnte – ein Schritt, der den Aufwärtsdruck auf die Energiepreise und die allgemeine Inflation deutlich mildern würde.
Ölpreise und Anleiherenditen geben nach
Die Brent-Rohöl-Futures, die globale Benchmark für Öl, reagierten prompt auf die Nachricht: Sie fielen um 1,0 Prozent auf 96,84 US-Dollar pro Barrel. Auch die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone, die sich entgegengesetzt zu den Kursen bewegen, gaben nach. Die Märkte prognostizieren, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen im Laufe dieses Jahres anheben könnte, um das Preiswachstum in der Eurozone einzudämmen.
Am Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump angedeutet, dass bereits an diesem Wochenende Fortschritte in den Gesprächen mit dem Iran erzielt werden könnten. Der iranische Außenminister erklärte seinerseits, der Kontakt zu Washington sei nicht abgebrochen worden. Anfang der Woche hatten Medienberichte noch darauf hingedeutet, dass Teheran die Übermittlung von Nachrichten an die USA über Vermittler eingestellt habe.
Trump sieht sich innenpolitisch zudem wachsendem Druck ausgesetzt: Das US-Repräsentantenhaus stimmte trotz der republikanischen Mehrheit für eine Resolution, die den Präsidenten an der Fortsetzung des Konflikts hindern soll. Die Maßnahme benötigt noch die Zustimmung des Senats sowie Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern, um ein mögliches Veto Trumps zu überstimmen.
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Zur AktienanalyseJenseits der Geopolitik bleibt künstliche Intelligenz das beherrschende Marktthema. Der CEO des taiwanesischen Auftragsfertigers TSMC erklärte am Donnerstag, das Unternehmen erwarte, dass die enorme Nachfrage nach Rechenleistung und modernsten Halbleitern das Wachstum in den kommenden Jahren antreiben werde.
Dennoch notierten die europäischen Chipwerte STMicroelectronics und ASML im frühen Handel schwächer. Belastet wurden sie durch die Quartalszahlen des US-Konkurrenten Broadcom, der zwar dank der sprunghaft ansteigenden Nachfrage nach KI-Chips einen Umsatzsprung verzeichnete, dessen Aktien jedoch im nachbörslichen Handel aufgrund einer Prognose fielen, die die Erwartungen einiger Anleger nicht erfüllte.
Positiv stach hingegen Remy Cointreau hervor: Die Aktien des Spirituosenherstellers sprangen im Pariser Handel kräftig an, nachdem der CEO Pläne zur Steigerung des Betriebsgewinns um rund 100 Millionen Euro bis 2028/29 vorgestellt hatte. Die Gruppe strebt zudem eine Verdoppelung des Umsatzvolumens im Reise-Einzelhandel und in den Schwellenländern an und leitet eine umfassende dreijährige Turnaround-Offensive ein.


