EZB-Direktor Elderson warnt Banken vor KI-gestützten Cyberangriffen
EZB-Direktoriumsmitglied Frank Elderson fordert Banken im Euroraum auf, sich dringend auf KI-basierte Cyberbedrohungen vorzubereiten.

EZB-Direktoriumsmitglied Frank Elderson hat die Banken im Euroraum am Mittwoch eindringlich aufgefordert, sich auf potenzielle Cyberangriffe vorzubereiten, bei denen KI-Technologien wie das Modell „Claude" des Unternehmens Anthropic zum Einsatz kommen könnten. Elderson äußerte sich in einem von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten Interview. Der Appell richtet sich an alle Geldinstitute im Euroraum und unterstreicht die wachsende Bedeutung von KI-Risiken im Bankensektor.
Elderson, der als Vizevorsitzender der EZB-Bankenaufsicht fungiert, betonte dabei die Dringlichkeit des Handelns. Er wies darauf hin, dass die Banken im Euroraum derzeit keinen direkten Zugang zu dem genannten KI-Modell von Anthropic haben. Doch genau das sieht er nicht als Entlastungsgrund, sondern als zusätzlichen Anreiz zur Vorbereitung.
„Fehlender Zugang ist keine Entschuldigung für Untätigkeit. Im Gegenteil, es macht es umso dringlicher, dass die Banken jetzt aktiv werden und handeln", sagte Elderson in dem Interview.
Wachsende Bedrohungslage durch Künstliche Intelligenz
Die Warnung des EZB-Direktors spiegelt eine breitere Entwicklung im Bereich der Cybersicherheit wider. Künstliche Intelligenz wird zunehmend nicht nur als Werkzeug für legitime Anwendungen, sondern auch als potenzielles Mittel für Cyberangriffe diskutiert. Leistungsstarke KI-Modelle könnten es Angreifern ermöglichen, Attacken schneller, gezielter und schwerer erkennbar zu gestalten.
Für den europäischen Bankensektor bedeutet dies, dass Sicherheitsstrategien und Abwehrmechanismen kontinuierlich an neue technologische Realitäten angepasst werden müssen. Die EZB-Bankenaufsicht, auch bekannt als Single Supervisory Mechanism (SSM), überwacht die bedeutendsten Kreditinstitute im Euroraum direkt und gibt damit Eldersons Worten besonderes Gewicht.
Handlungsbedarf für europäische Geldinstitute
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Botschaft aus Frankfurt ist klar: Banken sollen nicht abwarten, bis KI-gestützte Angriffswerkzeuge tatsächlich verfügbar oder im Einsatz sind. Stattdessen fordert die EZB proaktives Handeln – also die Analyse möglicher Angriffsszenarien, die Stärkung der IT-Infrastruktur und die Schulung von Mitarbeitern, bevor ein konkreter Angriff stattfindet.
Dieser Ansatz entspricht dem regulatorischen Trend in der EU, der mit Regelwerken wie dem Digital Operational Resilience Act (DORA) bereits verbindliche Anforderungen an die digitale Widerstandsfähigkeit von Finanzinstituten stellt. Eldersons Aussagen unterstreichen, dass die Aufsichtsbehörden die Entwicklungen im KI-Bereich sehr genau beobachten und von den Banken entsprechende Vorbereitungen erwarten.


