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Europas Tech-Firmen zieht es in die USA

Kapitalmarktschwäche zwingt Start-ups zur Abwanderung über den Atlantik

Europas Tech-Firmen zieht es in die USA

Viele europäische Technologieunternehmen wandern zunehmend in die USA ab. Ein Beispiel dafür ist der schwedische Musikstreaminganbieter Spotify, der sich für einen Börsengang in New York und nicht in Stockholm entschied. Ähnlich verhält es sich mit dem französischen Online-Marketingdienst Criteo und dem deutschen Impfstoffhersteller Biontech, die ebenfalls in den USA an die Börse gegangen sind. Diese Entwicklung sorgt bei europäischen Börsenbetreibern und Technologieverbänden für Besorgnis. In einem gemeinsamen Brandbrief wenden sich die Deutsche Börse, die Euronext sowie mehrere Wirtschaftsverbände an die EU-Finanzminister und die EU-Kommission. Sie fordern Maßnahmen zur Stärkung des europäischen Kapitalmarktes, um dem Abwandern von Wachstumsfirmen entgegenzuwirken.

Im Brief wird betont, dass sich europäische Unternehmen nicht aus mangelndem Patriotismus gegen einen Börsengang in Europa entscheiden, sondern aus wirtschaftlichen Überlegungen. Der Kapitalmarkt in den USA sei tiefer und breiter, was es den Firmen erlaube, höhere Bewertungen zu erzielen. In den USA gab es im Jahr 2021 mehr Tech-Börsengänge als in Europa in den Jahren 2015 bis 2023 zusammen. Rund 50 in Europa gegründete Firmen sind seit 2018 in den USA an die Börse gegangen und haben dabei eine Marktkapitalisierung von 439 Milliarden Dollar erreicht. Laut Verena Pausder, der Chefin des Deutschen Start-up-Verbands, führt diese Entwicklung zu einem Verlust an Wertschöpfung und schwächt den Wirtschaftsstandort Europa.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, fordern die Verfasser des Briefs vier konkrete Maßnahmen. Erstens müsse das Risikokapital in der Wachstumsphase gestärkt werden, da europäische Start-ups in dieser Phase oft von besser finanzierten Investoren aus den USA oder Asien abhängig werden. Zweitens sollten neue Anreize für mehr Liquidität geschaffen werden, indem Steuervorschriften und andere Regelungen gelockert werden. Drittens müssten die Transaktionskosten für Aktieninvestitionen im Ausland gesenkt und steuerliche Regelungen EU-weit vereinheitlicht werden. Schließlich seien stärkere Anreize für Aktieninvestments notwendig, um die derzeit niedrige Beteiligung der EU-Bürger an Finanzprodukten zu erhöhen.

In Deutschland könnte das Zukunftsfinanzierungsgesetz II eine Rolle dabei spielen, mehr Investitionen in Wachstumsfirmen zu fördern und die Attraktivität von Börsengängen zu steigern. Allerdings wird in der Start-up-Szene kritisiert, dass eine wichtige Passage aus dem Gesetzesentwurf gestrichen wurde. Ursprünglich sollte der steuerliche Freibetrag für Kapitalbeteiligungen von Mitarbeitern an ihrem eigenen Unternehmen von 2000 auf 5000 Euro erhöht werden, doch dieser Vorschlag wurde im überarbeiteten Entwurf nicht mehr berücksichtigt. Vertreter der Start-up-Branche, wie Verena Pausder, sehen hierin eine verpasste Gelegenheit, mehr Kapital in den europäischen Kapitalmarkt zu lenken.

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