Europäische Aktien unter Druck: Nahost-Spannungen und KI-Pause belasten
Geopolitische Unsicherheiten und eine Abkühlung im KI-Sektor drücken am Freitag auf die europäischen Börsen.

Die europäischen Aktienmärkte haben am Freitagmorgen überwiegend nachgegeben. Anleger reagierten auf eine Kombination aus erneuten Spannungen im Nahen Osten und einer spürbaren Abkühlung im Sektor der künstlichen Intelligenz. Der paneuropäische Stoxx 600 verlor gegen 09:56 Uhr ET (13:56 GMT) rund 0,1 Prozent.
Auch die großen nationalen Indizes gerieten unter Druck. Der deutsche DAX fiel um 0,4 Prozent, der französische CAC 40 verlor 0,1 Prozent. Lediglich der britische FTSE 100 konnte sich mit einem Plus von 0,3 Prozent gegen den Trend behaupten.
Anleiherenditen und US-Arbeitsmarkt belasten die Stimmung
Zusätzlichen Gegenwind lieferten steigende Renditen von Staatsanleihen der Eurozone, die auf ihren ersten wöchentlichen Anstieg seit Mai zusteuerten. Gestützt wurden die Renditen durch einen starken US-Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen an eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve im weiteren Jahresverlauf neu entfachte. Höhere Zinsen gelten traditionell als Belastung für Aktienmärkte, da sie die Finanzierungskosten für Unternehmen erhöhen und festverzinsliche Anlagen attraktiver machen.
Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Die Hisbollah-Miliz lehnte ein von den USA vermitteltes Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon ab. Der Anführer der Hisbollah bezeichnete das Abkommen laut einer Erklärung als „absurd, demütigend und beleidigend". Israelische Angriffe töteten derweil laut der Nachrichtenagentur Associated Press mindestens vier Menschen, während libanesische Truppen am Donnerstag in umkämpfte Gebiete im Südlibanon vorrückten.
Die Ablehnung des Waffenstillstands durch die Hisbollah weckt neue Zweifel an einem möglichen Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Teheran, das eng mit der Hisbollah verbündet ist, hat die Einstellung der Kämpfe im Libanon zur zentralen Bedingung in den Verhandlungen mit Washington gemacht. Die anhaltende Pattsituation hat dazu geführt, dass die Straße von Hormus – eine strategisch bedeutende Wasserstraße vor der Südküste des Irans – faktisch für den Tankerverkehr gesperrt ist. Dies verknappt das globale Ölangebot und droht die Weltwirtschaft zu destabilisieren.
Ölpreis gibt nach, bleibt aber erhöht
Der Preis für die globale Ölsorte Brent fiel zuletzt um 1,1 Prozent auf 93,91 US-Dollar pro Barrel. Damit liegt der Preis zwar unter den jüngsten Höchstständen, aber noch deutlich über dem Niveau vor Ausbruch der aktuellen Konflikte.
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Zur AktienanalyseKI-Sektor unter Druck – Halbleiterwerte besonders betroffen
Neben der Geopolitik belastete auch eine offensichtliche Pause im KI-Handel die Märkte. Auslöser waren unter anderem enttäuschende Ergebnisse des US-Chip-Giganten Broadcom zu Beginn der Woche. Europäische Halbleiterwerte reagierten mit deutlichen Kursverlusten:
- ASML (Niederlande): -2,6 Prozent
- Infineon (Deutschland): -8,3 Prozent
- STMicroelectronics (Frankreich): -5,7 Prozent
Gegen den Trend legte der britische Chipdesigner Raspberry Pi zu. Das Unternehmen hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an und verwies dabei auf eine solide Nachfrage im Bereich der künstlichen Intelligenz. Raspberry Pi bildet damit eine Ausnahme in einem ansonsten schwachen Sektor und zeigt, dass die KI-Nachfrage trotz der allgemeinen Abkühlung nicht vollständig versiegt ist.


