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Europäische Gaspreise nahe Mehrmonatshoch: Huthi-Drohungen belasten Versorgung

Neue Seeblockade-Drohungen der Huthi-Bewegung halten europäische Erdgaspreise auf erhöhtem Niveau – Goldman Sachs hebt Preisprognosen deutlich an.

Europäische Gaspreise nahe Mehrmonatshoch: Huthi-Drohungen belasten Versorgung

Die europäischen Erdgas-Großhandelspreise notieren weiterhin nahe ihrer Mehrmonatshochs. Der niederländische Frontmonatskontrakt (TTF), die maßgebliche Benchmark für europäisches Gas, bewegte sich am Dienstag um 57,50 Euro pro Megawattstunde (MWh) – in unmittelbarer Nähe der Ende vergangener Woche erreichten Viermonatshochs. Auch der britische Großhandels-Gaskontrakt hielt sich stabil nahe seinem höchsten Stand seit Ende März.

Ausschlaggebend für die anhaltend hohen Preise sind neue geopolitische Spannungen im Nahen Osten. Die Huthi-Bewegung im Jemen hat eine neue Seeblockade gegen Saudi-Arabien ausgerufen und damit die Sorgen um kritische Seeverkehrsadern erneut angeheizt. Erst wenige Tage zuvor war ein Handelsschiff nach einem Angriff nahe der Straße von Hormus in Brand geraten. Diese Entwicklungen überlagern zaghafte Anzeichen einer diplomatischen Annäherung zwischen Washington und Teheran.

Obwohl der Schiffsverkehr die betroffene Region unter militärischer Aufsicht weiterhin passiert, haben erhöhte Sicherheitsrisiken und steigende Kriegsrisiko-Versicherungsprämien die Kosten für den Seehandel unmittelbar in die Höhe getrieben. Geopolitische Risikoprämien sind laut Marktbeobachtern über die gesamte Preiskurve hinweg eingepreist.

Goldman Sachs hebt TTF-Prognosen deutlich an

Eine am Dienstag veröffentlichte Analyse der US-Investmentbank Goldman Sachs unterstreicht den wachsenden Druck auf die europäischen Energiebilanzen. Die Analysten hoben ihre kurzfristigen TTF-Preisprognosen für den Rest des dritten Quartals auf 60 EUR/MWh und für das vierte Quartal auf 53 EUR/MWh an. Zudem geht die Bank nun von einer verzögerten Normalisierung der LNG-Exporte aus dem Persischen Golf bis Oktober 2026 aus und schätzt eine Nettoverringerung des weltweiten Sommerangebots um 16 Millionen Tonnen pro Jahr.

Besonders alarmierend ist die Warnung der Goldman-Analysten bezüglich der europäischen Gasspeicher: Die unterirdischen Speicher in Nordwesteuropa könnten zu Beginn des Winters lediglich zu 67 Prozent gefüllt sein – der niedrigste Stand zum Sommerende seit mindestens 14 Jahren. Derzeit liegen die europäischen Speicherstände bei knapp 40 Prozent der Kapazität. Um die asiatische Nachfrage zu drosseln und die europäischen Speicherbestände zu sichern, könnten die Gaspreise laut Goldman Sachs in Richtung der Schwelle von 65 EUR/MWh steigen oder sich dort halten.

In einem besonders ungünstigen Szenario – sollten sich die Exporte aus dem Nahen Osten erst schrittweise bis 2027 normalisieren – müssten die TTF-Preise für Dezember 2026 auf über 100 EUR/MWh steigen. Das entspräche einem Anstieg von mehr als 110 Prozent gegenüber dem Basisszenario. Goldman Sachs sieht dieses Extremszenario vor allem dann als relevant an, falls die Wintertemperaturen kälter als im Durchschnitt ausfallen sollten.

Europas strukturelle Abhängigkeit von LNG-Importen

Die europäische Energieinfrastruktur ist nach dem weitgehenden Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen in den vergangenen Jahren extrem anfällig für Störungen im Persischen Golf geworden. Die Versorgungsunternehmen auf dem Kontinent sind stark auf flexible LNG-Schiffsladungen (Flüssigerdgas) angewiesen, um die unterirdischen Speicher vor der winterlichen Heizperiode aufzufüllen.

Analysten warnen, dass jede längerfristige Umleitung von LNG-Tankern um das afrikanische Kap der Guten Hoffnung die Anlandungskosten dauerhaft hoch halten wird. Der längere Transportweg erhöht nicht nur die Reisezeit, sondern auch den Treibstoffverbrauch und die Betriebskosten der Tanker erheblich – Mehrkosten, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden. Für deutsche Privatanleger und Energieverbraucher bedeutet dies: Die Gaspreise dürften auch in den kommenden Monaten auf erhöhtem Niveau verbleiben.

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