Europas Herausforderung bei Alzheimer-Therapien
Forschung im Rückstand trotz vielversprechender Entwicklungen in den USA

In der Europäischen Union ist derzeit keine Alzheimer-Therapie zugelassen, während in den USA bereits zwei Behandlungen verfügbar sind, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Die Alzheimer-Erkrankung, die nach dem Nervenarzt Alois Alzheimer benannt wurde, ist eine der häufigsten Formen der Demenz und betrifft weltweit schätzungsweise über 35 Millionen Menschen, darunter rund eine Million in Deutschland. Die Krankheit führt zu einem Abbau von Nervenzellen im Gehirn, was Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Veränderungen der Persönlichkeit zur Folge hat.
Die EU-Arzneimittelagentur hat den Antikörper Lecanemab, der von den Unternehmen Eisai und Biogen entwickelt wurde, nicht zugelassen. Experten befürchten, dass diese Entscheidung die Perspektiven für Patienten und die Forschung in Europa beeinträchtigen könnte. Laut Stefan Teipel vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen besteht die Sorge, dass Europa von wichtigen Fortschritten in der Alzheimer-Forschung abgeschnitten wird. Er hebt hervor, dass Patienten, bei denen der Wirkstoff potenziell hilfreich hätte sein können, nun ohne Behandlung bleiben.
In den USA wird unterdessen an der Zulassung des zweiten Wirkstoffs Donanemab gearbeitet, dessen Wirksamkeit in klinischen Studien belegt wurde. Dieser Wirkstoff könnte die Verschlechterung des Gesundheitszustands von Patienten um bis zu 35 Prozent verlangsamen, allerdings traten dabei auch erhebliche Nebenwirkungen auf, darunter Hirnschwellungen und -blutungen. Die Notwendigkeit einer engen Überwachung der Patienten mittels Positronen-Emissions-Tomografien (PET) bringt zudem hohe Kosten mit sich, die für eine jährliche Behandlung auf bis zu 200.000 Euro geschätzt werden.
Ein weiterer Ansatz zur Bekämpfung der Krankheit ist die Erforschung aktiver Immuntherapien, wie sie von dem Schweizer Unternehmen AC Immune entwickelt werden. Diese Therapie zielt darauf ab, eine Immunreaktion gegen Eiweißablagerungen im Gehirn zu erzeugen, die mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung stehen. Eine Zulassung könnte bis 2030 erfolgen, wenn die laufenden Studien erfolgreich verlaufen.
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Zur AktienanalyseZudem wird der Diabetes-Wirkstoff Semaglutid, der unter den Namen Ozempic und Wegovy bekannt ist, als vielversprechend für Alzheimer-Patienten betrachtet. Er könnte dazu beitragen, die Insulinsensitivität in Gehirnzellen zu erhöhen und somit den Abbau schädlicher Amyloid-Plaques zu unterstützen. Die Ergebnisse einer Phase-3-Studie zu Semaglutid werden für 2026 erwartet. Sollte sich die Wirksamkeit bestätigen, könnte dieser Wirkstoff in Kombination mit den bereits erforschten Antikörper-Therapien eingesetzt werden.


